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Home Sonderthemen Hannover Region Ost Steuerliche Überlegungen zum Jahresende 2019 – Neuerungen ab 2020
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22:12 12.12.2019
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Thomas Franke

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu und der steuerliche Gesetzgeber war wieder fleißig. Hierüber möchte ich nachfolgend berichten.
 

■ Unternehmer/Kassenführung:

Ab 1. Januar 2020 gilt die Kassensicherungsverordnung (Kassen-SichV), die die Anwendung der elektronischen Aufzeichnungssysteme i. S. des § 146a Abgabenordnung regelt.

Die Verordnung gilt ausschließlich für elektronische oder computergestützte Kassensysteme oder Registrierkassen i. S. des § 146a Abgabenordnung. Sie gilt zum Beispiel nicht für Fahrscheinautomaten, Fahrscheindrucker, elektronische Buchhaltungsprogramme, Waren- oder Dienstleistungsautomaten, Geldautomaten, Taxameter sowie Geld- und Warenspielgeräte.

Die betroffenen Kassensysteme müssen über eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen, die aus drei Bestandteilen besteht:

■ 1. Sicherheitsmodul

■ 2. Speichermedium

■ 3. Einheitliche digitale Schnittstelle

Das Sicherheitsmodul gewährleistet, dass Kasseneingaben mit Beginn des Aufzeichnungsvorgangs protokolliert und später nicht mehr unerkannt verändert werden können. Auf dem Speichermedium werden die Einzelaufzeichnungen für die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist gespeichert. Die digitale Schnittstelle soll eine reibungslose Datenübertragung für Prüfungszwecke gewährleisten. Hierfür können übliche Standardschnittstellen wie zum Beispiel USB, Ethernet, SD Karten etc. zum Einsatz kommen.

Kassenhersteller oder Kassensoftware Hersteller müssen die technische Sicherheitseinrichtung nicht selbst entwickeln und zertifizieren, sondern können eine am Markt verfügbare technische Sicherheitseinrichtung in das Kassensystem integrieren. Zuständig für die Zertifizierung des technischen Sicherheitsmoduls ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Zusätzlich ist den Finanzbehörden nach amtlich vorgeschriebenem Muster eine Mitteilung über die Verwendung des elektronischen Kassensystems innerhalb eines Monats nach Anschaffung oder Abmeldung des Systems zu melden. Diese Frist gilt ab 1. Januar 2020.

Für Nutzer älterer Kassensysteme ist zu differenzieren zwischen aufrüstbaren und nicht aufrüstbaren Kassensystemen. Für aufrüstbare Kassensysteme hat die Implementierung bis spätestens 30.September 2020 zu erfolgen. Nicht aufrüstbare Kassensysteme dürfen noch bis Ende 2022 weiter genutzt werden.

Neu eingeführt worden ist auch die Belegausgabepflicht, die ebenfalls ab 1. Januar 2020 angewendet werden muss. Künftig müssen Unternehmer, die ein elektronisches Aufzeichnungssystem (Registrierkasse) nutzen, dem Kunden in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang einen Beleg über den Geschäftsvorfall ausstellen. In Ausnahmefällen zum Beispiel auf Wochen- und Jahrmärkten etc. kann das Finanzamt in Ausnahmefällen hiervon befreien. Allerdings kann diese Befreiung vom Finanzamt widerrufen werden.

Eine generelle Pflicht zum Einsatz elektronischer Aufzeichnungssysteme besteht nicht.

■ Unternehmer/Investitionsabzug in Kombination mit Sofortabschreibung Geringwertiger Wirtschaftsgüter:

Kleine und mittlere Unternehmen können vom sogenannten Investitionsabzugsbetrag profitieren.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Investitionsabzugsbetrages ist bei Unternehmern, die ihren Gewinn durch Einnahme- Überschuss- Rechnung ermitteln ein maximaler Gewinn von 100 000 Euro, bei Bilanzierenden gilt eine Betriebsvermögensgrenze von 235 000 Euro (Aktivposten abzüglich Passivposten der Bilanz). So können, ohne im Jahr 2019 Geld in die Hand nehmen zu müssen, bis zu 40 v. H. der Investitionskosten (maximal bis 200 000 Euro pro Betrieb) für 2020 bis 2022 geplante Investitionen in das bewegliche Anlagevermögen in Abzug gebracht werden. Beispiel: Geplante Anschaffung einer Büroeinrichtung und neuer EDV Anlage für 50 000 Euro. Der Investitionsabzugsbetrag 2019 beläuft sich hier auf 40 v. H. von 50 000 Euro = 20 000 Euro sofern die Investition bis zum Ablauf des Jahres 2022 erfolgt. Geregelt ist die alles in § 7 g des Einkommensteuergesetzes.

Besonders lohnenswert ist dies, wenn zum Beispiel die Anschaffung eines Tablets im Jahr 2020 für 1200 Euro geplant ist. Dieser Betrag müsste normalerweise über die Nutzungsdauer des Tablets verteilt über die Jahre abgeschrieben werden. In Kombination mit dem Investitionsabzugsbetrag 2019 in Höhe von 40 v. H. von 1200 Euro = 480 Euro kommt man so auf einen Anschaffungswert von 1200 Euro abzgl. 480 Euro = 720 Euro und somit unter die Grenze von 800 Euro für geringwertige Wirtschaftsgüter, sodass der Betrag von 720 Euro im Jahr 2020 in voller Höhe abgezogen werden kann (480 Euro in 2019 und 720 Euro in 2020 zusammen also 1200 Euro).

