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Home Sonderthemen Hannover Hält länger als gedacht: Lebensmittel selbst prüfen
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18:54 16.11.2020
Ist das noch essbar? Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, muss man Lebensmittel noch lange nicht wegwerfen. Foto: Christin Klose/ dpa-tmn

Das Mindesthaltbarkeitsdatum vom Joghurt ist seit zwei Wochen abgelaufen. Muss der deshalb weggeschmissen werden? Nein. „Wenn der noch gut aussieht, gut riecht und schmeckt, kann man den auch essen“, sagt Janina Delp von der Initiative „Zu gut für die Tonne“. Positiv sei, dass einige Hersteller inzwischen neben dem Aufdruck „Mindestens haltbar bis“ den Zusatz „oft länger gut“ angeben: „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum, und wir begrüßen daher Initiativen, die genau darauf aufmerksam machen“, sagt Delp.

Quark: Auch wenn sich auf Quark schon Flüssigkeit abgesetzt hat, müsse man keine Angst haben. Das sei unbedenklich, weil es sich dabei um natürliche Molke handelt, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg in einer Checkliste mit 30 Lebensmitteln.

Kartoffeln: Weitere Anregungen gibt es etwa für schrumpelige Kartoffeln: Aus ihnen lässt sich noch wunderbar Püree machen.

Öl: Wenn kaltgepresstes Öl flockt, kann man es unbedenklich weiterverwenden – es hat nur zu kalt gestanden.


"Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum, und wir begrüßen daher Initiativen, die genau darauf aufmerksam machen."

Janina Delp, Initiative „Zu gut für die Tonne“


Eier: Auch abgelaufene Eier müssen nicht im Abfall landen. Sie taugen sicher nicht mehr fürs Tiramisu, aber noch prima zum Backen. Zudem hilft hier ein Wasserglastest: Das Ei in ein Glas mit Wasser legen. Frische Eier bleiben unten. Richtet es sich auf, ist es etwas älter, aber noch genießbar. Schwimmt es oben, sollte es entsorgt werden.

Brot: Mal wieder die zwei Brötchen vom Vortag nicht gegessen? Auch das liegen gebliebene Baguette ist zum harten Knüppel mutiert? „Daraus lässt sich prima ein italienischer Brotsalat machen“, schlägt Monika Bischoff vor und verrät das Rezept.

Die Vorsitzende des Berufsverbands der Oecotrophologie (VDOE) nimmt für vier Portionen Panzanella 250 Gramm Brot, schneidet es in dünne Scheiben und toastet es. Anschließend werden die Toastscheiben mundgerecht gewürfelt. Dann werden eine Salatgurke, eine Paprika und 750 Gramm Tomaten gewürfelt sowie drei kleine Stangen Sellerie und eine rote Zwiebel in Scheiben geschnitten. Dann kommt alles in eine große Schüssel und wird vermischt. Darüber gibt man einen Bund gezupftes Basilikum sowie einen Bund gehackte Petersilie. Als Dressing mischt man drei Esslöffel milden Essig, drei Esslöffel Olivenöl, zwei gepresste Knoblauchzehen, Salz und Pfeffer und hebt es unter den Salat – 15 Minuten ziehen lassen. Auch Thunfisch im eigenen Saft, Schafskäse, Kapern oder Oliven lassen sich dazugeben.

Einweckgläser: Und was ist mit Gläsern voll von eingewecktem Obst, die schon seit Jahren im Keller stehen? „Das hält sich sogar länger als Eingefrorenes“, beruhigt Bischoff. Beim Einwecken werden Keime und Bakterien abgetötet. „Wenn sich der Deckel nicht wölbt, kein Schimmel zu sehen und das Obst nicht zerfallen ist, kann man es ruhig noch verwenden.“ Da Farbe und Aroma meist gelitten haben, würde sie die Früchte mit in einen Rührkuchen geben.

Marmelade: Hitze und Zucker bestimmen, wie lange Marmelade haltbar ist. Werden die Früchte kalt püriert und gezuckert, hält die Marmelade bis zu zwei Wochen im Kühlschrank, so die Experten von „Zu gut für die Tonne“. Werden die Früchte aber auf dem Herd eingekocht, lässt sich die Marmelade bis zu einem Jahr an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahren. Verfärbt sich hausgemachte Marmelade nach einigen Monaten durch Lichteinfluss leicht braun oder grau, hat das Licht lediglich die natürlichen Farbstoffe zerstört. Der Geschmack sei unverändert.

