Menü
Anmelden
Wetter Schneeschauer
3°/0°Schneeschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover

Home Sonderthemen Komplett Wenn der Stress an uns nagt
Anzeige
17:23 21.03.2019
Bei Stress müssen oft die Fingernägel dran glauben. Manchmal steckt hinter der Kauerei aber auch mehr.                Andrea Warnecke/dpa-tmn

Von Elena Zelle  

Ob unter Anspannung oder aus Langeweile: Bei vielen Menschen wandern die Finger in manchen Situationen automatisch zum Mund, und dann wird gekaut, geknabbert und gebissen. Nicht selten bis es blutet und die Nägel völlig abgenagt sind. 

Das sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch eine Eintrittspforte für Krankheitserreger. Die Ursachen sind von Mensch zu Mensch verschieden. Meist ist das Nägelkauen ein harmloser Ausgleichs-Mechanismus zum Beispiel bei Stress. Es kann aber auch ein ernsthaftes psychisches Problem dahinterstecken. 

Nägelkauen ist meist harmlos

Grundsätzlich ist Nägelkauen zwar ein zwanghaftes Verhalten oder auch eine Störung der Impulskontrolle, aber meist ist es harmlos, so Prof. Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. In der Fachsprache ist von Onychophagie die Rede. Das kommt aus dem Griechischen: onychos heißt Nagel, und phagein bedeutet essen. Kritisch werde das Nägelkauen, wenn es stärker oder häufiger wird.

„Oder wenn Leute so intensiv und so verbissen Nägel kauen, dass Verletzungen entstehen, zum Beispiel der Haut“, sagt Falkai, der auch Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum München ist. „Dann ist es oft Symptom einer Erkrankung.“

Jeder zehnte Erwachsene knabbert

Die Unterscheidung zwischen schlechter, aber harmloser Angewohnheit und Ausdruck einer psychischen Störung ist nicht leicht, weiß der Arzt und Diplom-Psychologe Harald Tegtmeyer. Er ist beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Sprecher des Ausschusses für Psychosomatik und Psychotherapie. Dabei sind Nägelkauer alles andere als selten, vor allem in jüngeren Jahren: „Geschätzt sind 30 bis 40 Prozent der Kinder und 10 Prozent der Erwachsenen betroffen.“

Kinder gewöhnen es sich oft von allein ab

Oft gewöhnen Kinder sich das Nägelkauen nach ein paar Monaten oder wenigen Jahren von allein wieder ab: „In der Pubertät achtet man mehr auf sich, nimmt das Nägelkauen anders wahr. Es wird peinlich, auch von der Optik her“, sagt Tegtmeyer.

Die Eltern können die Kinder bei der Entwöhnung unterstützen – zum Beispiel, indem sie diese in der entsprechenden Situation dezent auf das Nägelkauen hinweisen. Das gilt aber nur, wenn die Kinder das möchten und es so abgesprochen ist. Sonst verkneifen Eltern sich ihre Kommentare besser, warnt Tegtmeyer: „Wenn es als Hinweis auf Schwäche empfunden wird, besser nicht darauf aufmerksam machen.“ Denn sonst werde damit auf Dauer das Selbstvertrauen erschüttert. Der Schuss kann auf diese Weise nach hinten losgehen, weil solche Hinweise Spannungen verstärken und damit zu vermehrtem

Nägelkauen führen können.

Nägel können dauerhaft deformiert werden Abgeknabberte Nägel und kaputte Nagelhaut sehen aber nicht nur unschön aus. „Sie dienen auch als Eintrittspforte für Pilze und Bakterien und begünstigen somit Entzündungen“, sagt die Hautärztin Marion Moers- Carpi vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen.

Auf Dauer können die nagelbildenden Zellen unumkehrbar geschädigt werden, sodass der Nagel nur noch deformiert nachwächst – typisch dafür sind etwa ausgeprägte Längsrillen auf der Nageloberfläche. Um vorzubeugen, empfiehlt die Dermatologin aus München, die Nägel einmal täglich zu desinfizieren. Bei akuten Entzündungen kann eine Zinkcreme helfen – und die betroffene Stelle in Ruhe zu lassen.

„Wenn es feuerrot ist und eitert, dann ist der Arzt gefragt und ein Antibiotikum vonnöten“, sagt Moers-Carpi.

■ Bitterer Lack
In der Apotheke gibt es spezielle Lacke gegen das Nagelkauen. Man trägt sie wie einen Nagellack auf, sie sind farblos, haben aber einen sehr bitteren Geschmack. Für manch einen Kauer ist das Abschreckung genug.

