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Themenwelten
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13:05 23.09.2021
Gemeinsam mit dem Patienten bespricht der Zahnarzt die Maßnahmen für die Mundgesundheit. Fotos: Pixabay
Zahnarzt-Praxis und Implantat-Zentrum

Mit dem Thema „Gesund beginnt im Mund – Zündstoff!“ findet auch in diesem Jahr der Tag der Zahngesundheit statt. Am 25. September wird es bundesweit verschiedene Veranstaltungen seitens der Krankenkassen, Gesundheitsämter, Landesarbeits}gemeinschaften und Zahnärzte geben, welche die Mund- und Zahngesundheit in den Mittelpunkt rücken.

Der diesjährige Themenschwerpunkt liegt auf der Parodontitis, einer Entzündung des Zahnhalteapparates, die von den Betroffenen oftmals unterschätzt wird. Parodontitis zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Keineswegs sind von der entzündlichen Erkrankung im Mundraum nur die älteren Menschen betroffen. Etwa jeder Zweite ab einem Alter von fünfunddreißig Jahren soll Anzeichen einer parodontalen Erkrankung aufweisen. Mit dem zunehmenden Alter steigen sowohl die Erkrankungswahrscheinlichkeit als auch der Schweregrad. Erste Symptome einer Parodontitis sind ein geschwollenes, gerötetes Zahnfleisch sowie Zahnfleischbluten. Ausgelöst wird die Erkrankung durch Plaque. Das sind die bakteriellen Beläge auf den Zahnoberflächen und in den Zahnzwischenräumen.

Die im Mund lebenden Bakterien können Entzündungen, die Entstehung von Zahnfleischtaschen und Mundgeruch hervorrufen. Im weiteren Verlauf kommt es durch den Abbau des Kieferknochens und Gewebes zu einer Verlängerung, Lockerung und dem Verlust von Zähnen. Der über viele Jahre kaum wahrnehmbare, schubweise verlaufende Prozess macht die Erkrankung zu einem wahrhaften Zündstoff im Mund. So kann Parodontitis beispielsweise Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen und verstärken.

Eine gute Mundhygiene und die regelmäßige Inanspruchnahme zahnärztlicher Vorsorge vermindert die Risiken für die Gingivitis, das heißt die Zahnfleischentzündung, und die Parodontitis. Ferner kann durch zahnmedizinische Behandlungen der Schweregrad einer bereits bestehenden Parodontitis abgemildert werden.

Aktiv werden gegen Parodontitis
   

Mit gesunden Ölen und viel Grün stärkt man die Widerstandskraft des Körpers im Kampf gegen die Entzündungen
Mit gesunden Ölen und viel Grün stärkt man die Widerstandskraft des Körpers im Kampf gegen die Entzündungen

Neben einer sorgfältigen Zahnpflege kann man mit einer gesunden Ernährung etwas gegen eine parodontale Erkrankung tun. Mindestens zweimal am Tag sollten die Zähne geputzt werden, damit der bakterielle Zahnbelag, der die Entzündungen am Zahnfleischrand auslösen kann, entfernt wird. Aufgrund des Kontaktes mit den Bakterien kommt der Immunabwehr im Mund eine besondere Rolle zu.

Deshalb kann sich ein geschwächtes Immunsystem schnell an einem entzündeten Zahnfleisch zeigen.

Ernährt man sich ausgewogen mit viel frischem Gemüse und zuckerarmem Obst wie Erdbeeren oder Äpfeln, erhöht die Nährstoffzufuhr die Widerstandskraft des Mundgewebes.

Der hohe Anteil an Pflanzenstoffen wirkt entzündungshemmend und stärkt ganzheitlich die Immunabwehr. Folsäure aus beispielsweise Nüssen, Gerstengras oder Sojasprossen und Vitamin C aus Schwarzen Johannisbeeren, Sanddornsaft oder Petersilie fördern die Regeneration des Zahnfleisches. Auch entzündungshemmende Gewürze wie Kurkuma, Ingwer oder schwarzer Pfeffer helfen beim Kampf gegen die Parodontitis. Studien zeigen zudem, dass Menschen, die ausreichend Omega-3-Fettsäuren aus zum Beispiel Nussöl oder Leinöl sowie Fisch und Weidemilch zu sich nehmen, ein vermindertes Parodontitis-Risiko haben.

Der Aufbau einer gesunden Darmflora wirkt sich positiv auf die Immunabwehr und damit auf die Mundgesundheit aus, weshalb Naturjogurts und Kefir aufgrund der darin enthaltenen Milchsäurebakterien empfohlen werden. Zahnmedizinische Studien legen einen Zusammenhang zwischen Stress und einer parodontalen Erkrankung nahe. Stress schwächt das Immunsystem und begünstigt die Entzündungen im Körper wie die Parodontitis.

