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12:34 16.09.2020
ANALYSE IM LABOR: Maximilian Grund kontrolliert die Wasserqualität im Klärbecken. Peter Steffen (2)

Maximilian Grund steht auf einer Brücke über einem großen runden Klärbecken. Er hält einen kleinen Behälter, der an einem langen Stock befestigt ist, ins Wasser und nimmt eine Probe. Diese analysiert er später im Labor. „Die Arbeit im Labor ist sehr interessant“, sagt der 20-Jährige, der im dritten Ausbildungsjahr zur Fachkraft für Abwassertechnik bei der Stadt Hannover ist. „Wir müssen ja wissen, ob das Klärwerk das leistet, was der Gesetzgeber verlangt.“ In den Regalen des Labors stehen zahlreiche Küvetten mit verschiedenen Chemikalien. „Diese reagieren auf bestimmte Inhaltsstoffe im Abwasser – zum Beispiel Nitrit, Stickstoff, Eisen oder Blei“, erklärt Grund. In seiner Ausbildung lernt er die Analysemethoden kennen und welche Vorschriften er beachten muss.

Medizinische Hochschule Hannover (MHH)

Der Beruf als Fachkraft für Abwassertechnik hat viel mit Umweltschutz zu tun – aber auch mit Seuchenschutz. „Rund 1,25 Millionen Menschen leben in der Region Hannover. Sie alle scheiden biologisch abbaubare Substanzen aus, dazu kommen Abwässer aus der Industrie“, sagt Grund. Der Umweltschutz bestehe darin, das Abwasser zu reinigen. Danach werde es in die Leine eingeleitet. Wenn ein oder zwei Tage nicht geklärt werden würde, gebe es bereits ein großes Problem – zu viel Abwasser, erklärt Grund. Deshalb habe er in seinem Beruf eine große Verantwortung.

Außerdem sei sein Job sehr vielseitig, betont der 20-Jährige, der Mix mache es. Neben dem analytischen Bereich kümmert sich Grund während seiner Ausbildung um die Überwachung, Steuerung und Kontrolle der Kläranlage. „Das ist viel Technik“, sagt er. Dazu gehört es, Schaltpläne zu durchschauen, zu wissen, wo der Strom fließt, sowie Relais und Bauteile wechseln zu können. Auch die Wartung, Inspektion und Instandsetzung von Kanalsystemen gehört zu seinen Aufgaben. „Bei verstopften Hausanschlüssen sind wir ebenfalls im Einsatz“, berichtet Grund. Während seiner Ausbildung arbeitet er in den beiden Klärwerken in Hannover-Herrenhausen und Gümmerwald bei Seelze. Außerdem hat er ein bis zwei Tage in der Woche Schule. In Corona-Zeiten laufe vieles aber auch über Videokonferenzen.

Schlamm mit viel Druck trocknen

Derzeit ist Grund im Klärwerk Gümmerwald im Einsatz. Dort werde der ausgefaulte Schlamm in der Schlammentwässerungsanlage getrocknet. „Um den Schlamm abzutransportieren, muss er trocken sein, sonst wäre er ja viel zu schwer“, erklärt Grund. In der Anlage werde der Schlamm von Pressen mit viel Druck quasi ausgewrungen. Sein Job sei es, die Anlagenteile instand zu halten, die Filter zu entleeren und Chemikalien in richtiger Dosierung hinzuzufügen. Dafür müsse man sich gut in Chemie auskennen, um die Menge genau zu berechnen.

„An den Geruch in einem Klärwerk gewöhnt man sich schnell“, berichtet der Auszubildende. Das Klärwerk Herrenhausen sei ein sehr großes Areal, durch den Wind rieche es nie sehr stark, nur unmittelbar um die Anlagenteile herum. „Es ist vieles überdacht und geschlossen, deshalb gibt es nur wenig Gestank, das ist der Trick“, sagt Grund. Vor allem die Arbeit in den Wartungstruppen interessiert ihn. „Das ist ein Mix aus Nachdenken und körperlicher Arbeit“, sagt er. Im Bereich der Nachklärung zum Beispiel müsse das gesamte Klärbecken komplett gereinigt werden.

