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11:59 15.04.2021
Mehr Fotovoltaik auf den Dächern ist auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Private Hausbesitzer, die eine Fotovoltaikanlage errichten und den erzeugten Strom ganz oder teilweise in das Stromnetz des örtlichen Grundversorgers einspeisen, müssen sich auch mit steuerlichen Fragen beschäftigen, denn sie werden steuerlich zum Unternehmer. Die Inbetriebnahme der Anlage stellt den Beginn einer unternehmerischen Tätigkeit dar, die innerhalb eines Monats mittels eines amtlich vorgeschriebenen Formulars beim Finanzamt angezeigt werden muss. In diesem Zusammenhang ergeben sich häufig die folgenden steuerlichen Fragen:

Umsatzsteuer

■ Option zur Regelbesteuerung nutzen!

Die Einnahmen (Umsätze) aus der Fotovoltaikanlage unterliegen der Umsatzsteuer. Allerdings ist grundsätzlich die sogenannte Kleinunternehmerregelung anzuwenden, wenn der Betreiber der Fotovoltaikanlage daneben keine andere unternehmerische Tätigkeit ausübt und nachhaltig Umsätze von nicht mehr als 22 000 Euro im Vorjahr und voraussichtlich nicht mehr als 50 000 Euro im laufenden Jahr erzielt. In diesem Fall wird weder auf den eingespeisten noch auf den selbst genutzten Strom Umsatzsteuer erhoben.

Wir empfehlen jedoch regelmäßig, auf die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung zu verzichten und die sogenannte Regelbesteuerung zu wählen, auch wenn die Entscheidung für fünf Jahre bindend ist. Denn dann wird das Finanzamt die Umsatzsteuer, die der Verkäufer der Photovoltaikanlage in Rechnung gestellt hat, als Vorsteuer wieder erstatten. Dadurch ergibt sich bei der Finanzierung der Anlage eine erhebliche Zinsersparnis.

■ Zeitpunkt der Zuordnung zum Unternehmen

Der Unternehmer muss dem Finanzamt zeitnah anzeigen, wenn er die Fotovoltaikanlage seinem Unternehmen zuordnen will (Zuordnungsentscheidung). In der Regel ergibt sich diese Zuordnung bereits aus der eingereichten Umsatzsteuer-Voranmeldung. Parallel sollten dem Finanzamt Kopien der Rechnungen übermittelt werden, damit kein Zweifel daran besteht, dass die Photovoltaikanlage dem Unternehmen zugeordnet wird. Diese Dokumentation ist für jedes Zuordnungsobjekt gesondert vorzunehmen.

■ Umfang der Zuordnung zum Unternehmen

Im Rahmen der Zuordnungsentscheidung hat der Unternehmer auch zu wählen, ob er die Fotovoltaikanlage in vollem Umfang (einschließlich des privat verbrauchten Stromanteils) oder lediglich anteilig (begrenzt auf den eingespeisten Strom) seinem Unternehmen zuordnen will. Bei vollumfänglicher Zuordnung kann der Unternehmer den vollen Vorsteuerabzug geltend machen. Er muss dann aber im Gegenzug seine private Nutzung als unentgeltliche Wertabgabe der Umsatzbesteuerung unterwerfen. In der Regel ist für diese Entnahme der Gesamtstrompreis (inkl. Grundgebühr) des Grundversorgers als fiktiver Einkaufspreis zugrunde zu legen. Ordnet der Unternehmer hingegen nur den Teil dem Unternehmen zu, der der geplanten Einspeisung in das Netz des Versorgers entspricht, entfällt eine entsprechende Entnahmebesteuerung für den privat verbrauchten Strom. 

Carsten Förster, Steuerberater
Carsten Förster, Steuerberater

■ Umsatzsteuererklärung und Voranmeldungen

Wird die Fotovoltaikanlage unternehmerisch genutzt, müssen grundsätzlich im Jahr der Betriebsaufnahme und im Folgejahr monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen bis zum zehnten Tag des Folgemonats auf elektronischem Weg an das Finanzamt übermitteln.

Ab dem dritten Jahr ist der Anmeldezeitraum in der Regel das Kalendervierteljahr. In den Jahren 2021 bis 2026 sind Umsatzsteuer-Voranmeldungen grundsätzlich auch im Jahr der Betriebsaufnahme und im Folgejahr nur für das Kalendervierteljahr und nicht monatlich abzugeben. Nach Ablauf des Jahres ist bis zum 31. Juli des Folgejahres eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung abzugeben. Werden Sie steuerlich vertreten, verlängert sich diese Frist bis zum 28. Februar des übernächsten Jahres.

