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08:49 28.05.2021
Noch ist die Kundenfrequenz in der Lehrter Innenstadt verhalten.

In der vergangenen Woche ging ein Aufatmen durch die Lehrter Geschäftswelt. Seit vergangenem November befanden sich die Geschäfte wegen der Corona-Pandemie in einem mal mehr und mal weniger strengem Lockdown. Erst in diesem Mai begannen die Inzidenzzahlen in der Region Hannover zu purzeln. Seit Anfang Mai ging dieser Wert derart stark zurück, dass jetzt auch die Geschäfte des nicht täglichen Bedarfes die Türen für ihre Kundinnen und Kunden wieder öffnen können. Allerdings braucht jeder Inhaber ein Hygienekonzept und in Läden über 200 Quadratmeter Fläche dürfen Menschen, die nicht genesen oder vollständig geimpft sind, nur mit einem negativen Corona-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist, hinein. Diese Testpflicht gilt auch für Lokale, die seit der vergangenen Woche zumindest wieder ihre Außengastronomie öffnen dürfen. Die Innenräume bleiben noch geschlossen. Bleibt die Inzidenz in den derzeitigen Bereichen, sollen aber auch die Gaststuben vom 31. Mai an wieder geöffnet werden dürfen (s. Kasten).

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Testpflicht schreckt einige Kunden ab

Die Belebung der Innenstadt Lehrtes trägt bei den dort ansässigen Geschäftsleuten in der Mehrheit zu einem optimistischen Grundgefühl bei.

„Es ist positiv geworden“, beurteilt Marina Zerbe, Inhaberin der Boutique Marina Z Mode in der Zuckerpassage, die derzeitige Stimmung bei den Händlern. „Die Kundinnen freuen sich, wieder den Laden betreten zu können.“ Allerdings sei die Testpflicht, die in den meisten Geschäften vorgeschrieben ist, noch ein Hindernis, meint Regina Rosenbaum, die das Bettenfachgeschäft bettenhaus welge in der Burgdorfer Straße betreibt.

Regina Rosenbaum (links) und Marina Zerbe schauen zuversichtlich in den Sommer.
Regina Rosenbaum (links) und Marina Zerbe schauen zuversichtlich in den Sommer.

Sie spricht auch im Stadtmarketing für die Lehrter Händlerschaft. Es sei doch ein großer Aufwand, sich für einen Einkauf testen zu lassen. Einige umgingen diese Pflicht, indem sie vor der Tür stehen blieben und sich Waren dort im Freien zeigen ließen. Für kleine Besorgungen sei das eine ausgezeichnete und sichere Alternative. Zum Teil sei es auch weiterhin die Vorsicht, die die Kundinnen und Kunden zu einem solchen Verhalten brächten, hat Rosenbaum beobachtet. Vor allem die ältere Generation sei nach wie vor vorsichtig. „Aber für Bettenberatungen nutzen die Kunden die Tests auf jeden Fall, da es sich hier um größere Anschaffungen handelt.“

Click & Meet hat Geschäften geholfen

Die beiden Händlerinnen schauen mit gemischten Gefühlen auf die vergangenen Monate zurück. Zerbe war froh, dass den Geschäften zumindest die Möglichkeit Click & Meet, also der Besuch des Geschäfts per vereinbartem Einzeltermin, möglich war. „Das war durchaus eine große Unterstützung.“ Auch Rosenbaum konnte dem Verfahren viel abgewinnen. „Das war eine Möglichkeit, dass man durch die Schließungen durchkommt.“ Inzwischen gebe es auch mehr Möglichkeiten, staatliche Unterstützung zu bekommen. Jeder finde bei den unterschiedlichen Programmen das Richtige für sich – auch wenn die Auszahlung im Winter zu lange gedauert habe. Bei aller staatlichen Unterstützung und Click-&-Meet-Programmen sei aber auch eines klar: Ein Ersatz für entgangene Einnahmen sei das nicht.

Ungerechtigkeiten durch Sortimentsvielfalt

In den Zeiten des Lockdowns habe es auch einige Ungerechtigkeiten gegeben, befindet Rosenbaum. In manchen Geschäften des täglichen Bedarfs, die auch im Lockdown offenbleiben durften, gebe es eine Sortimentsvielfalt. Das sei zum Beispiel in großen Supermärkten der Fall, in denen man auch Waren des nicht täglichen Bedarfs bekommen konnte. Geschäfte, die diese Ware ausschließlich anbieten, mussten dagegen schließen. „Warum darf der eine nicht, was andere dürfen“, bemängelt sie eine Ungleichbehandlung zu Lasten der Fachgeschäfte.

Stammkundschaft bleibt treu

Positiv bewerten die beiden Geschäftsfrauen, dass eine verstärkte Abwanderung der Käuferschaft ins Internet nicht stattgefunden hat. „Davon habe ich wenig gehört“, sagt Zerbe. Die meisten wollten das Erlebnis haben, in einem Geschäft einzukaufen und gut beraten zu werden. „Und auf unsere Lehrter Stammkundschaft können wir uns verlassen“, lobt Rosenbaum.

Händlerinnen hoffen auf besser Zeiten

Nach den Öffnungen in diesem Mai schauen die beiden Händlerinnen – und mit ihnen ein großer Teil der Lehrter Geschäftswelt – zuversichtlich in die Zukunft. „Wenn sich die Zahlen so stabilisieren oder noch weiter sinken, wird sich das zweite Halbjahr normalisieren“, ist sich Rosenbaum sicher. Natürlich sei die Pandemie noch nicht vorbei. „Es kommt vor allem darauf an, was mit den Mutanten ist“, sprach sie die inzwischen aufgetauchten, wohl ansteckenderen Variante des Sars-CoV-2-Virus an. Deswegen hält sie von einer Abschaffung der Maskenpflicht im Einzelhandel bei einer stabilen Inzidenz unter 35, wie sie die Landesregierung kurzzeitig ins Spiel gebracht hatte, nicht viel.

Wichtig sei für sie, dass auch die Gastronomie wieder stärker öffnen dürfe, findet Rosenbaum. „Dann kann man sich zu einem Einkaufsbummel mit Restaurantbesuch verabreden.“

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