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13:09 13.11.2021
Unter Strom: Malermeister Ralph Sensing mit seiner Frau Alessandra Sensing und dem ElektroSmart. Fotos: Conrad von Meding (2)

Jetzt strahlt das stolze Vorkriegsgebäude in der Nikolaistraße (Hannover-Mitte) wieder in hellen Farben. Fein sind die senkrechten, säulenartigen Lisenen in Graustufen abgesetzt, die der Fassade ihr schlankes Antlitz geben. Formschön haben die Maler auch die Applikationen hoch oben am Treppenhausturm und die Verzierung über dem Eingangsportal abgesetzt. Das 1905 erbaute Haus zeigt seinen historischen Charme, ohne protzig zu wirken.

„Diese Fassade hat uns allen richtig Spaß gemacht“, sagt Malermeister Ralph Sensing. Das lag auch am Bauherrn. „Für ihn war die Wiederherstellung ein Leidenschaftsprojekt“, sagt Sensing.

Im Krieg hatte das Gebäude einen Bombentreffer abbekommen. Teile der Fassade stammen aus der Wiederaufbauzeit. Malermeister Sensing hat daher für den Eigentümer ein Farbkonzept entwickelt, das die Qualitäten des Altbaus optisch mit denen der Nachkriegszeit zu einer Einheit verbindet. Im Malerhandwerk geht es eben nicht nur darum, irgendwo irgendeine Farbe aufzutragen. „Wir beraten unsere Kunden, um die beste Lösung für ihr jeweiliges Projekt zu finden“, sagt Sensing.

In diesem Fall gehören auch drei fein herausgearbeitete Goldkugeln im Kapitellschmuck der Fassade zum Konzept und – ebenfalls aus Echtgold gefertigt – die Verzierung über dem Eingangsportal. Sie zeigte ursprünglich einen stolzen Vogel mit ausgebreiteten Schwingen. Kopf und ein Flügel aber waren durch Kriegseinwirkung zerstört. „Wir hätten das Symboltier durchaus auch komplett wiederhergestellt“, verrät Sensing: „Aber der Bauherr wollte die Applikation lieber mit den Fehlstellen bewahren – schließlich gehörten diese auch zur Geschichte des Hauses.“ So hat jeder Auftrag seine Besonderheit.

Seit 100 Jahren ist das Unternehmen Sensing nun schon in Hannover und den Nachbarstädten aktiv und bringt den Menschen Farbe ins Leben und den Unternehmen repräsentative Räume. Das hinterlässt Spuren, im positiven Sinne. „Einmal bin ich mit meinem Patenonkel durch die Stadt zum Stadion spaziert“, sagt Ralph Sensing, „und weil der mich gefragt hatte, was man als Maler eigentlich so macht, habe ich ihm ein Haus nach dem anderen gezeigt, an dem wir gearbeitet haben. Das war schon beeindruckend – auch für mich, weil man diese Vielfalt sonst selbst gar nicht so wahrnimmt.“ 
  


"Wir beraten unsere Kunden, um die beste Lösung für ihr jeweiliges Projekt zu finden."

Ralph Sensing, Geschäftsführer


Im Cafe Mövenpick am Kröpcke etwa und im Mercure-Hotel am Postkamp waren Sensing und sein Team aktiv, im Apollo-Kino an der Limmerstraße und im Novotel an der Podbi, im Flughafen ebenso wie in der Spielbank RP5 am Raschplatz, „und natürlich haben wir auch im Fußballstadion Logen verschönert“, sagt Sensing.

Außer den klassischen Malerarbeiten, innen wie außen, gehören Fassadendämmungen und Bodenbelagsarbeiten zum Handwerk – da sind neben Teppich vermehrt vor allem moderne Designbeläge gefragt, also Vinylböden. Auch Sonderprojekte wie etwa die Lieferung und Montage von Vertikaljalousien führt der Malerbetrieb aus. Sobald aber die Aufträge fachfremde Arbeiten umfassen, etwa das Abschleifen von Holzböden oder den Trockenbau, kooperiert Sensing mit befreundeten Betrieben. „Es hat schließlich Gründe, dass Tischler und Trockenbauer eigenständige Ausbildungsberufe sind“, sagt der 53-Jährige.

Für den Kunden erfüllt er die Aufträge trotzdem wie aus einer Hand. „Der Maler ist immer der erste und der letzte auf der Baustelle“, sagt Sensing: „Erst kratzt er die Tapeten ab, am Ende hinterlässt er alles schön gestrichen. Deshalb übernehmen wir oft die Koordination der Gewerke, damit der Kunde nicht mit mehreren einzelnen Firmen planen muss.“ 
  

Über dem Portal: Für die Verzierung kommt Echtgold zum Einsatz.
Über dem Portal: Für die Verzierung kommt Echtgold zum Einsatz.

