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Home Sonderthemen Hannover Region Nord-West Freistellungsauftrag: Kapitalerträge ohne Abzug von Steuern erhalten
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07:17 10.12.2020
Die Kapitalertragssteuer kann bei Beantragung der Günstigerprüfung mit der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Viele haben mehr als nur ein Sparkonto, Tagesgeldkonto, Bausparkonto oder Wertpapierdepot. Sinnvoll ist es deshalb, wenigstens einmal pro Jahr zu prüfen, ob die Verteilung der Aufträge den zu erwartenden Erträgen entspricht.

Erfahrungsgemäß stellten Anleger früher bei Konten zu geringe Beträge, für Depots zu hohe Beträge frei. Heute ist es eher umgekehrt. Voraussetzung für die Freistellung vom Abzug der Kapitalertragsteuer ist ein Freistellungsauftrag. Liegt der kontoführenden Stelle (Bank, Sparkasse, Bausparkasse, Genossenschaftsbank, genossenschaftliche Spareinrichtung, BRD Finanzagentur) kein solcher Auftrag vor, wird bei ausgezahlten oder gutgeschriebenen Erträgen ein Abzug von 25 Prozent (als Abgeltungssteuer) plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer fällig.

Das gilt für Zinsen und Boni aus Konten, Sparverträgen, Festgeld und Tagesgeld, Bundeswertpapieren, für Dividenden und andere Ausschüttungen, zum Beispiel aus Investmentfonds und Anleihen. Einen Freistellungsauftrag können natürliche Personen stellen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben – und zwar bis zur Höhe des Sparerpauschbetrages: 801 Euro für Alleinstehende, 1602 Euro für Verheiratete.

Sofern Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag einbehalten werden, können die Beträge unter Vorlage der erteilten Steuerbescheinigungen mit der Steuererklärung bei Beantragung der sogenannten Günstigerprüfung geltend gemacht werden.

Unabhängig von der Höhe und der Art der Anlagen müssen zusammen veranlagte Ehegatten den Auftrag gemeinsam unterschreiben. Getrennt veranlagte und dauernd getrennt lebende Ehegatten können nur einzeln Freistellungsaufträge für getrennte Konten erteilen. Freistellungsaufträge der Steuerinländer müssen mit Steueridentifikationsnummer gestellt werden. lps/Cb

Sparen mit Vorteilen

Bundesweit riestern Millionen Menschen. Für die Altersvorsorge ist die nach dem früheren Arbeits- und Sozialminister Riester benannte Rente entweder als Versicherungsvariante oder als Bank- oder Fondssparplan wegen der hohen Förderung eine Überlegung wert. Riester-Sparende erhalten 154 Euro Grundzulage pro Kalenderjahr. Dazu kommen weitere Steuervorteile und ein Extrabonus für Kinder. 185 Euro werden jährlich pro Kind ausgeschüttet, das vor 2008 geboren wurde, für jüngere Kinder gibt es sogar 300 Euro jedes Jahr. Riester-Sparer, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, erhalten außerdem eine einmalige Zulage von 200 Euro. Riester-Sparer können die staatliche Förderung nur erhalten, wenn sie mindestens 60 Euro Eigenbeitrag auf ihren Riester-Vertrag einzahlen. Kurz vor Jahresende ist eine Prüfung sinnvoll, ob die höchstmögliche Förderung gezahlt wird. Die Top-Förderung gibt es, falls der Sparer mindestens vier Prozent des Bruttoeinkommens (inklusive Riester-Zulage) aus dem Vorjahr investiert. Nach einer Gehaltserhöhung wird oft ein Teil der Riester-Förderung verschenkt, weil der Eigenbetrag nicht ebenfalls erhöht wurde. Den Riester-Anbieter sollte man bitten, den Eigenbetrag neu zu berechnen, damit die Zulage gesichert ist. lps/Cb

Modernisierung und Instandhaltung: Viele Gründe sprechen dafür

Neue Ziegel für die Dachsanierung? Zahlreiche Aufwendungen können abgerechnet werden.           Foto: Busche
Neue Ziegel für die Dachsanierung? Zahlreiche Aufwendungen können abgerechnet werden.           Foto: Busche

Wer in Immobilien investiert hat und diese vermietet, hat steuerlich mehr Möglichkeiten als Selbstnutzer. Zahlreiche Aufwendungen im Zusammenhang mit einer vermieteten Wohnung oder einem vermieteten Mehrfamilienhaus können abgerechnet werden. Oft lohnt sich hier ein Spiel mit der Steuerprogression.

Hat der Vermieter oder die Vermieterin im laufenden Jahr ein vergleichsweise hohes Einkommen mit einem hohen Steuersatz und im kommenden Jahr deutlich niedrigere Einkünfte, ist die Besteuerung im Folgejahr geringer. Das ergibt sich oft kurz vor Rentenbeginn. Länger geplante Modernisierungen oder Instandsetzungen sollten in dem Fall in das hoch besteuerte Jahr vorgezogen werden, um eine möglichst hohe Steuerersparnis zu erreichen. Mieter können über die haushaltsnahen Dienstleistungen Steuern sparen. In Frage kommen Treppenreinigung, Gartenarbeiten und Winterdienst. lps/Cb

Werbungskosten: Freibeträge prüfen – ein Antrag kann sich rentieren

Die Steuerverwaltung berücksichtigt automatisch einen Grundbetrag an Werbungskosten. Das sind 1000 Euro pro Kalenderjahr, monatlich rund 83 Euro. Durch diesen Freibetrag werden vor allem die Kosten für die Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz mit der Entfernungspauschale von 30 Eurocent je Kilometer für die einfache Strecke abgedeckt.

