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Home Sonderthemen Komplett Viele Mitarbeiter hegen zurzeit Kündigungsängste
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12:24 30.11.2020
Arbeitnehmer sind nicht nur im Homeoffice in der Corona-Krise einigen Herausforderungen ausgesetzt. Professionelle Beratung kann unterstützen. Foto: Andrea Piacquadio/Pexels

Zahlreiche Branchen sind aufgrund der Corona-Maßnahmen von massiven Umsatzrückgängen betroffen – nicht nur im Kulturbereich, auch Handel und Gastronomie verzeichnen Einbußen. Das wirkt sich vielerorts auch auf die Beschäftigten aus. Produktionen werden zurückgefahren, Homeoffice und mobiles Arbeiten werden zum Ersatz für die Anwesenheit im Büro. Die Angst vor dem Jobverlust steigt, manche müssen sich erstmals in ihrer Berufslaufbahn mit dem Thema Kurzarbeit auseinandersetzen.  

Lockdown hat Folgen

Der Lockdown hinterlässt messbare Spuren. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Oktober 2,760 Millionen Menschen arbeitslos – ein Plus von 556 000 Arbeitslosen zum Vorjahresmonat. Und mit den Verlängerungen der Maßnahmen und Schließungen ist auch in der nächsten Zeit voraussichtlich nicht mit einer Entspannung der Lage zu rechnen. Betroffene sollten ihre Rechte kennen, wenn es zu einer betriebsbedingten Kündigung kommt. Die Möglichkeiten hängen vorrangig von der Betriebsgröße ab. Bei Unternehmen mit bis zu zehn Vollzeitkräften – Teilzeitkräfte werden hierbei anteilig mitgerechnet, Auszubildende nicht – gilt das sogenannte Kündigungsschutzgesetz nicht. Gerade die von der Krise besonders hart getroffenen Kleinbetriebe in der Gastronomie fallen in diese Kategorie. Gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung oder einen Sozialplan gibt es in solchen Kleinbetrieben nicht.

Anders verhält es sich, wenn mehr als zwanzig Mitarbeiter beschäftigt werden und wenn es einen Betriebsrat gibt. Dann müsse das Unternehmen einen Sozialplan und einen Interessenausgleich vornehmen. „In jedem Fall sollten sich Betroffene rechtlichen Rat einholen. Auch kurzfristig ist es noch möglich, einen Betriebsrat zu gründen“, erläutert Rainer Knoob, Bundesvorsitzender der Arbeitnehmervertretung. Mit der Einführung von Kurzarbeit versuchen viele Unternehmen, Kündigungen zu vermeiden. Im Juni 2020 erreichte die Zahl mit 7,3 Millionen Beschäftigten in Kurzarbeit einen Rekordstand. Auch wenn diese Zahlen wieder rückläufig sind, sollten Arbeitnehmer für diesen Fall ihre Rechte und Pflichten kennen.
                  

Jobcenter Region Hannover

Nebentätigkeit melden

So sind etwa Nebentätigkeiten bereits vorab dem Arbeitgeber mitzuteilen – auch wenn man bedingt durch die Kurzarbeit über mehr freie Zeit für zusätzliche Erwerbstätigkeit verfügt. Bereits vor Beginn der Kurzarbeit genehmigte Nebenjobs können selbstverständlich weiterhin ausgeübt werden. Einige Branchen profitieren sogar von der Krise – beispielsweise Lieferdienste und Versandhändler – und stellen vermehrt Hilfskräfte ein.

Manche Unternehmen stocken die Zahlungen der Agentur für Arbeit, die als Kurzarbeitergeld den Nettolohnausfall in Teilen kompensieren, freiwillig auf. Oder sie unterstützen ihre Mitarbeiter bei Weiterbildungsmaßnahmen, die während der Kurzarbeit wahrgenommen werden können und für den zukünftigen Berufsweg wertvoll sind.

Zudem kann der Arbeitgeber Beschäftigte dazu verpflichten, zunächst Überstunden oder andere Zeitguthaben wie Resturlaub abzubauen, bevor er Kurzarbeit anordnet. Dabei sind jedoch viele Details zu klären. Und auch in puncto Versicherungen ist einiges zu beachten: Wer etwa stundenweise im Homeoffice arbeitet, ist nur dann über die berufliche Unfallversicherung abgesichert, wenn ein Unfall während der Ausübung der beruflichen Tätigkeit passiert – der Weg zum heimischen Balkon für eine Verschnaufpause zählt beispielsweise nicht dazu. Für die Klärung solcher Details, die dem individuellen Fall entsprechen, ist eine professionelle, unabhängige Beratung ratsam.
                     

 Jobcenter Region Hannover

Kurzarbeit als Mittel

Wenn der Job während der laufenden Kurzarbeit gestrichen wird, kommt es aufs Detail an. Denn die Kurzarbeit ist grundsätzlich ein Mittel, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Arbeitgeber muss also nachweisen, dass sich die Auftragslage nochmals verschlechtert hat seit Beginn der Kurzarbeit, beziehungsweise, dass in absehbarer Zeit keine Besserung zu erwarten ist. Wohlgemerkt: Dies gilt für betriebsbedingte Kündigungen, personenbedingte oder verhaltensbedingte Kündigungen sind davon nicht betroffen. Mit der Kündigung endet zugleich der Bezug des Kurzarbeitergeldes, bis zum Ablauf der im Arbeitsvertrag geregelten Kündigungsfrist hat der Arbeitnehmer Anspruch auf das volle Arbeitsentgelt.

