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Home Sonderthemen Hannover Region West Der Deister hat viel zu bieten – ein kleiner Streifzug
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08:49 15.07.2020
Der Deister lockt als Naherholungsgebiet Jahr für Jahr viele Besucher, Spaziergänger und Wanderer an. Diverse Gedenksteine finden sich an vielen Stellen. Die Wanderwege sind sehr gut ausgeschildert.

Der Deister hat jede Menge zu bieten: Ob für sportliche Wanderer oder Biker, gemütliche Zu-Fuß-Spazierengeher, Familien, Kegelbrüder und Kegelfrauen, Kindergarten-Tagesausflügler und, und, und … Unter nicht Corona-Pandemie-Umständen bietet der Tourismus-Service-Wennigsen auch jede Menge tolle Führungen, Wanderungen und historische Streifzüge im Deister an, die zurzeit allerdings nur sehr beschränkt stattfinden. Wer es genauer wissen möchte, was noch geht, der sollte sich auf der Homepage des Tourismus-Service - www.tourismus-wennigsen.de – umschauen. Dort stehen alle Infos!

Nachfolgend einige Wander- und Spaziergängertipps, die auch in Coronazeiten mit der Familie und guten Freunden möglich sind. Alle nachfolgenden Angebote erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Gewähr.

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Der Annaturm ist der höchste Punkt im Deister

Der Annaturm auf dem Bröhn ist mit 405 Metern über NN der höchste Punkt im Deister. Er liegt direkt am Kammweg, einem uralten Verkehrsweg auf dem Rücken des Deisters, an dem noch Wegesteine aus dem 16. beziehungsweise 17. Jahrhundert zu finden sind.

Nachdem 1820 die von dem Mathematiker Professor Carl Friedrich Gauß angeregte Vermessung des Königreichs Hannover genehmigt worden war, wurde 1833/1834 der Annaturm als Holz-Eisen-Konstruktion auf Veranlassung von Gauß als trigonometrischer Messpunkt auf dem Bröhn im Deister errichtet. Heute erinnert noch der Gaußstein, der die Buchstaben „G“ wie Gauß und „M“ wie Kapitän Müller trägt, mit dem Gauß die Vermessungen durchführte, in der Gartenterrasse an diese Zeit.

Im Laufe der Geschichte wurden 1867 und 1879 neue Türme aus verschieden Materialien neu aufgebaut bzw. umgebaut. Der dritte Turm wurde auf den Namen Anna, des Maurermeisters Ernst Brauns Gattin aus Hannover, getauft. 1982 wurde der nun mittlerweile sechste Turm als Betonröhrenturm mit einer direkt daneben liegenden Waldgaststätte als Wanderziel errichtet.

Auf dem Turm mit einer Höhe von 28 Meter befinden sich Besucher in 433 Meter über NN und bekommen einen gewaltigen Rund-Um-Blick über das Calenberger Land. Dieser reicht bis nach Hannover, zum Steinhuder Meer, zum Brocken im Harz und auch zum Weserbergland. Die Turmbesteigung ist kostenfrei.

Die Waldgaststätte Annaturm wird seit Jahrzehnten als Familienbetrieb geführt. In der rustikalen, gemütlichen Atmosphäre befinden sich zwei Räumen mit jeweils 30 beziehungsweise 50 Sitzplätze und 150 Sitzplätze im Außenbereich.  

Der Georgsplatz – ein Platz für Bergleute

Die Wassertretstelle des Kneipp-Vereins gehört zu den Zielen im Deister.
Die Wassertretstelle des Kneipp-Vereins gehört zu den Zielen im Deister.

Ein nahes Ziel im Deister ist der Georgsplatz. Dort wo heute regelmäßig – vor der Coronazeitrechnung – Musik erklingt, trafen sich früher die Bergleute. Der Ursprung dafür geht zurück auf die von alters her landwirtschaftlich geprägte Region Hannover. So nahm man hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch nicht an der industriellen Entwicklung teil. Der Deister war zwar schon seit dem 17. Jahrhundert Rohstofflieferant (Holz, Sandstein und Kohle), doch erst mit der Übereignung des Kohleabbaus in staatliche Hände Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung auch in Hannover Einzug zu halten.