Der Antrag auf Eintragung eines Freibetrags lohnt nur, falls neben den Fahrtkosten weitere Werbungskosten entstanden sind oder der tägliche Weg zur Arbeit über 15 Kilometer pro Tag liegt. Nur dann werden die 1000 Euro sicher überschritten. Zur Auswahl stehen der Aufwand für doppelte Haushaltsführung, die Kosten eines beruflich bedingten Umzugs sowie Bewerbungskosten, Fortund Weiterbildungskosten. Weiterhin genehmigt die Finanzverwaltung im Kalenderjahr 1908 Euro Freibetrag für Alleinerziehende, ab dem zweiten Kind aufgestockt um jeweils 240 Euro.

Voraussetzung ist das Zusammenleben mit mindestens einem Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht. Es darf keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bestehen. Ab 2020 wird dieser Steuerfreibetrag stark angehoben. Der Grundfreibetrag wird im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens durch die Steuerklasse II berücksichtigt.

Ob sich ein Antrag auf einen Freibetrag wirklich lohnt, ist auszurechnen. Auch abhängig Beschäftigte können durch geschicktes Zahlungsverhalten ihre Steuervorteile vergrößern, indem sie Ausgaben in das laufende Kalenderjahr vorziehen oder aber in das Jahr 2021 verschieben. lps/Cb

Lohnt es sich, im Ausland Geld anzulegen?

In europäischen Staaten werden Zinserlöse meist besteuert

Unter Palmen investieren? Ein Steuerberater kann prüfen, ob diese Option sinnvoll ist.        Foto: Bahamas Tourist Office
Unter Palmen investieren? Ein Steuerberater kann prüfen, ob diese Option sinnvoll ist.        Foto: Bahamas Tourist Office

Im Ausland angelegtes Kapital ist grundsätzlich weder illegal noch „Schwarzgeld“. Es ist auch nicht verboten, im Ausland Gewinne aus Kapitalanlagen zu erwirtschaften. „Schwarzgeld“ ist illegal erworbenes oder an der Steuer vorbeimanövriertes Kapital, das im Ausland geparkt oder dort investiert wird.

Kapitalerträge im Ausland sind in der Anlage KAP zur Steuererklärung anzugeben. Eine Vermögenssteuer wird derzeit nicht erhoben. Deshalb sind nur Erträge aus Kapitalanlagen im Ausland erklärungspflichtig. Es ist fraglich, ob sich Kapitalanlagen im Ausland überhaupt lohnen. Während der aktuellen Niedrigzinsphase sind die Verzinsungen auch im Ausland kaum der Rede wert. In europäischen Staaten werden Zinserträge fast überall besteuert, oft sogar höher als mit den 25 Prozent Abschlagsteuer hierzulande. In Ländern außerhalb der Euro-Zone kommt noch ein Währungsrisiko hinzu, was bei der globalen Krise zu erheblichen Verlusten führen kann. EU-Länder ohne Quellensteuer melden Zinsen an den Wohnsitzstaat.

Offshore-Standorte wie die Kanalinseln oder die Insel Man führen Steuern anonym ab. Wenn Quellensteuern im Ausland abgezogen wurden, können diese unter bestimmten Voraussetzungen in voller Höhe auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet werden. Als Nachweis verlangt das Finanzamt Bescheinigungen im Original. Zu den ausländischen Erträgen zählen auch Erträge aus ausländischen thesaurierenden Investmentfonds in inländischen Depots und Erträge aus von inländischen Banken vermittelten Anlagen im Ausland. lps/Cb
    

Au-pair-Kosten absetzen?

Wer eine Hilfe im Haushalt beschäftigt, kann die Ausgaben verbuchen.
Wer eine Hilfe im Haushalt beschäftigt, kann die Ausgaben verbuchen.

Wer eine/n Au-pair in den Haushalt aufgenommen hat, kann die Aufwendungen als haushaltsnahe Dienstleistungen verbuchen. Das Finanzamt erkennt vermutlich nur die Taschengeldzahlungen an, denn absetzungsfähige Beträge müssen mittels Kontobelegen nachgewiesen werden. Steuerlich ist es vorteilhafter, Au-pair-Leistungen komplett für die Kinderbetreuung einzusetzen und die Ausgaben als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend zu machen. In diesem Falle wird die Finanzverwaltung eine Kopie des Au-pair-Vertrages als Nachweis anerkennen. Aufwendungen sind zu zwei Dritteln bis zu einer Höhe von 4000 Euro je Kind anzusetzen. Diese Summe wird nicht von der Steuerschuld abgezogen, sondern vom zu versteuernden Einkommen. Auch außergewöhnliche Belastungen, etwa Pflegekosten ab einer gewissen Höhe, reduzieren übrigens das zu versteuernde Einkommen. lps/Cb