Einkommensteuer

■ Die Fotovoltaikanlage als Gewerbebetrieb

Der Betrieb einer Fotovoltaikanlage ist grundsätzlich als eine eigenständige gewerbliche Tätigkeit einzuordnen. Im Regelfall sind die Einkünfte jährlich durch Gegenüberstellung der erzielten Betriebseinnahmen (Vergütung und Selbstverbrauch) und der gezahlten Betriebsausgaben zu ermitteln. Die Anschaffungskosten der Anlage (gemindert um eventuelle Zuschüsse) sind dabei auf die Nutzungsdauer von 20 Jahren zu verteilen und als Absetzungen für Abnutzung (AfA) zu berücksichtigen. Im Jahr der Inbetriebnahme wird die AfA nur zeitanteilig berücksichtigt. Darüber hinaus gehören zu den Betriebsausgaben u. a. auch Finanzierungskosten, die Beiträge zur Fotovoltaik-Versicherung, Beratungskosten, die im Zusammenhang mit der Fotovoltaikanlage stehen, aber auch Zählermiete und Wartungsaufwendungen.

■ Anfangsverluste nutzen!

Besonders durch die Abschreibungen ergeben sich in den Anfangsjahren Verluste aus der Fotovoltaikanlage, die steuerlich berücksichtigt werden können. Über die Verrechnung der Verluste mit anderen positiven Einkünften können so richtig Steuern gespart werden. Wir empfehlen, diese Steuerersparnisse zur außerplanmäßigen Tilgung der Finanzierungsdarlehen zu verwenden oder für planmäßige Tilgungen anzusparen. Idealerweise wird bereits die erwartete Vorsteuererstattung nur durch ein sehr kurzes Darlehen zwischenfinanziert.

Mit der dadurch verbesserten laufenden Liquidität bleibt man auch für schlechtere Tage gewappnet. In der Regel kann bereits drei Jahre vor der eigentlichen Investition ein sogenannter Investitionsabzugsbetrag (IAB) in Höhe von 50 Prozent (40 Prozent bis 2019) der geplanten Anschaffungskosten (ohne die Vorsteuerbeträge, die geltend gemacht werden können) steuermindernd abgezogen werden.

Im Jahr der tatsächlichen Anschaffung muss der IAB gewinnerhöhend aufgelöst oder mit den Anschaffungskosten verrechnet werden. Letzteres ist meist günstiger, führt jedoch dazu, dass die AfA in den Folgejahren etwas geringer ausfällt. Zusätzlich können noch 20 Prozent dieser (ggf. verrechneten) Anschaffungskosten im Anschaffungsjahr und in den vier folgenden Jahren als Sonderabschreibung geltend gemacht werden. Wird hingegen nicht (fristgerecht) investiert, wird der IAB rückgängig gemacht und die Nachzahlung ist zu verzinsen.

■ Gewerbliche Einkünfte auf Altersrente und andere Sozialleistungen anrechenbar

Gewerbliche Einkünfte werden auf die Hinzuverdienstgrenze bei Altersrenten vor Erreichen der Regelaltersgrenze ebenso angerechnet, wie sie auch bei anderen Sozialleistungen berücksichtigt werden. Dies sollten besonders Ehepaare und Lebenspartnerschaften bei der Bestimmung des Eigentümers berücksichtigen.

Gewerbesteuer

Aus dem Betrieb einer Fotovoltaikanlage werden gewerbliche Einkünfte erzielt, die grundsätzlich der Gewerbesteuer unterliegen. Ist der Betrieb der Fotovoltaikanlage keinem anderen Gewerbebetrieb zuzurechnen, wird für die Gewinne aus dem Betrieb der Anlagen pro Jahr ein Freibetrag von 24 500 Euro gewährt, so dass in der Regel keine Gewerbesteuer anfällt. Im Ausnahmefall kann eine Fotovoltaikanlage jedoch auch einem anderen Gewerbebetrieb zuzurechnen sein (bspw. Muster-Fotovoltaikanlage eines Elektrofachbetriebes). In diesem Fall wird der Freibetrag nur einmal für den gesamten Gewerbebetrieb gewährt.

