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08:23 29.03.2021
Häuser in Fachwerkbauweise sind Hingucker. Foto: Erika Hartmann/pixelio.de

Über Jahrhunderte hinweg gab es gerade in Norddeutschland beim Hausbau eigentlich nur eine Option – das Fachwerkhaus. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden die meisten Häuser in dieser Holzskelettbauweise errichtet. Erst in den letzten 150 Jahren lief die Ziegelbauweise dieser Tradition den Rang ab. Doch in den letzten Jahren haben Fachwerkhäuser eine ungeahnte Renaissance erfahren.

Historisches Flair

In den meisten Fällen geht es dabei um den Kauf und die Sanierung historischer Gebäude. Gerade alte Fachwerkhäuser verströmen mit ihren offen liegenden Balken und den nicht selten schiefen Wänden ein Flair von Geschichte, die auf viele Menschen anziehend wirkt. Aber inzwischen kommt es auch gar nicht mehr so selten vor, dass sich Bauwillige für den Neubau eines Fachwerkhauses entscheiden. Grund genug also, einmal einen Blick auf die Vor- und Nachteile einer solchen althergebrachten Bauweise zu werfen.

Massive Eiche

Der Fachwerkbau ist eine typische Skelettbauweise, bei der die Holzständer das tragende Element bilden. Die waagerechten Balken verteilen die Lasten, und die schrägen Balken leiten die Last ins Fundament ab. In der Regel werden sie auch heute noch aus massiver Eiche gefertigt. Die Zwischenräume zwischen den Balken wurden früher häufig mit Stroh und Lehm ausgefüllt. Später ist man in Norddeutschland häufig dazu übergegangen, die Gefache auszumauern. Auch bei heutigen Neubauten ist das der Standard.

Grundsätzlich sind alle Hausformen auch im Fachwerkbau vorstellbar. Ein Bungalow ist ebenso möglich wie ein Reihenhaus oder ein Landhaus. Selbst ein Mehrfamilienhaus kann damit realisiert werden. Aus Kostengründen kommt so etwas aber in der Regel nicht mehr vor.

Regulierende Wirkung

Die ebenfalls immer strenger werdenden gesetzlichen Energieeinsparvorgaben können ebenfalls eingehalten werden. Niedrigenergiehäuser sind im Fachwerkbau kein Problem. Selbst Plusenergiehäuser sind möglich. Alle modernen Heizungsmöglichkeiten – von der Pelletsheizung über Wärmepumpen und Fußbodenheizung bis hin zur Belüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung – lassen sich problemlos integrieren. Hier hat der Neubau eines Fachwerkhauses große Vorteile gegenüber der Sanierung eines Fachwerkaltbaus, denn bei historischen Objekten ist eine Isolierung nur mit größerem Aufwand möglich. Allerdings greifen hier staatliche Hilfsprogramme.

Ein weiterer Vorteil ist das gute Raumklima in einem Fachwerkhaus. Das Naturmaterial Holz kann die Feuchtigkeit im Innern des Gebäudes besonders gut regulieren. Damit ist das Innere weniger anfällig für Schimmelbefall. Bei einem neuen Haus hat man auch den Vorteil, die Wohnräume nach heutigen Standards planen zu können. Bei der Sanierung historischer Bauten muss man sich dagegen mit den Gegebenheiten abfinden, was oft enge Treppen und niedrige Deckenhöhen mit sich bringen kann.

Ein Neubau eines Fachwerkhauses ist immer eine Investition in die Zukunft. Sie sind eine Fortsetzung eines althergebrachten Baustils, dessen Stil – im Gegensatz zu anderen Bauweisen – nicht einer Mode unterliegt. Diese Zeitlosigkeit führt dazu, dass sie in 100 Jahren noch ebenso begehrt sein werden wie heute. Ein Wertverfall ist also nicht zu erwarten.

Hochwertiges Material

Diese Wertigkeit hat allerdings auch seinen Preis, was uns zu den Kosten eines Fachwerkneubaus bringt. Häuser in Fachwerkbauweise sind nicht billig. In der Regel müssen Bauwillige, verglichen mit üblichen Massivhäusern, mit rund 20 Prozent höheren Baukosten rechnen. Zum einen liegt das daran, dass eine grundsätzlich mögliche Vorfertigung in der Fabrik wie bei Fertighäusern nur selten vorkommt und eher individuell gebaut wird. Zum anderen ist das hochwertige Material wie das Eichenholz kostenintensiv. Hier könnte man auch mit günstigerem Holz wie Lärche oder Douglasie bauen, was aber selten geschieht. So stattlich der Preis auch ist – bei einem späteren Weiterverkauf lassen sich dadurch aber auch gute Preise erzielen.

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