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Home Sonderthemen Komplett Jedes Haus hat seine Schwachstelle
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06:12 18.11.2019
Illustration: iStockphoto.com/Irina_Strelnikova, BSVIT

Von Sebastian Hoff 

Meist geht es ruckzuck: Innerhalb weniger Sekunden hebeln Einbrecher Fenster und Fenstertüren auf, weil diese nur wenig Widerstand leisten. „Mechanische Sicherungen stehen deshalb beim Einbruchschutz an erster Stelle“, betont Mathias Zunk, Versicherungsexperte beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Denn gelangen Täter nicht innerhalb weniger Minuten ins Haus, geben sie ihr Vorhaben in der Regel auf.

Zu den mechanischen Sicherungen gehören etwa Pilzkopfverriegelungen und Sicherheitsschließbleche, mit denen Fenster und Türen auch nachgerüstet werden können. Zu empfehlen sind darüber hinaus zum Beispiel Querriegelschlösser für Türen und Rollenrostsicherungen für Kellerschächte. Der GDV rät, beim Kauf darauf zu achten, dass die Technik ein bekanntes Sicherheitszertifikat trägt, etwa von der VdS Schadenverhütung oder vom Institut für Fenstertechnik (ift) Rosenheim.

Das Netzwerk Zuhause sicher der Polizei empfiehlt, bei neuen Fenstern und Türen auf eine ausreichende Widerstandsklasse zu achten, die mit dem Kürzel RC (Resistance Class) bezeichnet wird. Im privaten Bereich sollte mindestens der Standard RC 2 für Fenster und Türen verwendet werden. Weil Einbrecher Lärm und eigene Verletzungen fürchten, wenn sie Fenster einschlagen, kann unter Umständen auf einbruchhemmendes Glas verzichtet werden. Dann trägt die Widerstandsklasse RC 2 ein N im Namen und heißt RC 2-N. Wer Fenster und Türen nachrüstet, sollte sich an die Empfehlungen halten, die in Teil 1 und Teil 2 der DIN 18104 für einbruchhemmende Nachrüstprodukte beschrieben sind.


"Neben mechanischer Sicherheitstechnik, die 90 Prozent der Einbrecher von der Tat abhalten kann, ist richtiges Verhalten ein wichtiger Baustein der Einbruchsprävention."

Carolin Hackemack, Geschäftsführerin des Netzwerks Zuhause sicher


„Neben mechanischer Sicherheitstechnik, die 90 Prozent der Einbrecher von der Tat abhalten kann, ist richtiges Verhalten ein wichtiger Baustein der Einbruchsprävention“, erklärt Carolin Hackemack, Geschäftsführerin von Zuhause sicher. Dazu gehöre, Fenster und Türen abzuschließen, wenn man das Haus verlässt. Auch Zugänge etwa über die Garage oder den Balkon sollten gut verschlossen werden. Aufstiegshilfen wie Leitern oder Mülltonnen sollten für Einbrecher unerreichbar sein. Schlüssel gehören nicht unter die Fußmatte oder in Blumenkästen. Bei Abwesenheit sollte die Klingel abgeschaltet werden, um Einbrecher im Ungewissen zu lassen, ob jemand zu Hause ist.

Als Ergänzung könne zudem ein elektronischer Einbruchschutz sinnvoll sein, sagt Hackemack. Damit sind vor allem Videotechnik und Alarmanlagen gemeint. Kameras können etwa in Verbindung mit der Haustürklingel installiert werden. Außerdem können Gartenbereiche und Räume im Haus überwacht werden.

Andrijan Möcker, Redakteur des Computermagazins „c´t“, empfiehlt, die Installation Fachleuten zu überlassen und kabelgebundene Systeme statt Funksystemen zu verwenden: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein technisch korrekt umgesetztes kabelgebundenes System ausfällt oder von außen gestört wird, ist sehr gering.“ Hackemack gibt allerdings zu bedenken, dass Kamerabilder selten taugliche Bilder liefern, mit denen Täter später identifiziert werden können – viele Einbrecher seien zudem vermummt.

Akustische und optische Alarmanlagen sollen Einbrecher abschrecken und die Aufmerksamkeit von Anwohnern oder Passanten erregen. Durch eine sogenannte „stille Alarmierung“ werden Sicherheitsdienste verständigt. Akustische Anlagen haben den Nachteil, dass ein Gewöhnungseffekt eintritt, wenn der Alarm zu oft fälschlich ausgelöst wird.

