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11:36 15.04.2021
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Thomas Franke

Das Jahr 2021 ist in jeder Hinsicht wieder spannend, gilt es doch mit den immer schneller werdenden gesetzlichen Änderungen Schritt zu halten. Insbesondere gilt dies im Bereich der Corona Verordnungen wo mittlerer Weile die Überbrückungshilfe 3 zu bewerkstelligen ist. Schwierigkeiten ergeben sich hier dadurch, dass die Umsätze bis 30.06.2021 geschätzt werden müssen, um den zutreffenden Kostenzuschuss der von 40 v. H. bis zu 90 v. H. reicht, zu ermitteln. Schwierig deshalb, da nur ein Antrag zu stellen ist. Bei sich im Nachhinein ergebenden Änderungen ist dies in der sog. Schlussrechnung zu korrigieren.

Ganz brandaktuell ist die Tatsache, dass Soloselbständige die sog. Neustarthilfe nun auch durch prüfende Dritte (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte (m/w/d) beantragen können bis zu einer maximalen Förderung von einmalig 7500 Euro. Die Kosten des Sachverständigen werden bis zu einem Betrag von 375 Euro (5 v. H.) der Fördersumme vom Staat übernommen, sodass in den meisten Fällen für die Soloselbständigen keine selbst zu tragenden Kosten für die Antragstellung entstehen sollten. Ist der Umsatzrückgang von Januar bis Juni 2021 allerdings kleiner als 60 v. H. des maßgebenden Referenzumsatzes muss die Hilfe, zumindest anteilig, zurückgezahlt werden.

Daneben können Soloselbständige selbst (ohne prüfende Dritte) über das vorgesehene Antragsportal mit ihrem Elster Zertifikat die Neustarthilfe beantragen.

Unternehmer

■ Corona Bonus

Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern einen steuerfreien Corona Bonus bis zu 1500 Euro zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zahlen. Diese am 31.12.2020 ausgelaufene Frist wurde nun bis zum 30.06.2021 verlängert, § 3 Nr. 11 a.) EstG. Die Regelung ermöglicht jedoch keine weitere steuerfreie Corona Sonderzahlung, lediglich die Frist wurde verlängert, so dass Arbeitgeber, die bis jetzt noch keine Sonderzahlung geleistet haben dies im ersten Halbjahr 2021 noch nachholen können.

■ Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld

Die mit dem Steuerhilfegesetz eingeführte begrenzte und befristete Steuerbefreiung der Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld und Saison – Kurzarbeitergeld wird um ein Jahr bis zum 31.12.2021 verlängert.

■ Investitionsabzugsbetrag:

Diese Vorschrift ermöglicht Unternehmen für geplante künftige Anschaffungen für Wirtschaftsgüter des beweglichen Anlagevermögens die dann möglichen Abschreibungen in Form eines Investitionsabzugsbetrages vorzuziehen, um so einen Liquiditätsvorteil zu erlangen.

Dieser Investitionsabzugsbetrag wurde von 40 v. H. auf 50 v. H. erhöht, so dass bei einer Investitionssumme von beispielsweise 100 000 Euro für eine Maschine hierfür ein Investitionsabzugsbetrag von 50 000 Euro in Anspruch genommen werden kann.

Eine weitere Verbesserung besteht darin, dass dies auch für vermietete Wirtschaftsgüter gilt, zum Beispiel für Personenkraftwagen, EDV Anlagen etc. Zusätzlich sind auch die Antragsvoraussetzungen verbessert worden, da nunmehr eine einheitlich geltende Gewinngrenze von 200 000 Euro sowohl für den Investitionsabzugsbetrag als auch für die nachfolgende Sonderabschreibung gem. § 7 g EstG Antragsvoraussetzung ist.

■ GmbH-Gesellschafter-Darlehen

Nicht selten gewähren Gesellschafter „ihrer GmbH“ Darlehen. Diese können zum Beispiel als Finanzplandarlehen oder als krisenbestimmte Darlehen der GmbH gewährt werden. Umstritten war bislang immer, wie ein Verlust des Darlehens sich steuerlich auswirkt oder nicht.

