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Home Sonderthemen Hannover Region Ost Ab Montag, 8. Juni, können alle Besucher im Freibad Hänigsen wieder baden gehen – Freude ist groß
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16:07 01.06.2020
Jonte und Hardi Voges tummeln sich am Eröffnungstag im Nichtschwimmerbecken des Hänigser Freibads.
Ein starkes Team: Janina Wylezol (von links), Inhaberin Iris Cotta und Sandra Burzinski freuen sich über die Wiederaufnahme ihrer Arbeit im Salon. Hinweis: Dieses Foto entstand vor Beginn der Corona-Pandemie.

Die Freibad-Saison in Hänigsen im Corona-Jahr hat begonnen: Seit dem 25. Mai können Mitglieder der Freibad-Genossenschaft ins aktuell gut 20 Grad warme Wasser springen, ab dem 8. Juni ist der Badebetrieb auch für die Öffentlichkeit freigegeben. Auch wenn der Auftakt ohne das traditionelle Freibad-Frühstück des Fördervereins über die Bühne gehen muss: Ein Besuch im Hänigser Freibad ist dank des ausgefeilten Sicherheitskonzeptes problemlos und angstfrei möglich. Eine laufend aktualisierte Grafik auf der Internetseite zeigt an, ob es noch genug Platzkapazitäten gibt, so dass sich der Weg lohnt.

Bestens vorbereitet

Sicherheit geht vor: Unter dieser Prämisse hat sich das Krisenteam des Hänigser Freibades bereits in den Anfängen der Corona-Krise ausgiebig Gedanken darüber gemacht, wie ein Badebetrieb möglich wäre. „Wir waren von Anfang an in ständigem Austausch mit der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) “, sagt der Vorstandvorsitzende der Freibad-Genossenschaft, Rainer Lindenberg. Die DGfdB ist das Expertengremium schlechthin, wenn es um Bäderangelegenheiten geht, die Politik folgt mit ihren Vorgaben zur Öffnung der Freibäder weitestgehend der neuesten Variante Ihres Pandemieplans für Bäder von Ende April.

Wie ist die Hygiene gewährleistet? Wie können Abstände eingehalten werden? Wie lässt sich die Anzahl der Besucher im Bad kontrollieren und so kommunizieren, dass sich möglichst keiner vergebens auf den Weg macht? Alle diese Fragen waren in Hänigsen bereits frühzeitig geklärt. „Wir hatten so geplant, dass wir zum 1. Mai hätten öffnen können“, sagt Lindenberg. Nun ist daraus der 25. Mai – der erste von der Politik vorgesehene Tag für Bäderöffnungen – geworden.

Probelauf, um zu testen

Warum gibt es eine gestaffelte Öffnung, sprich, die Öffentlichkeit ist erst ab dem 8. Juni zugelassen? „Wir haben zwar ein ganz detailliertes Sicherheitskonzept, also einen individuell auf unser Bad zugeschnittenen Pandemieplan, erstellt. Aber das ist im Vorfeld eben erst mal reine Theorie. Deshalb fahren wir einen zweiwöchigen Testbetrieb unter Realbedingungen“, erklärt Lindenberg. In dieser Zeit sei es möglich, Erfahrungen zu sammeln und diese dann bis zum 8. Juni umzusetzen. Bereits in der Testphase ist das Bad aber sowohl zu den Zeiten für die Frühschwimmer als auch nachmittags geöffnet. Allerdings eben erstmal nur für die mittlerweile rund 1700 Genossenschaftsmitglieder, von denen viele das zwischenzeitlich bis zu 22 Grad warme Wasser bereits genossen haben. Dass dennoch nicht alle auf einmal ins Bad strömen, ist eher gut so. Denn es gibt – und das ist den gesetzlichen Vorgaben geschuldet – eine maximale Höchstzahl von zugelassenen Besuchern. Diese errechnet sich nach der Fläche und soll sicherstellen, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können.

„Bei 8500 Quadratmetern Fläche kalkulieren wir mit maximal 600 Besuchern. Sollte sich herausstellen, dass das doch Schwierigkeiten gebe, werde man nach unten anpassen: „Safety first.“ Der bisherige Probebetrieb läuft vielversprechend, vor allem was das umsichtige Verhalten der Besucher angeht. Wenn sich das auch im öffentlichen Betrieb fortsetzt, wird sicher auch die ein oder andere Lockerung möglich sein“, sagt Lindenberg.

Sprungturm gesperrt

Dazu gehört nicht nur das gründliche Reinigen und Desinfizieren von Flächen in den Sanitär-bereichen, sondern etwa auch das der Handläufe, das Bereitstellen von Desinfektionsspendern sowie Kontrollen zur Einhaltung der Abstandregeln. Diese gelten überall, also auch im Wasser. „Es werden immer einige von unseren Ehrenamtlichen unterwegs sein, um das zu überprüfen“, sagt der Vorstandssprecher und appelliert an die Besucher: „Es ist wichtig, dass sich alle daran halten. Jeder Besucher trägt selbst eine große Verantwortung. Denn letztlich hängt daran auch die Zukunft des Bades.“

Der Sprungturm bleibt von 1,5 Meter bis 10 Metern gesperrt. Das hat einerseits hygienische Gründe, so müssten die Treppen ständig desinfiziert werden, soll aber auch der Bildung von Menschentrauben entgegenwirken. „Gerade die höheren Plattformen sind ein beliebter Treffpunkt“, weiß Lindenberg. Auch im Schwimmer- und im Nichtschwimmerbecken ist die Anzahl der Nutzer eingeschränkt. Dabei wird man sich nicht nur an den Maximalvorgaben orientieren, sondern diese bei zu erkennenden Risiken selbst nach unten anpassen.