Professionelle Zahnreinigung
  

Die Behandlung der Parodontitis unterstützt den Erhalt der Zähne.
Die Behandlung der Parodontitis unterstützt den Erhalt der Zähne.

Trotz des regelmäßigen Zähneputzens mitsamt der Reinigung der Zahnzwischenräume durch Zahnseide und Interdentalbürsten können sich an schlecht erreichbaren Stellen im Mund die bakteriellen Beläge bilden.

Beim Zahnarzt werden anhand der Zahnsteinentfernung die verhärteten Beläge am Zahnfleischrand beseitigt. Darüber hinaus kommt in gut ausgestatteten Zahnarztpraxen die professionelle Zahnreinigung zum Einsatz. Sie gilt als eine wichtige Präventionsmaßnahme, um einer Parodontitis vorzubeugen beziehungsweise ihr Fortschreiten einzudämmen. Durch die professionelle Zahnreinigung werden nicht nur die harten und weichen bakteriellen Beläge entfernt, sondern es werden außerdem die Zahnoberflächen geglättet und poliert. Anschließend wird häufig ein fluoridhaltiges Gel aufgetragen, das den Zahnschmelz stärkt. Dank der Reinigung können sich die Bakterien schlechter anheften und einer Zahnfleischentzündung wird entgegengewirkt. Im Regelfall führt man eine professionelle Zahnreinigung ein- bis zweimal im Jahr durch. Bei einer genetischen Vorbelastung für Parodontitis kann die Reinigung nach der Absprache mit dem Zahnarzt öfter angewandt werden. Auch Vorerkrankungen wie Diabetes genauso wie die Einnahme von blutdrucksenkenden oder immunsuppressiven Medikamenten sollten mit dem Zahnarzt im Hinblick auf ein erhöhtes Parodontitis-Risiko besprochen werden. Während einer hormonellen Umstellung, beispielsweise bei einer Schwangerschaft, kann das Risiko ebenfalls erhöht sein. Beim Blick in den Mund wird der Zahnarzt weitere Indikationen für eine gesteigerte Erkrankungswahrscheinlichkeit feststellen können, zum Beispiel eine verschachtelte Zahnstellung, beginnende oder fortgeschrittene Zahnfleischtaschen oder überstehende Restaurationsränder durch Zahnersatz. Aufgrund der sogenannten Belagsnischen, die durch die Mundhygiene daheim schwerer gereinigt werden können, raten viele Zahnärzte, Kieferorthopäden und Implantologen zu einer professionellen Zahnreinigung.

Fortgeschrittene Parodontitis

Mittels des Parodontalen Screening Indexes (PSI) wird der Zustand des Zahnfleisches ermittelt. Anhand einer Spezial-Sonde untersucht der Zahnarzt die Tiefe der Zahnfleischtaschen, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Beschaffenheit der Zahnoberfläche. Eine Parodontitis-Behandlung dient einerseits dazu, die Entzündung im Mund zu stoppen, und andererseits dazu, das Gewebe zum Stützen der Zähne zu erhalten. Ist eine Parodontitis frühzeitig erkannt worden, werden bei einer Basisbehandlung unter örtlicher Betäubung die Zahnfleischtaschen gereinigt und die erreichbaren Flächen der Zahnwurzel geglättet. Dadurch wird Bakterienansiedlung vermindert und die Entzündung zum Abklingen gebracht. Eventuell wird begleitend zu einer Antibiotika-Therapie geraten in Form von Tabletten oder durch ein Gel, welches der Zahnarzt in die Zahnfleischtaschen einbringt. Bei einer stärker fortgeschrittenen Parodontitis können unter Umständen oralchirurgische Eingriffe erforderlich sein. So kann beispielsweise eine gesteuerte Geweberegeneration vorgenommen werden, die den natürlichen Heilungsprozess des Zahnhalteapparates fördert.

Mithilfe von einem kleineren chirurgischen Eingriff wird eine Membran zwischen dem Knochen und dem Zahnfleisch positioniert. Dem schnelleren Wachstum des Zahnfleisches wird Einhalt geboten, sodass es nicht mehr unkontrolliert in die Tiefe wächst. Infolgedessen haben die anderen Teile des Zahnhalteapparates wie Knochen und Wurzelzement die Möglichkeit, sich in Ruhe neu zu bilden. Wachstumsmittel unterstützen die Neubildung von Knochen und sorgen für den Rückgang der Zahnfleischtaschen.

In Zusammenarbeit mit dem Zahnmediziner und mit der Unterstützung durch eine gute Mundhygiene ist es heutzutage für die Parodontitis-Erkrankten möglich, etwas für den Erhalt und die Erneuerung des Zahnhalteapparates zu tun. (lps/Jv)
  

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