Hier hatte der Bundesfinanzhof zuletzt Gesellschafter freundlich geurteilt, als Darlehensverluste für nach dem 31.12.2008 gewährte Darlehen zu 100 v. H. steuerlich in Ansatz gebracht werden konnten, als er die gewährten Darlehen als Einlagen im Sinne von § 20 Abs. 2 i. V. mit Abs. 4 EStG behandelt hat, so dass der endgültige Ausfall der Kapitalforderung i. s. d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG in der privaten Vermögenssphäre nach Einführung der Abgeltungssteuer als steuerlich anzuerkennenden Verlust nach § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 7, S. 2, Abs. 4 EStG beurteilt hat.

Offen bleibt allerdings, in welcher Höhe der Verlust aus dem Forderungsverzicht (Ausfall) steuerliche Wirkung erzielt und ob der Verlust unter das Abzugsverbot des § 20 Abs. 6 EStG (jetzt maximal 20 000 Euro p. a. mit der Möglichkeit des Verlustvortrags) fällt oder ob die konkurrierende Vorschrift des § 17 Abs. 2 a.) EStG anzuwenden ist, nach der nur 60 v. H. des Verlustes bestimmter Darlehen steuerlich in Ansatz gebracht werden dürfen. Diese nicht ganz einfache Grenzziehung muss im Einzelfall beurteilt werden.

Gleichwohl sollten derartige Sachverhalte durch die Einlegung von Rechtsbehelfen offengehalten werden.

Immobilieneigentümer, Arbeitnehmer und Bezieher von Einkünften aus Kapitalvermögen

■ Bei der verbilligten Wohnraumüberlassung müssen die Werbungskosten nicht anteilig gekürzt werden, wenn die Wohnung zu mindestens 66 v. H. der ortsüblichen Miete vermietet wird. Dieser Betrag wird ab 2021 auf 50 v. H. herabgemindert, sodass die Vermietung mit 5 Euro pro Quadratmeter bei ortsüblicher Miete von 10 Euro pro Quadratmeter ohne anteilige Kürzung der Werbungskosten erfolgen kann. Diese Regelung ist nunmehr Gesetz geworden und ist mit Wirkung ab 1. Januar 2021 anzuwenden.

■ Klarstellung erfolgt insoweit, dass Beratungsleistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung von einem Dritten zur beruflichen Neuorientierung – sog. Outplacement oder New Placement Beratung für ausscheidende Arbeitnehmer steuerfrei sind, § 3 Nr. 19 EStG.

■ Die monatliche Freigrenze für Sachbezüge wird von derzeit 44 auf 50 Euro ab dem 01.01.2022 angehoben, § 8 Abs. S. 11 EStG.

■ Die ab 2019 eingeführte Beschränkung der Verlustverrechnung bei Einkünften aus Termingeschäften und aus dem Ausfall von Kapitalanlagen im Privatvermögen (siehe auch oben unter GmbH Gesellschafter Darlehen) wird die mögliche Verlustverrechnung über den eingegrenzten Verlustverrechnungskreis hinaus von jährlich 10 000 Euro auf jeweils 20 000 Euro angehoben, § 20 Abs. 6 S. 5 und 6 EStG.

Vereine und Gemeinnützigkeitsrecht

Einige Änderungen sind auch im Vereins- bzw. Gemeinnützigkeitsrecht zu verzeichnen. Es wird ein Zuwendungsempfängerregister für den EU- und EWR Raum eingeführt und die Grenze für einen vereinfachten Zuwendungsnachweis wird von 200 auf 300 Euro erhöht.

Besonders erfreulich ist, dass die starren gesetzlichen Zeitvorgaben bei der Mittelverwendung für kleine steuerbegünstigte Körperschaften abgeschafft und die Freigrenze für wirtschaftliche Geschäftsbetriebe von 35 000 auf 45 000 Euro erhöht. Außerdem werden die Zwecke „Klimaschutz“, „Freifunk“ und „Ortsverschönerung“ als gemeinnützig eingestuft.

Die Übungsleiterpauschale wird von zurzeit 2400 auf jetzt 3000 Euro, die Ehrenamtspauschale von 720 auf 840 Euro angehoben. Diesbezüglich sind jedoch gewisse Satzungsregelungen zusätzlich zu beachten.

Ihnen liebe Leserinnen und Leser wünsche ich eine sonnige Frühlingszeit, kommen Sie gut durch die Krise und bleiben Sie gesund!

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Thomas Franke

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