Am Planschbecken werden die Sprühdüsen wegen der Vernebelung ausgestellt bleiben müssen. Ganz wichtig: Besucher brauchen sich keine Gedanken darüber machen, ob der Virus in Hänigsen vielleicht durch das Beckenwasser übertragen wird. Das schließen, so Lindenberg, die Experten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen aus: „Alle vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Virus durch das Chlor im Wasser sicher abgetötet wird“, so die DGfdB. Und um die Wasserqualität und insbesondere die Keimtötungsgeschwindigkeit regelmäßig im Blick zu haben, hat der ehrenamtliche Systemprogrammierer des Freibades im Rahmen der Modernisierung alle wichtigen Steuerungselemente auf das Display der Betriebsleiterin übertragen. Das erspart ablenkende Wege in die Technikräume.

Bei Grün ist noch Platz im Freibad

Wenn die Ampel grün ist, darf man (los)fahren: Das gilt in diesem Jahr auch für den Freibadbesuch in Hänigsen. Auf dessen Internetseite wird nämlich in Form einer Grafik angezeigt, wie hoch aktuell die Auslastung ist. Da dieses System mit der Kasse verbunden ist, handelt es sich stets um den aktuellen Füllgrad, der übrigens auch von mobilen Endgeräten aus abgerufen werden kann. Ein kurzer Blick zeigt, ob das Badevergnügen starten kann oder man sich den Weg zur Sekunde besser spart. Damit beugt das Freibad-Team nicht nur der Enttäuschung insbesondere kleiner Besucher vor; es bilden sich so auch weniger Schlangen vor dem Freibad, die wiederum das Infektionsrisiko steigen ließen. Noch einige Worte zum Zählsystem per Handy-App, das das ITTeam des Freibades bereits im vergangenen Jahr entwickelt hat, als von Corona noch keine Rede war: Gezählt werden alle kommenden und gehenden Besucher, und zwar völlig kontaktlos. Bei den Saisonkarten erfolgt die Zählung per Auslesen eines auf der Karte abgedruckten QR-Codes. Übrigens völlig Datenschutz-konform, wie Lindenberg beteuert: „Wir erfassen pseudonymisiert. Es gibt keinen Abgleich mit den hinterlegten Mitglieder-Daten.“ Normale Tagesbesucher werden händisch ein- und ausgebucht.

Das Bad von allen für alle: Das ist nicht nur Slogan, diesen Titel trägt das Hänigser Freibad zurecht. Denn als klar war, dass Freibäder in diesem Jahr wegen des Coronavirus nur unter strengen Auflagen öffnen können, stand außer Frage, dass die Genossen alles tun, um dies möglich zu machen. Ein Beispiel dafür: Die Sammel- Umkleiden des Freibads dürfen bis auf Weiteres nicht genutzt werden – schließlich gilt es, die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände einzuhalten und dafür Sorge zu tragen, dass alles getan wird, um Infektionen zu vermeiden. Die ebenso einfache wie geniale Lösung: Verteilt über das Gelände des Freibades sind im Außenbereich Umkleidekabinen aufgestellt worden, die jeweils nur von einer Person genutzt werden können. Sie besitzen keine Türen, sondern sind so konstruiert, dass quasi ein kontaktloses Hinein- und wieder Herausschlüpfen möglich ist.

„Und weil die Wände nicht bis ganz auf den Boden gehen, sieht man von außen gut, ob sie gerade besetzt sind oder nicht“, sagt Lindenberg. Gebaut haben sie – wie soll es auch anders sein – handwerklich begabte Genossenschaftsmitglieder. Das sparte finanzielle Mittel, die das Hänigser Freibad in dieser Saison sicher gut brauchen kann. Das stellte sicher, dass die Umkleiden auch wirklich pünktlich zu Saisonbeginn da waren. Und zeigt einmal mehr, wie sehr die Hänigser ihr Bad lieben und unterstützen.

Das Freibad am Fließgraben begeistert nicht nur mit seinen fantastischen und gepflegten Außenanlagen und tollen Ehrenamtlichen- gerade die zahlreichen Veranstaltungen wie Freibadfrühstück, Freiluft-Kino, Sundown Open-Air und das legendäre Schweinetrog-Rennen haben in den vergangenen Jahren unzählige Fans gefunden und zu Scharen in das Bad gelockt. Das fällt 2020 in dieser Form in der Tat buchstäblich ins Wasser.

„Hunderte Menschen, die dichtgedrängt am Beckenrand stehen: Das wäre unverantwortlich“, sagt Lindenberg: „In erster Linie geht es um die Sicherheit und Gesundheit aller.“ Entsprechend sind die vor Corona geplanten Veranstaltungen ausgesetzt. „Wir haben die Tage aber geblockt und arbeiten gerade an Konzepten für Veranstaltungen, die Corona gerecht durchführbar sind“, verrät Lindenberg. Aus seiner Sicht wäre eine Kinovorstellung mit genügend Abstand oder ein Freibadgottesdienst zumindest aus Sicht des Bades durchaus denkbar. Freunde des Freibades in Hänigsen dürfen also gespannt sein.

■ Alle Neuigkeiten gibt es stets aktuell im Internet auf der Website www.dasfreibad.de!

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