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Home Sonderthemen Komplett Grenzüberschreitendes Denken, Arbeiten und Handeln ist gefragt
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06:05 04.11.2019
Für die Forschungsanlage in Linz hat Siemens das derzeit weltweit größte „Proton Exchange Membrane“-Elektrolysemodul entwickelt. Damit können 1200 Kubikmeter „grüner“ Wasserstoff pro Stunde produziert werden. Wer dort arbeitet, sollte neben dem klassischen Ingenieurswissen auch über digitale Kenntnisse verfügen.            Foto: Siemens AG
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Die fortschreitende Digitalisierung bringt ständig Veränderungen in die Arbeitswelt. Das gilt auch für die Branche der Techniker und Ingenieure sowie der IT- und Kommunikationsspezialisten. Diese Berufe bekommen immer stärkere Berührungspunkte und arbeiten immer grenzüberschreitender zusammen. Insbesondere in diesen Branchen ist der Wandel besonders spürbar, denn diese Spezialisten sind genau die Menschen, die in ihren Bereichen diese Entwicklung mit am meisten vorantreiben.

Umbruch mit epochalem Ausmaß

Dirk Schlesinger, der beim TÜV Süd AG Chief Digital Officer arbeitet, sagt, dass zum Beispiel Inspektions- und Prüfungstätigkeiten noch stärker digitalisiert ablaufen werden. Früher habe man beispielsweise fliegende Windenergieanlagen von Industriekletterern prüfen lassen, was riskant und körperlich sehr fordernd ist. Heute könne man zumindest teilweise Drohnen einsetzen.

In einer Veranstaltung in Berlin vor anderthalb Jahren unter dem Motto „Smart Germany – Arbeit in der digitalen Transformation“ diskutierte der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) über digitale Geschäftsmodelle für die Industrie und stellte fest, dass die digitale Transformation ein Wandel epochalen Ausmaßes ist. Alles, was digitalisiert werden kann, werde digitalisiert. Für den VDI stelle sich die Frage, was der Ingenieur in der Digitalisierung können muss. In der digitalen Ökonomie erlebe man eine Verschiebung vom ausschließlich auf das Produkt zentrierten Fokus hin zu einer auf die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle gerichteten Innovation. Neben physischen Produkten werden zugeordnete Smart Services zum zentralen Wirtschaftsfaktor. Dies stelle bestehende Geschäftsmodelle unserer Industrie grundlegend infrage.

Daten sind die Währung der Zukunft

Als Beispiel nannte der VDI die Automobilindustrie. Deren Unternehmen werden sich im Zuge der digitalen Transformation von reinen Fahrzeugherstellern zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln. Ihr Produktangebot ende nicht mit der Auslieferung des Neuwagens. Kunden und Unternehmen träfen künftig nicht mehr nur am Point of Sale aufeinander, sondern interagierten kontinuierlich, solange der Kunde das Fahrzeug nutzt.

Disziplinen rücken immer stärker zusammen

Das digitalisierte Auto werde Millionen von Daten generieren, deren Auswertung wiederum völlig neue Dienstleistungen und damit potenziell neue Geschäftsmodelle entstehen lasse. Ingenieure müssten künftig stärker in digitalen Geschäftsmodellen denken. Ohne den Kern der typischen Ingenieursfähigkeiten aufzugeben, müsse der Ingenieur von heute sein Profil als rein technischer Experte in der digitalen Transformation künftig um Querschnittsqualifikationen erweitern.

Empfehlenswert seien Kenntnisse aus Disziplinen wie Kommunikation, Betriebswirtschaft und Innovationsmanagement. Sie befähigen dazu, den Innovationsprozess auf die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle auszudehnen. Ingenieure werden sich insgesamt breiter und interdisziplinärer aufstellen müssen, um erfolgreich funktionsübergreifend agieren zu können, weil auch in der Smart Factory die Grenzen zwischen den Disziplinen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik zunehmend verschwinden. Ingenieure arbeiteten hier an der Schnittstelle zwischen Hardware und IT. Das bedeute, dass das Grundverständnis, wie IT funktioniert, unverzichtbar wird, betont Annika Lander, Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e. V.
      

Dirk Schlesinger, Chief Digital Officer der TÜV Süd AG, geht davon aus, dass vor allem für einen Ingenieur in der Arbeitswelt 4.0 ein grundlegendes Verständnis von Internet und Datenverarbeitungstechnologie unabdingbar ist. Die Konzepte der IT-Welt als Techniker und Ingenieur zu verstehen, sei immens wichtig, um in diesen Jobs erfolgreich zu arbeiten. Natürlich gebe es hervorragende Vorlesungen und Kurse im Ingenieurstudium als Grundlage. Zum Digital Native werde man aber nur durch ständiges Ausprobieren, eigene Versuche und Erfahrung. In der digitalen Welt gelte „Learning by Doing“. Zudem durchwandere auch die Digitalindustrie verschiedene Phasen: Einmal werden Netzwerkspezialisten gesucht, dann App-Programmierer, nun Hacker und Advanced-Analytics-Spezialisten.

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