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05:38 19.08.2021
Stefan Kahnt, Steuerberater

Trotz Fortbestehens der Corona Pandemie sind überall Bestrebungen im Gange, zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. Das schließt auch die Erfüllung steuerlicher Pflichten ein.

Viele Steuerpflichtige, für die in der Vergangenheit keine Verpflichtung bestand, Steuererklärungen abgeben zu müssen, sehen sich nach dem Bezug von Kurzarbeitergeld im letzten Jahr nunmehr damit konfrontiert, in diesem Jahr eine Steuererklärung für 2020 abgeben zu müssen. Betroffen sind alle Arbeitnehmer, die im Jahr 2020 Lohnersatzleistungen (wie z. B. Kurzarbeitergeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Arbeitslosengeld) von insgesamt mehr als 410 Euro bezogen haben.

Angesichts der besonderen Lage hat das Bundesfinanzministerium die Abgabepflicht der Steuererklärungen 2020 ausnahmsweise bis zum 31.10.2021 verlängert. Sofern man sich steuerlich beraten lässt, verlängert sich die Frist sogar auf dem 31.05.2022.

Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern wollen bisweilen mit dem Betrieb einer Photovoltaikanlage einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Für viele dieser Anlagebetreiber kommt dann die etwas überraschende Erkenntnis, dass die Anlage aus steuerlicher Sicht als Unternehmen angesehen wird und mit entsprechenden steuerlichen Pflichten verbunden ist. Durch die laufende Absenkung der Vergütung des in das Versorgungsnetz eingespeisten Stroms entstehen aus den kleineren PV-Anlage häufig Verluste denen ein beachtlicher Aufwand an Bürokratie gegenübersteht.

Das Bundesministerium für Finanzen hat hierzu in einem Schreiben eine Verwaltungsanweisung erteilt, dass im Rahmen einer Vereinfachungsregelung bei Fotovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von weniger als 10 KW steuerliche Liebhaberei zu unterstellen ist.

Die Inanspruchnahme der Vereinfachungsregelung setzt einen schriftlichen Antrag voraus. Die Einkünfte der PV-Anlage bräuchten hiernach zukünftig nicht mehr in der Einkommensteuererklärung deklariert zu werden. Die Vereinfachungsregelung wirkt sich nicht auf die umsatzsteuerliche Behandlung der Anlage aus.

Die Antragstellung bietet jedoch für den Einzelfall einige Fallstricke; im Zweifel sollte vorher fachlicher Rat eingeholt werden.

Das Finanzamt ist bestrebt, das Besteuerungsverfahren immer weiter zu automatisieren. Hierzu wird den Steuerpflichtigen immer stärker auferlegt, ihren Erklärungspflichten auf elektronischem Wege nachzukommen. Eine Befreiung ist für die Verpflichteten nur in wenigen Ausnahmefällen möglich.

So sind Unternehmen verpflichtet, unabhängig von der Unternehmensgröße, ihre Jahresabschlüsse elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln. Der BFH hat nunmehr klargestellt, dass auch Kleinstbetriebe eine E-Bilanz übermitteln müssen, selbst wenn hierfür nicht vorhandene Technik (Software/Hardware) extra beschafft, oder ein Dienstleister beauftragt werden muss. Der BFH sah in dem entschiedenen Streitfall den Aufwand von 40 Euro nicht als unbillige Härte an. Auch wenn am Ende eine stete Einzelabwägung vorzunehmen ist, ist davon auszugehen, dass die Befreiung von der Verpflichtung zur Abgabe der E-Bilanz sicherlich eine seltene Ausnahme bleiben wird.

Bereits seit dem 01.07.2021 müssen sich alle Unternehmer, die ihr Angebot auf Online-Handelsplattformen anbieten mit einer Verschärfung in der Umsatzsteuer befassen: Für die bisherigen Versandhandelsregelungen wurde der sogenannte Fernverkauf neu eingeführt. Insbesondere gilt dies für Warenversandlieferungen über elektronische Handelsplattformen (z. B. Ebay, Amazon etc.) an Privatpersonen in EU-Mitgliedstaaten.

In diesen Fällen ist die Umsatzsteuer des jeweiligen Bestimmungslandes auszuweisen und abzuführen. Um die Umsatzsteuer im Bestimmungsland abführen zu können, ist eine Registrierung bei den dortigen Finanzbehörden erforderlich. Alternativ besteht die Möglichkeit, sich über das Elster Portal der Finanzverwaltung zentral für alle EU-Mitgliedstaaten zur Teilnahme am OSS-Verfahren registrieren zu lassen.

Die Regelungen gelten erst ab Überschreiten eines EU-weiten Schwellenwertes von 10 000 Euro im vorangegangenen Kalenderjahr sowie voraussichtlich im laufenden Kalenderjahr.

Bei der Anschaffung einer Immobilie wird in der Regel ein einheitlicher Kaufpreis bestimmt. Für den Fall, dass mit der Immobilie steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden, ist dieser einheitliche Preis aufzuteilen in einen Anteil für Grund und Boden und in einen Anteil für das Gebäude. Eine solche Aufteilung ist erforderlich, da der Grund und Boden nach den steuerlichen Vorschriften nicht abgeschrieben werden darf. Erfahrungsgemäß ist ohne ein vorheriges Gutachten eine derartige Aufteilung regelmäßig streitbehaftet, da der Steuerpflichtige zur Erhöhung des Abschreibungsvolumens dem Gebäude häufig einen höheren Wert beimisst. Im Rahmen eines qualifizierten Schätzverfahrens hat das BMF im Internet ein Excel-Tool als Arbeitshilfe zur Aufteilung des Kaufpreises bereitgestellt. Dieses Tool wurde aktuell auf Druck des BFH vom BMF geändert. Es handelt sich weiterhin um ein legitimiertes Schätzverfahren. Sollte es hierbei zu Ergebnissen kommen, die nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, sollte weiterhin auf ein qualifiziertes Gutachten zurückgegriffen werden.

Stefan Kahnt, Steuerberater

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