Innung hat sich in der Krise bewährt

Seit 2006 ist Ralf Sensing als Obermeister der Maler- und Lackiererinnung Hannover. In der Funktion ist er Repräsentant des Malerhandwerks in großen Teilen der Region und begreift die Innung auch als Dienstleister für die rund 250 Mitgliedsbetriebe. „In der Corona-Krise hat sich noch einmal besonders deutlich gezeigt, was für eine wichtige Rolle die Innung für die Unternehmen spielt“, sagt Sensing. Angesichts der sich zuweilen täglich ändernden Regelungen und Vorgaben habe die Innung die wichtige Funktion übernommen, Aufklärung für die Mitgliedsbetriebe zu leisten und „eine Schneise ins Dickicht der Verordnungen zu schlagen“, wie Obermeister Sensing betont. „Innungsgeschäftsführer Friedrich Stöter hat oft nachts die neuen Verordnungen durchgearbeitet, sodass die Betriebe morgens mit Beginn ihrer Arbeitszeit verständliche Erklärungen im Mailfach hatten“, sagt Sensing. 
  

Heiratsantrag in Liedform

Die Firma Sensing ist ein Familienbetrieb – nicht nur, was die Inhaberfolge über inzwischen drei Generationen betrifft, sondern auch in Sachen Management. Ralph Sensing (53) und seine Frau Alessandra (52) kümmern sich gemeinsam um den Betrieb.

Seit wann sie sich kennen? Beide lächeln verschmitzt. „Schon seit der fünften Klasse – wir hatten in der Schule unsere Schließfächer nebeneinander“, sagt sie: „Er hat mir immer Zettelchen in mein Schließfach gesteckt.“ Sie habe anfangs „gar kein Interesse an Jungs“ gehabt, verrät Alessandra Sensing: „Wäre Ralph nicht so beharrlich gewesen, dann wäre es nie etwas geworden.“

Seit der 10. Klasse an der IGS Langenhagen sind beide ein Paar. Zehn Jahre später, 1996, wurde Hochzeit gefeiert. Den Heiratsantrag sang Ralph Sensing seiner Frau: Auf die Melodie von „Bright Eyes“ von Simon & Garfunkel rezitierte er die Kennenlerngeschichte und mündete in: „Gib mir Dein Ja.“

Alessandra Sensing hat Arzthelferin gelernt, ist aber nach der Kinderpause inzwischen voll im Betrieb beschäftigt. Ralph Sensing wollte eigentlich Lehrer werden – entschied sich dann aber nach dem Abitur trotzdem für eine Ausbildung im befreundeten Betrieb Malerblome in Isernhagen. Danach kehrte er zwar in den väterlichen Betrieb zurück, arbeitete aber trotzdem 1992 ein Jahr in der Schweiz, um Auslandserfahrung zu sammeln. 1993 schloss sich die Meisterprüfung an, 1994 schloss er das Studium zum Betriebswirt des Handwerks ab. „Das waren fünf harte Jahre – aber so hatte ich das sogenannte triale Studium aus Gesellen- und Meisterbrief und Hochschulausbildung bereits absolviert, bevor es als Komplettpaket angeboten wurde“, sagt Sensing. Kurz darauf bauten beide ihr Wohnhaus auf dem Betriebsgelände am Pferdemarkt in Langenhagen und zogen dort ihre drei Kinder groß: 1997 wurde Tochter Tamina geboren, 1999 Sohn Pirmin und 2006 Tochter Luana. Die Namen sind schweizer und italienischer Herkunft – Alessandra Sensing stammt aus Sardinien, die Schweiz und Sardinien sind die Lieblingsurlaubsgebiete der Familie. Conrad von Meding 
  

Unser Team

Die Mitglieder der Sensing-Firmenfamilie sind eine eingespielte Gruppe. Zugleich vereinen sie ganz unterschiedliche Fähigkeiten miteinander. 
    


Fuhrpark wird elektrisch

Seit dem vergangenen Jahr stellt Malermeister Sensing seinen Fuhrpark auf elektrischen Antrieb um – und erzeugt den Strom dafür größtenteils selbst mit einer Solaranlage auf den eigenen Werkstattgebäuden. Im November wurde ein elektrischer Mercedes-Vito als Firmentransporter angeschafft, im Sommer nun auch ein elektrischer Smart für Kundenbesuche. Ein zweiter Smart ist bestellt – er soll als Azubimobil dienen für die Auszubildenden im dritten Lehrjahr. Mindestens zwei weitere E-Fahrzeuge kommen kurzfristig noch hinzu.

Sensing hat schon früh auf erneuerbare Energien gesetzt. Vor zehn Jahren hat er eine Erdwärmepumpe für die Heizungsanlage installieren lassen. „Es war mir damals schon wichtig, von den fossilen Brennstoffen wegzukommen“, sagt er. Eine Haltung, die heute voll im Trend liegt.

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