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12:22 13.11.2021
Umgangsformen: Ralph Sensing erwartet Grundlagen. Foto: privat

Herr Sensing, alle reden vom Fachkräftemangel. Sie zählen mit 22 Beschäftigten zu den größeren Malerbetrieben in der Region – spüren auch Sie den Nachwuchsmangel? 
   

Alle Unternehmen merken, dass es ständig schwieriger wird, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Tatsächlich finden aber vor allem die kleineren Betriebe, die selbst wenig bekannt sind und keine Kapazitäten haben, in den sozialen Netzwerken auf sich aufmerksam zu machen, nur noch sehr schwer Nachwuchs.

Sie bilden selbst aus. Was hat sich geändert?

Ich hätte mir vor einigen Jahren nicht vorstellen können, dass wir so schnell so große Unterschiede bei den Nachwuchskräften registrieren würden. Wir haben teils sehr gute Azubis: Unsere jüngste Gesellin Charlene Svrcina ist eine der besten Auszubildenden ihres Jahrgangs gewesen und absolviert jetzt die Meisterschule. Aber wir stellen gleichzeitig fest, dass immer mehr Auszubildende große Defizite haben.

Wie machen sich die bemerkbar?

Niemand erwartet, dass ein künftiger Malerlehrling die besten Noten in Mathe oder Physik oder Deutsch mitbringt. Aber wir stellen fest, dass es immer öfter an Basics fehlt. Einerseits brauchen sie natürlich ein bestimmtes Grundwissen aus der Schule: Sie müssen mit Zahlen zumindest so umgehen können, dass sie Quadratmeter berechnen oder Farbmengen kalkulieren können. Und sie müssen so weit die deutsche Schriftsprache beherrschen, dass sie ihren Wochenzettel lesbar ausfüllen können. Andererseits sind sie im Handwerk ständig im Kundenkontakt. Sie müssen also zusätzlich minimale Umgangsformen wie Höflichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit mitbringen. An beiden, den schulischen Qualifikationen und der familiären Erziehung, mangelt es immer öfter bei den Bewerberinnen und Bewerbern.

Sie bilden trotzdem weiter aus?

Unbedingt! Als Unternehmen haben wir ein Interesse daran, dass es auch künftig qualifizierte Fachkräfte gibt. Wir übernehmen alle fertigen Azubis für mindestens ein halbes Jahr, damit sie sich im Betrieb bewähren können. Zuletzt haben wir auch insgesamt drei Kinder von Malermeistern ausgebildet, die wie ich selbst nicht im eigenen Familienbetrieb lernen sollten. Wir bilden also durchaus für den Markt aus – und freuen uns über jede gute Bewerberin und jeden guten Bewerber. Interview: Conrad von Meding 
  

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