Ähnlich verhält es sich, wenn Bewegungsmelder regelmäßig Licht angehen lassen, weil etwa Katzen vorbeilaufen. Die Polizei empfiehlt deshalb, bei Einbruch der Dämmerung Lichtquellen am Gebäude und im Garten dauerhaft anzuschalten. Auch im Haus sollte Licht brennen – am besten so, dass das Haus bewohnt wirkt. Inzwischen gibt es Smart-Home-Anwendungen, die Anwesenheit simulieren.

Auch eine Vernetzung mit mobilen Endgeräten ist möglich. Das mag zur Fernsteuerung von technischen Geräten sinnvoll sein. Zur Erhöhung des eigenen Sicherheitsgefühls trägt die Technik allerdings eher wenig bei – sogar das Gegenteil kann der Fall sein, sagt Möcker: „Dadurch setzt man sich selbst unter Druck, weil man ständig auf das Smartphone schaut.“ Wenn eine Warnmeldung erfolgt, ist es ohnehin meist zu spät, um den Einbruch zu verhindern.
  

Um beim Einbruchschutz auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, eine Beratung der Polizei in Anspruch zu nehmen. Die wird in Hannover kostenlos angeboten. Interessenten sollten sich an die Abteilung Technische Prävention der Polizeidirektion Hannover wenden und einen Beratungstermin vereinbaren. Vor Ort erfolgt zunächst eine ausführliche Schwachstellenanalyse. Anschließend wird ein individuelles Sicherheitskonzept ausgearbeitet. Außerdem wird Informationsmaterial ausgehändigt und auf die polizeilichen Adressnachweise qualifizierter Fachfirmen hingewiesen. Sobald die Maßnahmen umgesetzt sind, wird auf Wunsch die Plakette Zuhause sicher überreicht. Gut sichtbar am Haus angebracht kann sie auf Einbrecher abschreckend wirken. Einige Versicherer, die sich bei Zuhause sicher engagieren, gewähren zudem einen Preisnachlass bei der Hausratsversicherung.

Barbara Thiel, Landesbauftragte für Datenschutz in Niedersachsen.
Barbara Thiel, Landesbauftragte für Datenschutz in Niedersachsen.

Frau Thiel, in welcher Form ist die Videoüberwachung von Wohngebäuden erlaubt?

Zulässig ist zum Beispiel eine mit der Klingelanlage gekoppelte Kamera, die in der Wohnung eine kurze Bildsequenz mit der Person vor der Tür zeigt. Bei der Videoüberwachung auf einem ausschließlich selbst genutzten Privatgrundstück endet die Beobachtungsbefugnis in der Regel an der eigenen Grundstücksgrenze.

Worauf muss geachtet werden, um Datenschutz und Persönlichkeitsrechte zu wahren?

Unbedingt zu beachten ist der Winkel der Kamera: Es muss sichergestellt sein, dass der öffentliche Raum, also Fußwege oder Straßen, nicht erfasst wird. Auf einem Hinweisschild muss über den Zweck der Videoüberwachung, die verantwortlichen Stellen, die Speicherdauer sowie die Betroffenenrechte informiert werden.

Wann werden Grenzen überschritten?
Die Überwachung von Nachbargrundstücken ist immer unzulässig. Bei einem Mehrfamilienhaus verbietet es sich, Hauseingang oder Hof permanent zu überwachen. Der persönliche Lebensbereich und die Intimsphäre, zum Beispiel in Umkleidebereichen oder Sanitäranlagen, dürfen durch eine Videoüberwachung nicht verletzt werden. Darüber hinaus genießen Kinder einen besonderen Schutz.
Wie lange dürfen Aufzeichnungen gespeichert werden?

Eine konkrete Regelung gibt es weder in der Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, noch im niedersächsischen Datenschutzgesetz. Aber gespeicherte Videodaten müssen sofort gelöscht werden, wenn sie nicht mehr nötig sind, um den verfolgten Zweck zu erreichen. Grundsätzlich sollten Daten spätestens nach 48 Stunden gelöscht werden.

Wofür dürfen Aufzeichnungen verwendet werden?

Immer nur für den vorab definierten Zweck! Ausnahmen sind nur dann möglich, wenn es Einwilligungen der Betroffenen oder eine Rechtsgrundlage dafür gibt. Interview: Sebastian Hoff
  

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