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22:11 30.11.2021
Ob Kranken- oder Altenpflege – der Bedarf an Fachkräften ist groß. Bild: aok-bv

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den letzten 60 Jahren um knapp 12 Jahre gestiegen. Sie beträgt nach der Sterbetafel aus den Jahren 2018 bis 2020 für neugeborene Jungen 78,6 Jahre und für Mädchen 83,4 Jahre. Aufgrund guter Lebensverhältnisse in Deutschland besitze ein großer Teil der Menschen bis ins hohe Lebensalter eine gute Gesundheit, schreibt das Bundesministerium für Gesundheit. Allerdings steige mit zunehmendem Alter das Risiko schwerer Erkrankungen oder der Pflegebedürftigkeit. Dies erhöhe den Anteil der Pflegebedürftigen. So seien am Jahresende 2020 rund 4,6 Millionen Menschen pflegebedürftig gewesen. Durch die demografische Entwicklung wird die Zahl der Pflegebedürftigen weiter steigen und damit auch die Nachfrage nach professioneller Pflege und Unterstützung.

Wachsender Sektor

Nach der Pflegestatistik aus dem Jahr 2019 bieten rund 14 700 ambulante Pflegedienste und etwa 15 400 stationäre Pflegeeinrichtungen die Versorgung von Pflegbedürftigen an. Zu den besonders stark wachsenden Branchen innerhalb der Pflege gehört die Langzeitpflege. Hier waren im Dezember 2019 1,2 Millionen Personen in Pflegeeinrichtungen beschäftigt. Das sind laut dem Statistischen Bundesamt rund 12 Prozent mehr als im Jahr 2015. In dieser Zahl sind allerdings zu den Altenpflegekräften und Krankenpflegekräften auch zusätzliche Betreuungskräfte, hauswirtschaftliche Unterstützungspersonen, Verwaltungskräfte und Angehörige andere sozialer Berufe enthalten.

Gute Zukunftsaussichten

In einer Studie zur „Pflege 2030“ der Bertelsmann-Stiftung heißt es, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 bundesweit um rund 50 Prozent zunehmen wird. Dagegen werde die Zahl der Pflegekräfte eher rückläufig sein. Laut der Bertelsmann Studie sollen 2030 fast 500 000 Pflegekräfte fehlen, wenn sich die derzeitige Entwicklung weiter fortsetzt. Bereits heute werde jeder zweite Mann im Laufe seines Lebens pflegebedürftig. Bei den Frauen seien es sogar annähernd drei von vier. So müsse die Generation der heute 40- bis 50-Jährigen befürchten, dass sie in 20 oder 30 Jahren nicht mehr die benötigte Versorgung erhält. Um diese Entwicklung zu stoppen, braucht es erheblich mehr Pflegekräfte. Die Berufe in der Pflege haben damit beste Zukunftsaussichten auf einen sicheren Arbeitsplatz.

Die Reform der Ausbildung macht den Pflegeberuf attraktiver. Foto: aok-bv, Grafik: DAK
Die Reform der Ausbildung macht den Pflegeberuf attraktiver. Foto: aok-bv, Grafik: DAK

Noch sind die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbesserungsbedürftig. Genau deshalb haben das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Jahr 2018 die „Konzertierte Aktion Pflege“ (KAP) ins Leben gerufen. Mit der „KAP“ sollen die Bedingungen in der Pflege Stück für Stück verbessert und mehr Menschen motiviert werden, in diesem zukunftsorientierten und verantwortungsvollen Beruf zu arbeiten oder wieder in ihn zurückzukehren.

Besseres Gehalt

In der Pflege sind die Löhne und Gehälter in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt verdienten vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Krankenhäusern, wie zum Beispiel Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger, im Jahr 2020 im Durchschnitt 3578 Euro brutto. Das sind 32,9 Prozent mehr als noch 2010 und der Bruttomonatsverdienst von Fachkräften in Altenheimen stieg im selben Zeitraum um 32,8 Prozent auf 3291 Euro.

Fachkräfte in Pflegeheimen kommen laut dem Statistischen Bundesamt auf durchschnittlich 3.363 Euro. Das ist ein erheblicher Anstieg um 38,6 Prozent. Das Statistische Bundesamt stellte aufgrund der Zahlen fest, das in allen drei Gruppen die Verdienste im Zehn-Jahres-Vergleich deutlich stärker stiegen als in der Gesamtwirtschaft.

Attraktives Berufsbild

Ein entscheidender Schritt in die Zukunft ist das Pflegeberufegesetz, das am 1. Januar 2020 in Kraft trat. Es legt die Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege zusammen. Dadurch wird die Ausbildung modernisiert, an die veränderten Anforderungen angepasst und zukunftssicher gemacht. Mit dem Pflegeberufegesetz gibt es nun eine hochwertige und zeitgemäße Ausbildung, die den breiten beruflichen Einsatzmöglichkeiten und den Entwicklungen in der Gesellschaft und im Gesundheitswesen Rechnung trägt.

Vor der Reform war es an privaten Pflegeschulen üblich, Schulgeld zu zahlen. Die neue Ausbildung ist kostenlos und es gibt eine Ausbildungsvergütung, wie es in anderen Berufen üblich ist. Sie hängt vom Bundesland und vom Träger der Ausbildung ab. Sie beträgt im ersten Ausbildungsjahr zwischen 950 Euro bis 1141 Euro brutto, im zweiten Ausbildungsjahr von 1000 Euro bis 1202 Euro brutto und im dritten Ausbildungsjahr rund 1100 Euro bis 1303 Euro brutto. In Niedersachsen liegt das Durchschnittsgehalt nach der Ausbildung bei 3166 Euro brutto pro Monat.

Pflegeausbildung gilt in allen EU-Ländern

Die generalistische Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsabschluss als „Pflegefachfrau“ und als „Pflegefachmann“ vermittelt übergreifende pflegerische Kompetenzen zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen und allen Versorgungsbereichen in Krankenhäusern, in stationären Pflegeeinrichtungen sowie in der ambulanten Pflege. Generalistisch ausgebildete Pflegefachkräfte können nun in der Akutpflege, Kinderkrankenpflege, in der stationären oder ambulanten Langzeitpflege und in der geronto-, kinder- oder jugendpsychiatrischen Versorgung tätig sein.

Die Ausbildung als Pflegefachfrau oder als Pflegefachmann bietet bessere Verdienstmöglichkeiten und mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Übrigens auch in der gesamten EU, da der Abschluss in ganz Europa anerkannt wird. Diese Pflegeausbildung lässt aber auch zu, sich für einen gesonderten Berufsabschluss in der Altenpflege oder Kinderkrankenpflege zu entscheiden. Man muss nur im letzten Drittel der Ausbildungszeit, anstatt der generalistischen Ausbildung, die entsprechende Spezialisierung wählen. Die Reform ist auch der Startschuss für das sogenannte primärqualifizierende Pflegestudium. Im Gegensatz zum dualen Pflegestudium können die Studenten und Studentinnen ihren Bachelorabschluss als auch die staatliche Prüfung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann an der Hochschule absolvieren.

In der Pflege zu arbeiten, ist eine sehr zukunftsorientierte Entscheidung. Wenn auch im Moment noch einiges verbessert werden muss – auf Zukunft gesehen, bietet diese Tätigkeit enorme berufliche Entwicklungsmöglichkeiten in einem sich dynamisch entwickelnden Gesundheitsmarkt.

Informative Links:
www.pflegeausbildung.net
www.altenpflegeausbildung.net