■ Immobilieneigentümer und übrige Steuerzahler

■ 1. Steuerzahler, die eine neue Immobilie für Vermietungszwecke bauen und von der neuen Sonderabschreibung profitieren möchten achten darauf, dass die Kosten pro Quadratmeter Wohnfläche nicht mehr als 3000 Euro betragen. Dann nämlich können neben der normalen Abschreibung von 2 v. H. zusätzlich 5 v. H. in den ersten vier Jahren steuerlich geltend gemacht werden.

■ 2. Vorsicht ist geboten beim Baukindergeld, welches an eine bestimmte Einkommenshöhe gebunden ist. Hier bekommen bei Vorliegen der Voraussetzungen Bauherren je Kind und Jahr für zehn Jahre 1200 Euro insgesamt 12 000 Euro Zuschuss vom Staat. Allerdings ist der Antrag spätestens innerhalb von sechs Monaten nach Einzug ins Eigenheim zu stellen und innerhalb weiterer drei Monate nach Antragstellung ist das durchschnittliche Haushaltseinkommen im zweiten und dritten Jahr vor der Antragstellung nachzuweisen. Um diese Fristen nicht zu versäumen, sind schnellstmöglich Steuererklärungen beim Finanzamt einzureichen, sofern nicht bereits geschehen.

■ 3. Für Handwerkerleistungen im Privathaushalt können 20 v. H. der abgerechneten Arbeitsleistung maximal bis 1200 Euro von der Steuerschuld abgezogen werden. Bei Leistungen, die sich über das Jahr 2019 hinaus erstrecken kann es sinnvoll sein, freiwillige Ratenzahlungen zu leisten, um so den Abzugsbetrag zweimal zu erhalten. Beispiel: Bei Zahlung im Jahr der Fertigstellung im Februar 2020 in Höhe von 12 000 Euro erhält der Eigentümer einmal Abzug von 20 v. H. von 12000 Euro = 2400 Euro maximal aber 1200 Euro. Werden die Zahlungen auf 2019 und 2020 mit jeweils 6000 Euro geleistet, erhält der Eigentümer in 2019 20 v. H. von 6000 Euro = 1200 Euro und im Jahr 2020 ebenfalls 20 v. H. von 6000 Euro = 1200 Euro, sodass nunmehr insgesamt 2400 Euro steuerlich in Abzug gebracht werden können.

Ihnen liebe Leserinnen und Leser wünsche ich eine besinnliche Advents- und eine friedvolle Weihnachtszeit.

Langenhagen, 3. Dezember 2019

■ Thomas Franke Wirtschaftsprüfer und Steuerberater


Steuerliche Überlegungen zum Jahresende 2019 – Neuerungen ab 2020

Demenz und Folgen eines schweren Unfalls oder einer Erkrankung können bei Erwachsenen jeden Alters dazu führen, die eigenen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln zu können.

Wer für diesen Fall keine Vorsorge trifft, erhält vom Gericht einen Betreuer. Um zu verhindern, dass es sich hierbei um eine fremde Person handelt, kann mithilfe einer Betreuungsverfügung eine Person des Vertrauens frei ausgewählt und als Betreuer bestimmt werden.

Das Gericht behält die Kontrolle

Im Gegensatz zu einem durch eine Vorsorgevollmacht Bevollmächtigten unterliegt ein Betreuer der Kontrolle des Betreuungsgerichts. Immobilienverkäufe, Wertpapiergeschäfte oder Wohnungsauflösungen muss das Gericht ihm genehmigen.

Der Betreuer ist gegenüber dem Betreuungsgericht rechnungslegungspflichtig. Er ist auch nach Abschluss der Betreuung noch zur Rechenschaft verpflichtet.

Vorsorgevollmacht hat Vorrang

Liegt hingegen eine Vorsorgevollmacht vor, darf das Gericht keine Betreuung anordnen. Mit einer Vorsorgevollmacht kann der Bevollmächtigte sofort handeln, wenn der Vorsorgefall eintreten sollte. In diesem Fall bedarf es weder der Zustimmung noch der Kontrolle durch das Gericht.

Eine Vorsorgevollmacht sollte deshalb nur eine uneingeschränkt vertrauenswürdige Person erhalten, die ausschließlich im Interesse des Vollmachtgebers handelt.

Immobilienverkauf erfordert Gutachten

Soll beispielsweise eine Immobilie kurzfristig wegen akuten Finanzbedarfs veräußert werden, kann ein Bevollmächtigter sofort verkaufen. Den Preis legt er selbst fest, auch wenn dieser unter dem Marktwert liegt. Ein Betreuer muss hingegen zunächst ein Wertgutachten für das Objekt einholen und es dem Gericht vorlegen. Auch mehrere Personen können für unterschiedliche Aufgabenbereiche als Betreuer eingesetzt werden. Für den Fall, dass eine bestimmte Person nicht als Betreuer tätig werden will oder kann, empfiehlt es sich, einen Ersatz zu benennen. Notarkammer Celle

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