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Home Sonderthemen Hannover Region Nord Vom großen Glück, in Corona-Zeiten auf den Hund gekommen zu sein
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09:59 19.02.2021
Molly und Frieda sind Bolonka-Zwetna-Hündinnen, die nicht haaren.

Es ist ein überraschender Boom unserer außergewöhnlichen Zeit: Menschen, die sich gezwungenermaßen im Social Distancing üben, entscheiden sich für einen vierbeinigen Hausgenossen gegen das Gefühl der Vereinsamung. Der wichtigste positive Nebeneffekt liegt in der Bewegung an frischer Luft, die für den Hund Lebenselixier ist.

Stets an der frischen Luft

Mit Hund gibt es immer einen Grund zum Spazierengehen und schnell gewöhnt man sich daran, bei jedem Wetter in Feld, Wald und Park unterwegs zu sein. Neuhundebesitzer schaffen sich plötzlich ganz andere Kleidungsstücke an: Hoodies, Outdoorhosen mit Taschen für Leckerli und stabile Wanderschuhe für Matschwege – das ist der Dresscode der Gassigänger. Wenig kleidsam? Egal!

Der Hund hilft in Corona-Zeiten auch beim Strukturieren des Alltags, denn nun stehen zu festen Zeiten Fütterung und Gassigänge an. Frauchen hat am Computer die Zeit vergessen? Hasso wird sie erinnern, wenn es Zeit für die Abendmahlzeit ist. Die Menschenbezogenheit des Hundes macht ihn so beliebt. Ein Hund mit vertrauensvoller Bindung an seine Menschen ist das „Glück auf vier Pfoten“. Hunde können trösten und aufheitern und niemand freut sich so sehr, wenn der Mensch nach Haus kommt wie der kleine Pudel, der lustige Mischling oder der gutmütige Labrador.

Doch ein Hund bedeutet auch eine lebenslange Verantwortung für sein Wohlergehen. Hier setzen die Sorgen von Tierheimen und Hundetrainern an.

Verantwortung für ein Hundeleben

Die Corona-Zeit wird enden und dann sitzt Herrchen nicht mehr im Homeoffice, Frauchen hat statt Kurzarbeit wieder einen Fulltimejob. Die Befürchtung, dass viele „Corona-Hunde“ dann ihre Schuldigkeit getan haben und im Tierheim abgegeben werden, ist nicht ganz unbegründet.

Rund 500 000 Tiere – nicht nur Hunde – wurden in der Vergangenheit jährlich ausgesetzt. Die zertifizierte Hundetrainerin und Sachkundeprüferin Johanna Rothmann sagt außerdem: „Mit großer Sorge beobachte ich die sich häufenden Probleme mit den Corona-Hunden.“

Noch nie wären so viele Auslandshunde an Ersthalter vermittelt worden. „Mich erreichen immer öfter Anfragen von verzweifelten Menschen, die es zuhause mit Angst- und/oder Aggressionsverhalten zu tun haben und den eigenen Hund schon eine Woche nach der Anschaffung (aus dem Ausland, direkt vom Transporter abgeholt) nicht mehr alleine händeln können, vor ihm Angst haben. Beißvorfälle häufen sich.“ Auch die eigentlich notwendige Sachkundeprüfung von Ersthundehaltern werde oft vernachlässigt. Hunde, ob Auslandshund oder Welpe, brauchen Sozialisierung, doch entsprechende Kursangebote dürfen oft nicht stattfinden.

Anfängerfehler gehören dazu

Sie hofft, wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen, dass es schnell wieder möglich ist, Hunde in Gruppen zu trainieren. Richtig ist es auf jeden Fall, bei allen Problemen rund um den Hund fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Problem ist nämlich oft „das andere Ende der Leine“, also der Mensch. Anfängerfehler kommen vor, dafür muss sich niemand schämen. Und auch nach einem holprigen Start mit dem neuen Familienmitglied kann durch geeignetes Training Abhilfe geschaffen werden, derzeit zumeist als Einzeltraining.

Charakter erwachsener Hunde ist entscheidend

„Adopt, don’t shop“: Dieser Slogan wirbt dafür, sich einen Hund aus dem Tierschutz zuzulegen. Wer einen treuen Hundekumpel besitzen möchte, der ideal zu den eigenen Lebensbedingungen passt, ist gut beraten, in den lokalen Tierheimen nach einem ausgewachsenen Hund Ausschau zu halten. Hier kennt man die Charakterzüge des zu vermittelnden Hundes. Mögliche Futterallergien sind bekannt und auch Unverträglichkeiten, zum Beispiel mit anderen Hunden oder kleinen Kindern. Verantwortungsvolle Hundevermittlung heißt im Tierheim auch, zu prüfen, ob Hund und Halter zueinander passen. Auf den Websites www.tierheim-hannover.de und www.tierheim-burgdorf.de findet man zum Beispiel die aktuellen Abgabebedingungen.

Kleiner Gassi-Knigge

Hunde lieben es, frei zu laufen, sich einmal richtig auszutoben, gern auch mit Artgenossen. Doch Hundehalter und Hundehalterinnen sollten grundlegende Regeln beachten, damit Spaziergänge und Begegnungen angenehm verlaufen:

Das „große Geschäft“ des kleinen Vierbeiners wird mit dem Kotbeutel aufgehoben und nicht auf Wegen und in Parks liegengelassen. Auch die saftige Wiese auf dem Land ist keine Hundetoilette, denn das Gras ist nach der Mahd Nahrung für andere Tiere.

Auch außerhalb der Leinenzwangzeiten niemals eine ungefragte stürmische Begegnung des Hundes mit fremden Menschen provozieren. „Der will nur spielen“ war noch nie eine gute Ausrede dafür, den Hund fröhlich auf Fremde zulaufen zu lassen.

Mit anderen Hundehaltern verständigen, ob eine leinenlose Begegnung gewünscht ist. Ein Hund an der Leine, der andere freilaufend: Das ist immer eine potentielle Konfliktsituation. Anleinen, auf Entfernung verständigen – und dann in einem weiten Bogen angeleint aneinander vorbeigehen oder, wenn beide spielen dürfen, Leine lösen, damit das abgesprochene Toben beginnen kann.