Schokolade: Die Initiative „Zu Gut für die Tonne“ hat zusammen mit der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Berlin-Brandenburg ein Rezept entwickelt, wie alte oder ergraute Schokolade eine neue Bestimmung findet. Aus 200 Gramm davon lassen sich neun süße Brötchen zaubern. Und so geht es: Schokolade zerkleinern und in einen gut durchgekneteten Teig aus 500 Gramm Mehl, 25 Gramm Hefe, je 50 Gramm Zucker und Butter, einem Ei, 150 Milliliter Wasser, einem Teelöffel Salz und je einem Spritzer Zitronen- und Vanillearoma sowie 100 Milliliter kalter Milch geben. Nach einer Ruhezeit von etwa zehn Minuten eigroße Kugeln formen und in einen 30 Grad Celsius warmen Ofen stellen. Während des 30-minütigen Gärens mehrmals mit Wasser bestreichen. Sind die Kugeln auf Brötchengröße gewachsen, aus dem Ofen nehmen und mit einem Geschirrtuch abdecken. Nochmals mit Wasser bestreichen und die Brötchen 16 Minuten lang bei 210 Grad Celsius backen. Anschließend mit flüssiger Butter bepinseln und mit Zucker bestreuen. dpa


Wie aus Abfall wertvolle Erde wird

Mit Komposthaufen selbst recyceln

Bei grünen Küchenabfällen sind sich alle Experten einig – sie dürfen auf den Kompost. Foto: iStockphoto.com/ RyanJLane
Bei grünen Küchenabfällen sind sich alle Experten einig – sie dürfen auf den Kompost. Foto: iStockphoto.com/ RyanJLane

In einer Stadt der Größe Hamburgs fallen jeden Herbst 12 000 bis 15 000 Tonnen Laub an – und das ist nur die Masse, die im Müll landet. Außerdem kommt in jedem Garten der Rückschnitt von Hecken, Bäumen und Sträuchern zusammen – jede Menge Grünabfall, mag man sagen. Eigentlich ist das eine Riesenmenge Rohstoff voller wertvoller Nährstoffe, die dem Garten wieder zugeführt werden kann. Über die Verrottung in einem Kompost.

Dabei werden im Laufe der Zeit die Grünabfälle zu Humus, der die Nährstoffe zurück in den natürlichen Kreislauf bringt und die Bodenfruchtbarkeit erhält, wenn nicht gar verbessert. Man kann im eigenen Garten damit weitestgehend auf ressourcenzehrende Kunstdünger oder umweltschädigende Torfprodukte verzichten, erklärt Ralf Menzel vom Umweltbundesamt.

Was darf drauf?

Grundsätzlich ist jeder Grünabfall erlaubt, wobei bei einigen Laubarten wie Eiche, Kastanie und Birke laut Umweltbundesamt ein Zusatz von Kalk oder Tonmineralien gut sein kann. Diese Blätter verrotten schwer und setzen Gerbsäure frei, die zur Versauerung führen kann.

Worauf verzichten?

Pflanzenteile mit Pilzbefall oder Krankheiten kommen besser nicht auf den Komposthaufen. Unkräuter, die Wurzeln oder Samen haben, haben dort auch nichts zu suchen. Denn: „Der Temperaturverlauf ist, was Höhe und Zeitverlauf betrifft, natürlich nicht mit großen Kompostierungsanlagen vergleichbar“, sagt Menzel. Keimfähige Samen, Sporen und Krankheitserreger werden daher nicht sicher abgetötet.

Bei grünen Küchenabfällen sind sich alle Experten einig: Sie dürfen auf den Kompost. Zum Rest aber gibt es verschiedene Meinungen: Das Umweltbundesamt hält sogar Küchen- oder Zeitungspapier in kleinen Mengen für geeignet, auch Kleintierstreu, Kaffee- und Teefilter sowie Eierschalen sind kompostierbar. Hagen Knafla, Fachberater für die Substratbranche aus Telgte (NRW), rät hingegen, auf Gekochtes und tierische Produkte zu verzichten. Sonst werden Ratten angelockt.

Richtig angelegt

Der Boden bleibt offen – nur so können vom Erdboden Insekten in den Haufen aufsteigen und mitarbeiten. Dann bildet eine dicke Schicht aus dünnen Ästen oder Reisig die Grundlage. Sie sorgt dafür, dass sich Regen nicht aufstaut und an die Grünabfälle noch Luft kommt. Darüber kommen dann feinere Abfälle abwechselnd mit groben Materialien. Auch das sorgt für Belüftung.

Wann ist die Erde fertig?

In der Regel dauern die Umsetzungsprozesse zwischen sechs und zwölf Monaten. „Fertiger Kompost riecht nach frischer Walderde“, sagt Menzel. dpa

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