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18:08 10.11.2021
Die Digitalisierung wird es dem medizinischen Personal ermöglichen, sich in der Behandlung und Pflege mehr auf zwischenmenschliche Interaktionen zu konzentrieren. Foto: AOK Pressebild (2)

Durch die Pandemie ist die Bedeutung der körperlichen Unversehrtheit stark gewachsen. Wissenschaft und Wissenschaftler erfahren eine ganz neue Wertschätzung. Gesundheit wird als ganzheitliches Ganzes gesehen. Es entwickelt sich ein „holistisches“ Gesundheitsbewusstsein. Es geht nicht mehr um die isolierte Betrachtung einer Krankheit oder eines Leidens, sondern man beurteilt dies ganzheitlich. Die Erkenntnis setzt sich immer stärker durch, dass sich Symptome nicht losgelöst vom restlichen Körper betrachten lassen. Sie sind vielmehr als Ergebnis von Verhaltensmustern, Lebensstil, Gewohnheiten, der sozialen Eingebundenheit, der Arbeitsumgebung und der Umwelt gesehen.
    

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Enorme Herausforderungen

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor enormen Herausforderungen. Bessere Lebensbedingungen und der medizinische Fortschritt haben dazu geführt, dass der Mensch immer älter wird. Heute geborene Mädchen haben eine Lebenserwartung von über 83 Jahren, die Jungen von über 78 Jahren. Bis zum Jahr 2035 wird sich allerdings die Altersstruktur ebenfalls massiv nach oben verschieben. In Zahlen bedeutet das eine Zunahme der älteren Bevölkerung ab 65 Jahren um 5,9 Millionen Menschen. In weniger als zwei Jahrzehnten befindet sich in Deutschland dann fast jeder Dritte in einem Alter, in dem die Gesundheitsausgaben in der Regel erheblich steigen. Der Pflegereport der Bertelsmann Stiftung prognostiziert, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 50 Prozent steigen kann. Zugleich nimmt aber die Zahl derer, die in der Pflege arbeiten, ab.

Da sich die deutsche Gesellschaft in immer kleinere Familien aufteilt und die Singlehaushalte immer mehr zunehmen, wird auch der Bedarf an Seniorenwohneinrichtungen und Pflegeheimen immer weiter ansteigen. Es ist heute in vielen Fällen kaum noch möglich, ältere Menschen innerhalb der Familie so zu versorgen, wie es früher üblich war.

Fachkräfte gesucht

Der Fachkräftemangel, der schon heute das Gesundheitssystem dominiert, wird sich weiter verschärfen. Berechnungen ergeben, dass sich bei zunehmender Dynamik des demografischen Wandels allein in der Altenpflege die Lücke zwischen dem bundesweiten Angebot und Bedarf auf über 730.000 zusätzlich benötigte Pflegekräfte in den Pflegeheimen erhöhen könnte. Für das Jahr 2030 rechnet man in Deutschland mit einer Personallücke von rund 165.000 Ärzten und 800.000 nicht ärztlichen Fachkräften.

Dieser Personalmangel bietet für alle, die sich beruflich im Gesundheitswesen etablieren möchten, immense Chancen. Ob Krankenhaus, Pflegeheim, Seniorenwohnstift - hier wird es immer Jobs geben. Aber auch Bereiche wie die beispielsweise die Physiotherapie werden immer mehr Fachkräfte benötigen. Auch der sogenannte „zweite Gesundheitsmarkt“ - also die Bereich Fitness, Wellness oder der Gesundheitstourismus bieten ein großes berufliches Potential. Er umfasst gesundheitsrelevante Waren und Dienstleistungen, die privat finanziert werden.

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt des Gesundheitswesens

Das Gesundheitswesen befindet sich ein einer nie dagewesenen Umwälzung und die Pandemie hat dies beschleunigt. Der Digitalisierungsclub durch Corona verändert die Arbeitswelt. Nach wie vor müssen viele Anbieter medizinischer Leistungen vor Ort sein. Andere, wie zum Beispiel Radiologen, könnten sogar von zu Hause arbeiten. Das wird sich auch auf die Rekrutierung von Mitarbeitern auswirken. Sie könnten beispielsweise eine Stelle annehmen, die weit vom Wohnort liegt, ohne täglich zur Arbeitsstelle fahren zu müssen. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit und die Bedeutung der eigenen Gesundheit ist so ausgeprägt wie nie. Allerdings laufen im Moment noch manche Entwicklungen gegeneinander. So verzeichnen medizinische Hochschulen viel mehr Bewerbungen als früher, dagegen hört man von der zunehmenden Unzufriedenheit bei Pflegepersonal und Ärzten durch eine ungleich hohe Arbeitsbelastung. Die durch die Pandemie richtig in Schwung gekommene Digitalisierung wird auch hier neue Wege zeigen, die den Arbeitsalltag im Gesundheitswesen vom Mediziner über die Krankenhauskräfte bis zum Pflegepersonal in den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen erleichtern wird.

Das Gesundheitswesen wird sich den veränderten Bedingungen stellen müssen. Aber genau das wird auch viele neue Tätigkeiten bringen und der Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen wir vielfältiger, interessanter und gewinnt an neuen Perspektiven. Das Gesundheitswesen ist ein dynamischer Arbeitsmarkt mit immensen Möglichkeiten - auch wenn er heute noch in vielen Bereichen mit Problemen zu kämpfen hat.