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09:48 14.06.2021
ABSATZSTEIGERUNG: Alle Hersteller wollen den Anteil rein elektrischer Autos deutlich erhöhen. Foto: ZUMA Wire 

Noch vor fünf Jahren war Deutschland in Sachen E-Autos eine Brache. Heute übertreffen sich die Hersteller mit E-Auto-Projekten. In Deutschland können umweltbewusste Autofahrer aus rund 40 Modellreihen mit ebenso vielen Versionen reiner Elektroautos wählen. Staatliche Kaufprämien reizen zum Kauf. Wie lange noch?

Es war im Juli 2006, als der gerade einmal drei Jahre junge US-Autohersteller Tesla einen vollelektrisch angetriebenen Sportwagen präsentierte – zu einem Preis von mehr als 100 000 Dollar. Das Auto kam gut an, zahlreiche Promis bestellten den Roadster, der lediglich eine dreijährige Entwicklungszeit hatte. In Sachen Tempo horchte die Autobranche damals auch darüber hinaus auf: Der Tesla beschleunigte auf 100 km/h in knapp vier Sekunden.

Audi Zentrum Hannover

Für Tesla und dessen Gründer Elon Musk begann damals eine Erfolgsgeschichte, die eine gesamte Branche nachhaltig veränderte. Aus einem hippen E-Sportwagen als Nischenthema entwickelte sich ein richtiger Katalysator für die Automobilbranche – das Thema E-Mobilität, die Diskussionen um batteriebetriebene Fahrzeuge und deren Entwicklung nahmen immer mehr Fahrt auf.

40 Modellreihen reine E-Autos

Dennoch brauchte es viel Zeit, bis die großen und etablierten Autokonzerne mit alltagstauglichen E-Auto-Konzepten in die Gänge kamen. 2018, zwölf Jahre nach der Präsentation des ersten Tesla-Roadster, gab es in Deutschland vom Klein- bis zum Sportwagen nicht einmal 20 vollelektrische Automodelle.

Heute, drei weitere Jahre später, können Deutschlands Autofahrer aus rund 40 Modellreihen mit ebenso vielen Versionen reiner Elektroautos wählen. In Summe sind es nach Angaben des ADAC rund 80 Modelle, denn die Autos werden zum Teil in unterschiedlichen Karosserieformen, mit verschiedenen Batteriegrößen und entsprechend anderen Leistungen und Reichweiten angeboten.

Wettrennen um die Vorreiterrolle

Vor allem die europäischen Autohersteller haben in den vergangenen zwei Jahren mächtig Gas gegeben und übertreffen sich geradezu mit E-Auto-Projekten. Der bisherige Rückstand auf den Branchenpionier Tesla ist stark geschmolzen. Lag das Model 3 von Tesla 2019 auf Platz eins der meistverkauften E-Autos in Europa, so zog mittlerweile Renault mit seinem günstigen Kleinwagen Zoe an Tesla vorbei, während VW mit seinem E-Modell ID.3 bereits den dritten Platz belegte.

Gerade VW könnte nach Ansicht vieler Experten Tesla beim Absatz in ein paar Jahren überholen. Doch nicht nur der Konzern mit seinen Marken Volkswagen, Seat, Audi und Škoda fährt auf der Überholspur mit seinen E-Modellen. Auch die heimische Konkurrenz aus Stuttgart und München präsentierte in den vergangenen zwölf Monaten eine Vielzahl neuer Modelle. BMW beispielsweise will ab 2023 rund ein Dutzend vollelektrischer Modelle auf der Straße haben, aktuell sind es drei - zwei weitere folgen noch in diesem Jahr. Bis 2025 will BMW den Absatz vollelektrischer Modelle jährlich im Schnitt um deutlich mehr als 50 Prozent steigern, während Volkswagen den Anteil rein elektrischer VW-Autos am Gesamtabsatz bis 2030 auf 70 Prozent steigern will. Bislang war eine Quote von 35 Prozent vorgesehen.

Nicht weniger spannend sind die Pläne des Daimler-Konzerns. Nach aktuellem Stand peilt Daimler in seiner Pkw-Sparte bis 2030 einen Absatzanteil elektrifizierter Autos von „mehr als 50 Prozent“ an – das gilt für rein elektrische Autos wie für Hybride. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2021 betrug der Anteil von E-Autos am Gesamtabsatz erst 10 Prozent.

Die E-Mobilität wird in den kommenden Jahren weiter an Fahrt gewinnen. Das liegt nicht nur daran, dass das Thema seitens der Verbraucher immer wichtiger wird, sondern hat auch etwas mit dem sogenannten CO2-Flottenwert der Autokonzerne zu tun. Die neue Euro-7-Abgasnorm der EU-Kommission zwingt sie, die aktuellen Verbrennermodelle (noch) sauberer zu machen. Die Unternehmen müssen schlicht ihren CO2-Flottenwert erfüllen, der modellübergreifend gerechnet wird. Wird der vereinbarte Wert übertroffen, werden Strafzahlungen an die EU fällig. Dieser Prozess kostet viel Geld und fördert zum anderen aber auch den Wandel zu E-Mobilität.

Inwieweit Elektrofahrzeuge in den kommenden Jahren dauerhaft auf der Überholspur fahren werden, hängt auch maßgeblich von der Politik ab. Im Augenblick herrscht ein wahrer Zulassungsboom bei Stromern, denn die Verkäufe von Elektro- wie auch Hybridfahrzeugen werden dank der staatlichen Kaufprämien stark angetrieben.

Ebenso dürfte der nachhaltige Erfolg von E-Autos maßgeblich mit der weiteren Entwicklung der Ladenetzinfrastruktur verbunden sein. Wer bisher einfach an die Tankstelle gefahren ist, um in ein paar Minuten das Auto zu betanken, will dies auch künftig tun – nur eben mit Strom, und das ohne Zeitverlust. CHRISTOPH SCHERBAUM

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