Auf seine Ausbildung ist er über das Angebot „Die Lange Nacht der Berufe“ gekommen. „Dort habe ich mit anderen Azubis gesprochen, der Beruf als Fachkraft für Abwassertechnik klang sehr interessant und ich habe mich beworben“, schildert Grund. Sein Wissen gibt auch er nun an andere Schüler weiter – mit Vorträgen und Powerpoint-Präsentationen in Klassenzimmern.


"Der Anstieg des Meeresspiegels, die Erwärmung des Klimas und mein Interesse am Naturschutz waren eine Art Initialzündung für mich, genau dieses Studium zu beginnen."

Susanne Huxhage
studiert Bauingenieurwesen mit Vertiefung Wasser- und Küsteningenieurwesen


Versuche im kleinen Wellental

SPANNENDES THEMA HOCH- UND NIEDRIGWASSER: Susanne Huxhage interessiert sich vor allem für den Küstenschutz.
SPANNENDES THEMA HOCH- UND NIEDRIGWASSER: Susanne Huxhage interessiert sich vor allem für den Küstenschutz.

Umweltschutz ist auch der Schwerpunkt im Studium von Susanne Huxhage. Die 24-Jährige ist im zweiten Semester des Masterstudiengangs Bauingenieurwesen mit Vertiefung Wasser- und Küsteningenieurwesen.

„Der Anstieg des Meeresspiegels, die Erwärmung des Klimas und mein Interesse am Naturschutz waren eine Art Initialzündung für mich, genau dieses Studium zu beginnen“, sagt Huxhage. Vor allem die Vielfältigkeit des Studiengangs begeistert sie. Inhalte sind die Grundlagen der Bemessung von Binnenwasserstraßen, es geht um Hafenbau und -logistik, Verkehrswasserbau, Energiewasserbau, Hochwasserschutz sowie Grundlagen des Küsteningenieurwesens und Küstenschutz.

Bei Versuchen im kleinen Wellenkanal der Universität testen Studierende, wie das Überspülen eines Deiches aussehen würde. Oder sie befassen sich mit Messmethoden, wie sich Wellen überhaupt entwickeln. Denn hydrologische Extreme wie Hoch- und Niedrigwasser in Flüssen sind ein wichtiger Baustein des Studiums. Aber auch die Frage, wie ein Deich bemessen wird, damit er vor auflaufenden Wellen schützt.

Eine Exkursion führte zur Schleuse in Hannover-Anderten. „Dort wurde uns die Funktion der Schleuse erklärt, und wir konnten uns in der Zentrale, in der die Überwachung erfolgt, umsehen“, berichtet die Studentin. Allerdings gebe es viele Studierende und zu wenige Exkursionen.

Im Studium lerne sie viele theoretische Grundlagen – eigentlich wünscht sich die 24-Jährige mehr praktische Aspekte. Wie zum Beispiel die Teilnahme an einem interdisziplinären Projekt zum Küstenschutz: „In der Emsmündung gibt es Probleme mit Sand, der eingeschwemmt wird. Muscheln könnten den Sand im Meer halten – ein spannender Ansatz“, sagte die Studentin. Auch die Planung von Seebrücken interessiert sie – vor allem der gestalterische Aspekt spiele eine große Rolle. Zu den Aufgaben eines Bauingenieurs gehört auch die Berechnung von Binnenschleusen.

„Das ist ein zukunftsträchtiger Beruf, Wasserbauingenieure werden gesucht“, sagt Huxhage. Überhaupt sei der Ingenieurberuf eine zukunftsträchtige Profession. Derzeit überlegt sie, ein freiwilliges Praktikum in den Bergen zum Thema Stauseen zu machen. Auf einer Wanderung in Österreich sei sie darauf gekommen. In welchem Bereich Susanne Huxhage nach ihrem Studienabschluss arbeiten möchte, weiß sie noch nicht: „Ich bin noch unentschlossen, ob ich in die Wirtschaft oder Forschung gehe und vielleicht promoviere – oder mich mit Flussrenaturierung und Hochwassertechnik beschäftige“, sagt sie. Möglichkeiten gibt es jedenfalls genug. Von Martina Steffen
  

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