Ein Teil dieser Geschichte wird am Georgsplatz in der Wennigser Mark dargestellt. Ursprünglich ein Festplatz für die Bergleute, ließ König Ernst August II. von Hannover seinen Oberhofbaudirektor Georg Ludwig Friedrich Laves und den Maurermeister Nordmann 1845 hier ein Forsthaus für den blinden Königssohn Georg errichten. Heute ist das Forsthaus in Privatbesitz, doch rund um das Gelände ist ein zwei Kilometer langer Rundweg angelegt.

Die Glasmacher haben eine lange Tradition

Ein wichtiges Zeitmonument sind die Glashütten auf dem Steinkrug, die von großer historischer Bedeutung für Wennigsen und die Region Hannover sind.

Ab 1809 entstand an der Siedlung die Glashütte Steinkrug, die Freiherr Wilhelm Carl Ernst Knigge (1771–1839) vom Gut Bredenbeck gründete. 1838 erbaute Freiherr Knigge die Glashütte, die ihre Rohstoffe direkt vor der Tür fand: Quarzsand, Kalk, Holz und später Kohle. 1839 wurde auf dem Hüttengelände der 13 Meter hohe Glashüttenturm, auch „englischer Turm“ genannt, erbaut.

Er ist heute einer der wenigen noch vorhandenen Exemplare in Europa.

1859 übernahm der Bremer Kaufmann Heye das Unternehmen. Fast einhundert Jahre lang wurde hier mundgeblasenes Hohlglas gefertigt: rote, braune, grüne und blaue Medizin-, Wein- und Bierflaschen, Gärballons und Korbflaschen.

Die Ihme entspringt in Evestorf

Der Deister steht für vieles: für eine waldreiche Gegend mit landwirtschaftlich geprägtem Vorland, für mächtiges Sandgestein und für Wasser. All dies kommt in Evestorf zusammen. Dort, wo der Wennigser Mühlbach mit dem Bredenbecker Bach zusammenfließt, beginnt ein für Hannover wichtiger Fluss – die Ihme.

Von hier aus fließt sie durch Vörie, Ihme-Roloven, Hemmingen-Westerfeld und Ricklingen bis hinein nach Hannover, wo sie schließlich in die Leine mündet. Ihrem Ursprungsort in Evestorf wurde 2008 in Form eines großen Deistersandsteins ein Denkmal gesetzt.

Wasserräder sind der Magnet

Auch die Wasserräder sind ein beliebter Ausflugstipp.
Auch die Wasserräder sind ein beliebter Ausflugstipp.

Die Wasserräder im Deister haben sich weit über die Tore der Kommune hinaus einen Namen als beliebtes Ausflugsziel gemacht. Kinder wie Erwachsene gleichermaßen sind von den vielen einzelnen Aktionen fasziniert. Alles dreht sich, alles bewegt sich, alles ist durch das Wasser im Fluss. Gut zu erreichen sind die Wasserräder über den Parkplatz Wennigsen Waldkater. Von dort ist eine Strecke von etwa drei Kilometer zu Fuß zurückzulegen.

Wennigsen (Deister) ist reich an Wasser. Es strömt aus dem Deister herunter und hat jahrhundertelang Mühlen angetrieben. Es hat die Kohleförderung und damit die Industrialisierung der Region unterstützt und die Menschen der umliegenden Gemeinden versorgt.

Später haben die Wasserquellen Wanderer bei ihrer Brotzeit erfrischt. Derart ins alltägliche Leben integriert, erstaunt es nicht, dass Kinder am Wasser aus kleinen Vierkanthölzern die Räder der Mühlen nachbauten und an den Bächen ausprobierten.

Seit 1957 tut es ihnen eine Bastlergemeinschaft nach. Jedes Jahr installieren die Mitglieder ihre selbst gebauten, fantasievollen Wasserräder und Mühlen entlang einer Strecke von etwa 100 Metern im Bachlauf der Feldbergquelle.
  

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