Wer in einem kriselnden Unternehmen ist, sollte rechtzeitig selbst aktiv werden. Neben einer Beratung und Absicherung für Verdienstausfälle gehört dazu auch, sich nach alternativen Angeboten auf dem Arbeitsmarkt um zusehen.

Analysieren und handeln – Experten geben Tipps

Analysieren und handeln – Experten geben Tipps
Analysieren und handeln – Experten geben Tipps

"Das Kündigungsschutzgesetz gilt erst ab zehn Mitarbeitern, die anwaltliche Prüfung der Kündigung ist zurzeit nur zu empfehlen.“


Wirtschaftliche Probleme in der Pandemie begründen eine Kündigung nur, wenn auch das Kündigungsschutzgesetz eingehalten ist. Betriebsbedingte Entlassungen erfordern den dauerhaften Beschäftigungsmangel. Mit Aussicht auf den Impfstoff ist in einigen Branchen eine Besserung zu erwarten. Kurzarbeitergeld fördert diese Annahme. Das Kündigungsschutzgesetz gilt erst ab zehn Mitarbeitern, die anwaltliche Prüfung der Kündigung ist zurzeit nur zu empfehlen. Denn ab Erhalt gilt: drei Wochen Zeit für die Klage.


Michael Stier, Geschäftsführer Jobcenter Region Hannover
Michael Stier, Geschäftsführer Jobcenter Region Hannover

"Wir sind für die Menschen in der Region Hannover ohne Einschränkungen da. Die Grundsicherung ist sichergestellt, und auf unsere Beratung können sich die Menschen verlassen.“


Die Corona-Beschränkungen treffen viele Menschen in der Region Hannover unerwartet und besonders hart. Gerade Selbstständige, Gastronomen und Kulturschaffende stehen jetzt vor finanziellen Problemen.
Bei der Sicherung des Lebensunterhalts kann das Jobcenter helfen. Wenn das Einkommen nicht mehr zum Leben reicht, sollten Sie in jedem Fall einen Antrag auf Grundsicherung beim Jobcenter stellen. Denn wir helfen in der Pandemie zügig und unterstützen Sie bei der Antragstellung.
Niemand muss seine Selbstständigkeit aufgeben, die Arbeitsgeräte verkaufen (wie zum Beispiel das Klavier des Musikers) oder die eigene Altersvorsorge auflösen, um Leistungen zum Lebensunterhalt vom Jobcenter zu erhalten. Bei der Prüfung, ob ein Anspruch besteht, betrachtet das Jobcenter allerdings immer das gesamte Familieneinkommen.

In der Corona-Pandemie hat das Jobcenter Region Hannover ein eigenes Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer (05 11) 65 59 22 99 klären Beschäftigte des Jobcenters Fragen und Anliegen.


Volker Müller, Inhaber vom VGH Büro am Stadion
Volker Müller, Inhaber vom VGH Büro am Stadion

"Die Rechtsschutzversicherung hilft, unerwartete Kosten im Falle eines Rechtsstreites zu verhindern."


Viele Menschen sind in der Corona-Pandemie unsicher bei Rechtsfragen, die wegen Corona neu entstehen. Deshalb steigt auch das Bedürfnis, eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel bei vermuteter Entlassung durch den Arbeitgeber. Ein Streit vor dem Arbeitsgericht kann schnell viel Geld kosten. Die Rechtsschutzversicherung hilft, unerwartete Kosten im Falle eines Rechtsstreites zu verhindern. Ein laufender Versicherungsbeitrag ist hingegen kalkulierbar. Selbst wer vor dem Arbeitsgericht gewinnt, muss in der ersten Instanz die Kosten für seinen Anwalt selbst zahlen. Die Rechtsschutzversicherung bietet verschiedene Möglichkeiten an, die üblichen sind die Berufs-, Verkehrs- und Privatrechtsschutz-Bausteine. Die Bausteine können mit individuellen Zusatzleistungen ergänzt werden. Um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, kann die VGH sogar die Kosten für Mediationsverfahren übernehmen.
Für telefonische Beratung steht den versicherten Kunden auch eine kostenlose Rechtsschutz-Hotline zur Verfügung.


Peter Chr. Petry, Rechtsanwalt und Mediator der Kanzlei Bartels, Mehring & Petry
Peter Chr. Petry, Rechtsanwalt und Mediator der Kanzlei Bartels, Mehring & Petry

"Kurzarbeit kann nicht einseitig angewiesen werden."


Kurzarbeit kann grundsätzlich nicht einseitig vom Arbeitgeber angewiesen werden, wie häufig angenommen wird. Kurzarbeit kann nur im beiderseitigen Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart und bei der Agentur für Arbeit angemeldet werden. Anders liegt der Fall natürlich, wenn im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag ausdrücklich geregelt ist, dass der Arbeitgeber Kurzarbeit einseitig anweisen kann


David Rönisch, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Hannover
David Rönisch, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Hannover

"Der Fachkräftebedarf ist weiterhin hoch, nutzen Sie die Zeit für Qualifizierungen!“


Arbeitssuchende und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen sollten jetzt die eigene Qualifizierung in Angriff nehmen, denn der Fachkräftebedarf in den Unternehmen ist weiterhin hoch und wird anhalten. Eine am Arbeitsmarkt ausgerichtete Qualifizierung erhöht die Chancen und die Verdienstmöglichkeiten, dazu beraten wir in der Arbeitsvermittlung. Die Arbeitgeber werden von uns im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Region Hannover u. a. zur Qualifizierung Beschäftigter und zur Stellenbesetzung beraten.