■ Feile in der Tasche
Oftmals sind es hervorstehende Hautpartikel, die zum Beißen verleiten. Wer stets eine Nagelschere/Feile parat hat, kann diese einsetzen, statt den Finger in den Mund zu stecken.

■ Regelmäßige Maniküre
Sind die Nägel schön gemacht, zögert man, sie abzuknabbern. Zudem sind bei guter Nagelpflege keine Unebenheiten oder Schmutzpartikel zu finden, die oft den Ausschlag fürs Nägelkauen geben.

■ Hände eincremen
Wenn die Versuchung zu knabbern wieder aufkommt, kann es auch helfen, zu einer Creme zu greifen und sich quasi als Ersatzhandlung die Hände damit einzucremen.

■ Auf einen Finger reduzieren
Die wenigsten schaffen es, sofort ganz mit dieser Angewohnheit aufzuhören. Daher kann man sich als erstes Ziel setzen, nur noch an einem einzigen Finger zu kauen.

■ Habit Reversal Training
Manchen hilft auch eine Technik der Verhaltenstherapie – das sogenannte Habit Reversal Training. Hier wird das Kauen ganz bewusst ersetzt, zum Beispiel durch das Lutschen eines Bonbons, das Kauen eines Kaugummis oder indem man einen Igel-Ball in den Fingern rollt.

Bei Herpes sollte man lieber auf Distanz gehen.  istockphoto.com/deepblue4you
Bei Herpes sollte man lieber auf Distanz gehen. istockphoto.com/deepblue4you

Von Katja Eggers

Es brennt, es kribbelt, es juckt – wenn das Herpes-Virus zuschlägt, sind das die ersten Anzeichen und die Bläschen an der Lippe lassen nicht mehr lange auf sich warten. Nahezu 80 Prozent aller Menschen tragen den Erreger in sich, aber nur bei rund 20 Prozent brechen die Herpesbläschen aus – und das teilweise mehrmals im Jahr und vor allem an der Oberlippe.

Die Infektion erfolgt meistens schon in der Kindheit. Der Herpessimplex-Virus Typ I nistet sich im Körper ein und verharrt in einer Art Ruhemodus in den Nervenzellen. Bis zum ersten Ausbruch vergehen oft Jahre. Warum das Virus irgendwann erwacht, ist unklar. Starke Sonneneinstrahlung, hormonelle Veränderungen oder auch Ekel begünstigen die Reaktivierung. Stress, Trauer oder Ärger sowie Fieber, Erkältung, Rauchen und Alkohol können die Infektion ebenfalls aufflammen lassen. Wer vorbeugen will, sollte daher auf eine gesunde Lebensweise achten.

Weil Herpes vor allem über Speichel und engen Körperkontakt übertragen wird, sollten Betroffene lieber auf Distanz gehen und insbesondere auf Küssen und Sex verzichten. Ansteckungsgefahr besteht zudem über gemeinsam benutzte Gläser, Besteck, Tassen und Handtücher. Oberstes Gebot: Hygiene. Ärzte raten zum häufigen Händewaschen. Auf keinen Fall dürfen die Bläschen aufgekratzt oder ausgedrückt werden. Der Erreger kann sonst unbewusst mit den Fingern in die Augen gerieben werden und dort die Hornhaut schädigen.

Gegen das Virus selbst gibt es kein Mittel. Helfen können jedoch Cremes mit den Wirkstoffen Aciclovir und Penciclovir. Sie sind in der Apotheke erhältlich und sorgen dafür, dass sich die Viren nicht vermehren. Wirksam sind die Mittel jedoch nur, wenn sie schon bei den ersten Anzeichen aufgetragen werden. Sind die Bläschen erst einmal da, kann man nur noch die Heilung beschleunigen und die Symptome lindern.

istockphoto.com/matka_Wariatkaistockphoto.com/076
istockphoto.com/matka_Wariatkaistockphoto.com/076

■ Honig – Aber der richtige!
Besonders wirkungsvoll: Manuka-Honig aus Südseemyrte. Denn handelsüblicher Frühstückshonig gilt als keimbelastet.

■ Zitronenmelisse – Hilfe aus der Natur
Öl der Pflanze hält die Viren in Schach, auch wirksam als aufgetupfter Tee.

■ Zahnpasta – Der Klassiker
Mit Zink: beschleunigt Heilung, tötet Keime. Ohne Zink: versiegelt betroffene Stelle, schützt vor weiteren Infekten.

■ Teebaumöl – Effektiver Ersthelfer
Beim ersten Kribbeln aufgetragen, können Bläschen verhindert werden.

■ Alkohol – Hochprozentige Hilfe
Lindert Juckreiz und desinfiziert, trocknet die Lippen aber stark aus.