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16:04 29.01.2021
Bei der 62. Karnevalssaison konnten noch alle gemeinsam auf der Bühne stehen und im Saal feiern. Das ist in diesem Jahr nicht möglich.

Die SOS Karnevalsgesellschaft Sievershausen ist eine Sparte des Sportvereins TSV 03 Sievershausen. Dabei steht SOS für „Sievershausen ohne Sorgen“. Gegründet wurde SOS bereits 1957 und ist damit die viertälteste Karnevalsgesellschaft in Niedersachsen. Somit wird bereits seit mehr als 60 Jahren im kleinen Dorf Sievershausen, dem heutigen Ortsteil von Lehrte, Karneval gefeiert – eine für norddeutsche Verhältnisse bemerkenswerte Begebenheit. 

Als die Musiker des Spielmannszugs ihre Idee 1957 umsetzten, konnte noch niemand ahnen, dass sich daraus eine eigene Sparte entwickeln würde. Heute zählt die SOS Karnevalsgesellschaft rund 200 Mitglieder, von denen etwa 111 aktiv in den Programmen mitwirken.

Auch viele Kinder und Jugendliche lassen sich von der Arbeit der Karnevalsgesellschaft begeistern und sind das ganze Jahr über in den einzelnen Korporationen mit dabei. Dieses gilt es nun für die erst im November dieses Jahres beginnende 64. Karnevalskampagne aufrechtzuerhalten.

Der Elferrat

Der Elferrat ist der Vorstand der SOS Karnevalsgesellschaft und hat vor allem repräsentative und organisatorische Aufgaben. Zum Beispiel plant er – ggf. mit weiteren Mitgliedern der Gesellschaft – die Prunksitzungen und viele andere Veranstaltungen. Bei der Mehrzahl der traditionellen Vereine besteht der Elferrat ausschließlich aus Männern. Bei der SOS Karnevalsgesellschaft sind auch Frauen zugelassen.

Historisch betrachtet, hat der Elferrat auch eine politische Dimension. Die Elf ist nämlich nicht nur eine närrische Zahl, abgeleitet vom offiziellen Karnevalsbeginn am 11.11., sondern steht auch für das Motto der französischen Revolution „Egalité, Liberté, Fraternité“ (wobei die Reihenfolge der Wörter verändert wurde). E für Egalité, L für Liberté und F für Fraternité. Als das linksrheinische Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Napoleons Truppen besetzt war, bekamen die Bürger (bei allen sonstigen Einschränkungen) ein Mehr an politischen Freiheiten. Mit der militärischen Niederlage Frankreichs wichen diese Freiheiten erneut der preußischen Restauration. Der Elferrat war in diesem Sinne ein Bekenntnis für die verloren gegangenen „demokratischen“ Rechte – und das unter dem Deckmantel karnevalistischer Narretei.

Die Korporationen

Speziell für die Akteure der SOS Karnevalsgesellschaft Sievershausen von 1957 ist es immer wieder eine Herausforderung bei den Prunksitzungen, aber auch bei anderen Veranstaltungen im Ort und darüber hinaus, sich als aktive Karnevalisten in verschiedensten Formen darzustellen. Die verschiedensten Korporationen üben nicht nur für die Auftritte bei den eigenen Veranstaltungen, sondern sind das ganze Jahr über aktiv und unternehmen viele Fahrten und kameradschaftliche Aktivitäten.

Die SOS Karnevalsgesellschaft untergliedert sich aktuell in folgende Korporationen:
■ Mini-Funkenmariechen
■ Jugend-Funkenmariechen
■ Senior-Funkenmariechen
■ Prinzengarde
■ Jugend-Prinzengarde
■ SOS-Chor
■ Büttenredner

■ Weitere Informationen zur SOS Karnevalsgesellschaft Sievershausen gibt es im Internet auf der Webseite www.sos-karneval.de!

SOS zeigt Impressionen vergangener Jahre

Mitglieder haben Filmclips erstellt – Auftritte der Korporationen sind in virtueller Sitzung zu sehen

Wer möchte, kann der SOS-Karnvealssitzung morgen, 30. Januar, live beiwohnen. Ab 11.11 Uhr ist das Programm „Best of SOS“ auf der Website www.soskarneval.de zu sehen. Die Mitglieder des Elferrats haben individuelle Filmclips erstellt. Auftritte aller Korporationen aus den vergangenen Jahren gestalten die virtuelle Sitzung. Hier ein paar Impressionen aus der Vergangenheit.

Mitglieder des TSV-Spielmannszuges gründeten 1957 im Lindeneck den Sievershäuser Karneval

Der Karneval war in seiner Entstehung immer ein Stück Kritik an der Obrigkeit, die damit durch den Kakao gezogen werden sollte. Ein bisschen Kritik war es auch, die den Sievershäuser Karneval ins Leben gerufen hat. Im Jahr 1957 hatten elf Mitglieder des damaligen TSV-Spielmannszuges beim Bier im Gasthaus Lindeneck den Eindruck, dass in ihrem Dorf zu wenig los sei. Um ein bisschen mehr Schwung ins beschauliche Dorfleben zu bringen, wurde das Vereinsvergnügen des TSV neu erfunden und zu einer Karnevalssitzung umfunktioniert.

Der erste Prinz im Dorf hieß Siegfried von der Jungwiese und wurde wegen seiner barocken Figur nicht „Seine Tollität“, sondern „Seine Mollität“ genannt. Bei Schluck-Otto, der damaligen Gaststätte Zur Eiche an der Oelerser Straße, wurde er noch ohne eine Prinzessin proklamiert. Erst der nächste Prinz im Jahr 1958 bekam weibliche Begleitung an die Seite. Seit 1975 wird auch jedes Jahr ein Kinderprinzenpaar gekürt. Wer damals als Junggeselle zur Prunksitzung kam und einfach nur feiern wollte, hatte die Rechnung nicht ohne den Elferrat gemacht. Junggesellen wurden kurzerhand dienstverpflichtet und gehörten für den Abend zur Prinzengarde.

Die erste Prunksitzung schien ein durchschlagender Erfolg gewesen zu sein, denn die frischgebackenen Karnevalisten, die sich später den Namen SOS gaben, beschlossen, dass es jedes Jahr Prunksitzungen geben sollte.

So kam es – zuerst weiterhin bei Schluck-Otto, später dann in der Frickburg. Dahinter verbirgt sich das Gasthaus Fricke an der John-F.-Kennedy-Straße, das nach der Übernahme durch die Karnevalisten Karin und Winfried Schulze und dem darauf folgenden Umbau zu einem modernen Veranstaltungsort unter dem Namen Festsäle Fricke firmiert.
                        

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