Errichtet eine freiberuflich oder vermögensverwaltend tätige Personengesellschaft (insbesondere Gesellschaft bürgerlichen Rechts – GbR, Partnerschaftsgesellschaft – PartG etc.) eine Fotovoltaikanlage und überschreiten die Nettoumsätze, die die Anlage erwirtschaftet, die Grenze von 24 500 Euro oder mehr als 3 Prozent der gesamten Nettoumsätze, werden sämtliche Einkünfte der Personengesellschaft in gewerbliche Einkünfte umqualifiziert.

Bauabzugsteuer

Betreiber einer Fotovoltaikanlage müssen in der Regel auch die Bauabzugsteuer beachten, wenn sie Bauleistungen für ihr Unternehmen beziehen. Bauabzugsteuer ist unabhängig davon einzubehalten, ob die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung beansprucht wird oder nicht. Sofern Betreiber einer Fotovoltaikanlage den Strom nicht einspeisen, sondern ausschließlich privat nutzen, sind sie nicht zum Steuereinbehalt verpflichtet.

Wird eine Fotovoltaikanlage unternehmerisch genutzt, ist diese immer auch als Bauleistung im Sinne der Bauabzugsteuer zu beurteilen. Dabei ist es unerheblich, ob die Anlage fest auf oder an einem Gebäude angebracht wird oder freisteht. Neben der Installation der Fotovoltaikanlage sind auch die Instandsetzung, die Instandhaltung, die Änderungen oder gar die Beseitigung der Fotovoltaikanlage einbehaltungspflichtig.

Sofern der Bauleistende keine Freistellungsbescheinigung vorlegt, ist bei Leistungsbezügen von mehr als 5000 Euro ein Steuerabzug von 15 Prozent der Bruttobausumme einzubehalten, an das Finanzamt des Bauunternehmers anzumelden und abzuführen. Lediglich 85 Prozent der Bruttobausumme sind an den Bauunternehmer auszuzahlen.

Legt der Bauunternehmer vor Zahlung eine gültige Freistellungsbescheinigung vor, muss keine Bauabzugsteuer einbehalten werden. Der Bauunternehmer kann 100 Prozent seines Rechnungsbetrags erhalten. Die Freistellungsbescheinigung, welche Auskunft über den Namen und die Anschrift des Bauunternehmers sowie über die Gültigkeitsdauer der Bescheinigung gibt, muss im Weiteren folgende Angaben zwingend enthalten:

■ Dienstsiegel der erlassenden Finanzbehörde
■ Unterschrift des Bearbeiters
■ Sicherheitsnummer

Die Freistellungsbescheinigung wird unter Widerrufsvorbehalt erteilt. Das heißt, dass die Finanzverwaltung die Freistellung jederzeit (auch für die Vergangenheit) widerrufen kann. Eine Prüfung der Gültigkeit ist daher unabdingbar! Sie kann im Internet unter www.bzst.de erfolgen. Die auf der Freistellungsbescheinigung vermerkte Sicherheits-Nummer hilft Ihnen dabei! Die Freistellungsbescheinigungen sind nach den Grundsätzen der allgemeinen Buchführung über einen Zeitraum von zehn Jahren aufzubewahren.

Grunderwerbsteuer

Wird eine Fotovoltaikanlage im Zusammenhang mit einem Gebäude gekauft oder verkauft, so kann Grunderwerbsteuer mitunter auch auf den Anteil am Kaufpreis des Grundstücks entstehen. Bei dachintegrierten Anlagen, welche die Funktion des Daches teilweise ersetzen, entsteht in jedem Fall Grunderwerbsteuer. Bei anderen Anlagen kommt es darauf an, ob Strom in das Netz des Grundversorgers eingespeist wird oder nicht. Da durch die Einspeisung ein separater Gewerbebetrieb entsteht, kommt es grunderwerbsteuerlich zu einer Entkopplung vom Grundstück, sodass beim Verkauf keine Grunderwerbsteuer entsteht. Wird der Strom aber ausschließlich zur Eigennutzung erzeugt, zählt die Fotovoltaikanlage mit zum Grundstück, wodurch sich die Grunderwerbsteuer erhöht.

Erbschaft- und Schenkungsteuer

Auch die Fotovoltaikanlage auf dem privaten Einfamilienhaus ist Betriebsvermögen eines Unternehmens im Sinne des Erbschaftund Schenkungsteuerrechts. Dabei stehen den Erben bzw. Beschenkten bei der Übertragung einer solchen Anlage die steuerlichen Begünstigungen für Betriebsvermögen zu.

Carsten Förster
C. Förster und Kollegen Steuerberater

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