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22:55 27.12.2019
Eine Sache unterscheidet das Festmahl am 6. Januar von denen an anderen Feiertagen: Es gibt Roscon De Reyes, den Dreikönigskuchen. „Er sieht aus wie ein großer Donut und ist mit Creme gefüllt“, erzählt Nerea Lakuntza. In der Creme sind zwei Figuren versteckt, die eine Bedeutung haben für den, der ein Stück mit einer der Figuren erwischt. „Die eine ist ein Glücksbringer“, sagt Lakuntza. „Die zweite bedeutet, dass derjenige nächstes Jahr den Roscon De Reyes kaufen muss.“ FOTOS: NEREA LAKUNTZA

Mit einer Suppenkelle kippt Nerea Lakuntza den Alkohol über den Zuckerhut, eine blaue Flamme schnellt nach oben. Fast ein wenig kindlich freut sich die 28-Jährige über das Feuer. Gemeinsam mit Mitbewohnern und Freunden steht sie in der WG-Küche und bereitet eine Feuerzangenbowle zu, bevor alle gemeinsam den Film „Die Feuerzangenbowle“ schauen. 

Ihre drei Mitbewohner kennen die Feuerzangenbowle, wie die meisten Deutschen. Für Lakuntza war beides neu – Film und Getränk. Sie lebt seit gut sieben Jahren in Deutschland, seit drei Jahren in Hannover, wo sie Fotojournalismus studiert. Aus ihrer Heimat, dem spanischen Baskenland, kannte sie die Adventstradition nicht. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt sie.


Als Kind bekommt man von Eltern und Großeltern zu Weihnachten und am 6. Januar Geschenke, andere Verwandte suchen sich einen Tag aus.


Überhaupt unterscheiden sich die baskischen Weihnachtsbräuche von den deutschen. So hat die Vorweihnachtszeit in Lakuntzas Heimat keinen großen Stellenwert. Es gibt keine Adventskalender und Adventskränze, keinen Nikolaustag, nur wenige Weihnachtsmärkte – und keinen Glühwein. „Trotzdem kannst du Weihnachten überall spüren, allein durch die vielen Lichter in den Straßen“, erzählt sie.  

Richtig los geht es aber erst am 24. Dezember. „Alle verkleiden sich in alten baskischen Gewändern“, erzählt Lakuntza und zeigt Fotos von ihrer Kleidung, die aussieht wie aus einer anderen Zeit. Sie trägt eine Jacke mit den Wappen der sieben baskischen Regionen, einen langen Rock, darüber eine Schürze und die traditionellen Schuhe, die Zatas genannt werden. Festlich gekleidet trifft sich schließlich das ganze Dorf – und erwartet die Ankunft von Olentzero. Richtig los geht es aber erst am 24. Dezember. „Alle verkleiden sich in alten baskischen Gewändern“, erzählt Lakuntza und zeigt Fotos von ihrer Kleidung, die aussieht wie aus einer anderen Zeit. Sie trägt eine Jacke mit den Wappen der sieben baskischen Regionen, einen langen Rock, darüber eine Schürze und die traditionellen Schuhe, die Zatas genannt werden. Festlich gekleidet trifft sich schließlich das ganze Dorf – und erwartet die Ankunft von Olentzero.
  

In Hannover backt Nerea Lakuntza gern Plätzchen mit ihren Freunden – und macht sich bei ihrer baskischen Familie damit sehr beliebt.
In Hannover backt Nerea Lakuntza gern Plätzchen mit ihren Freunden – und macht sich bei ihrer baskischen Familie damit sehr beliebt.

Dieser Köhler ist das baskische Pendant zum Weihnachtsmann, Bauch und Bart inklusive. Olentzero reitet auf einem Esel ins Dorf und bringt den Kindern Geschenke, die die Eltern am Tag zuvor im Rathaus abgegeben haben. „Bevor sie ihr Geschenk bekommen, müssen die Kinder ihm einen Kuss geben. Manche mögen das nicht, weil sein Gesicht von der Kohle dreckig ist“, erzählt Lakuntza und lacht.

Wieder zu Hause, folgt dort das nächste Ritual: Der Vater legt nach und nach Holzstücke in den Kamin, als Segen. Eins für die Mutter, eins für jedes Kind, die Großeltern, Tanten, Onkel. „Und am Ende immer für María, Jesús und José“, sagt Lakuntza.

Nicht in allem unterscheiden sich die Weihnachtsfeste im Baskenland und in Deutschland. „Das Wichtigste ist die Familie – und das Essen“, sagt Lakuntza. Ein festliches Fünf-Gänge-Menü kocht ihre Mutter jedes Jahr an Heiligabend. Und am 25. Dezember. Und an Silvester. Und an Neujahr. Und dann noch am 6. Januar.Nicht in allem unterscheiden sich die Weihnachtsfeste im Baskenland und in Deutschland. „Das Wichtigste ist die Familie – und das Essen“, sagt Lakuntza. Ein festliches Fünf-Gänge-Menü kocht ihre Mutter jedes Jahr an Heiligabend. Und am 25. Dezember. Und an Silvester. Und an Neujahr. Und dann noch am 6. Januar.
   

Heiligabend kleiden sich viele Basken in traditionellen Gewändern. „Eigentlich gehört bei den Frauen noch ein Kopftuch dazu, aber das mache ich nicht“, sagt Nerea Lakuntza. Und die Männer? Die tragen natürlich Baskenmütze.
Heiligabend kleiden sich viele Basken in traditionellen Gewändern. „Eigentlich gehört bei den Frauen noch ein Kopftuch dazu, aber das mache ich nicht“, sagt Nerea Lakuntza. Und die Männer? Die tragen natürlich Baskenmütze.

Während der 26. Dezember für die Basken ein normaler Arbeitstag ist, wird der Tag der Heiligen Drei Könige noch einmal wie ein zweites Weihnachten gefeiert. Am 5. Januar ziehen die verkleideten Könige durch die Straßen und verteilen Süßigkeiten. Am Abend stellen Kinder ihre Schuhe nach draußen. Am nächsten Morgen versinkt jeder Schuh unter einem großen Geschenkehaufen. „Als Kind bekommt man von Eltern und Großeltern an Weihnachten und am 6. Januar Geschenke, andere Verwandte suchen sich einen Tag aus“, sagt Lakuntza. Seit sie und ihre drei Brüder erwachsen sind, belässt es die Familie aber bei einer Bescherung an Heiligabend.

Lakuntza kombiniert inzwischen die Weihnachtstraditionen beider Länder. Pünktlich zum baskischen Feiertagsprogramm besucht sie ihre Familie, den Advent genießt sie dagegen in der hannoverschen WG mit deutschen Bräuchen. „Ich finde Traditionen spannend. Sie sind der Kern der Kultur eines Landes. Ich will auch die deutsche Tradition lernen.“ Dafür bastelt sie Adventskränze und backt Weihnachtsplätzchen. Und sie schaut mit ihren Mitbewohnern „Die Feuerzangenbowle“. Johanna Stein
  

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