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Home Sonderthemen Hannover Region Nord-West Die Weihnachtshelfer sind bereit
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11:55 03.01.2019
Die Vorbereitungen sind abgeschlossen: Der Elfjährige wird in diesem Jahr als Väterchen Frost Geschenke verteilen. CAROLA FABER

Wenn es auf Weihnachten zugeht, wird es in einem Haushalt in Neustadt am Rübenberge besonders geschäftig. Dann nämlich treffen zwei besondere Weihnachtshelfer letzte Vorkehrungen für ihre Tour, die sie alljährlich durch die Straßen der Stadt führt. Seit sechs Jahren schon sieht man die beiden mit ihrem Wägelchen. Stets verkleidet, stets zu zweit. Mal tauchen sie als bunte Elfe und Wichtel auf, mal als Märchenfigur. Der kleinere von beiden legt dabei in jedem Jahr an Größe zu. Und in jedem Jahr verbreiten die Weihnachtshelfer mit ihren kleinen Geschenken große Freude.


Wer genau dahintersteckt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. So wollen es die beiden. Um den Zauber ihres alljährlichen Auftritts nicht zu zerstören. Einen Besuch in ihrem Heim gestatten sie dennoch. Dort berichten sie, wie alles begann, und lüften ein klein wenig schon das Geheimnis, in welcher Gestalt ihnen die Neustädter in diesem Jahr begegnen. Die an Heiligabend in die Kostüme von Schneekönigin und Väterchen Frost schlüpfen, sind nun noch Mutter und Sohn.


Der Elfjährige berichtet, was ihn vor sechs Jahren auf die Idee brachte, ein Weihnachtshelfer zu werden. „Ich fand es ungerecht, dass an Weihnachten meist nur Kinder beschenkt werden“, sagt er. „Und ich machte mir Sorgen: Was, wenn meine Lieblingsverkäuferin wegzieht oder ihr etwas Schlimmes passiert, ohne dass sie weiß, wie gern ich sie habe? Man weiß doch nie, wann man Menschen, die man lieb hat, noch sagen kann, dass man an sie denkt.“ Niemand sollte Weihnachten alleine und ohne den Weihnachtszauber sein, so wollte es der Kleine.

Er bastelte, verpackte Kleinigkeiten in hübsches Papier und überzeugte seine Mutter, an Heiligabend mit ihm eine Runde durch die Innenstadt zu ziehen – um Menschen zu beschenken und zu überraschen. Ganz uneigennützig, für ein Dankeschön oder ein Lächeln. Im Gepäck befanden sich etwa ein Dutzend Geschenke für Erwachsene. Zu den Empfängern gehörten unter anderem der Lieblingsbäcker, die Verkäuferin im Blumenladen, im Spielzeuggeschäft und ein paar Verwandte.

Inzwischen liegen etwa 340 Geschenke im Wagen, wenn die beiden losziehen. In einem Jutesack befinden sich kleine Aufmerksamkeiten wie ein Stern, eine Weihnachtskugel oder Kekse – allesamt liebevoll dekoriert. „Wir beginnen mit den Vorbereitungen spätestens im September. Zwei Wochen vor Weihnachten sollte alles bereit sein“, erzählt die Mutter. In diesem Jahre startete das Duo sogar schon im Juni, denn der alte Schlitten war für die große Menge an Geschenken zu klein geworden. Aus einem Kinderwagenunterteil konstruierten die beiden ein glitzerndes Gefährt, passend zum aktuellen Thema Schneekönigin und Väterchen Frost. Letzte Handgriffe werden dann kurz vorm Fest erledigt. „Dann probieren wir die selbst kreierten Kostüme erst einmal aus. Wir testen, ob alles sitzt und hält. Meistens drehen wir eine Runde durch den Supermarkt“, ergänzt die Hobbyschneiderin.

An Heiligabend ziehen sie gegen 9 Uhr zu Fuß los. Mutter und Sohn, dann prinzessinnenhaft und als Männlein mit grauem Bart verkleidet, benötigen selbst erst einmal einen Augenblick, um sich an ihre Kostümierung zu gewöhnen. Beim Bäcker um die Ecke gibt es die erste Pause, einen Kakao und Plätzchen. Dann erst beginnt die Tour richtig. Wer – außer den Lieblingsläden – von den Helfern beschenkt wird, ist immer eine spontane Entscheidung. „Manchmal ist es richtig komisch. Die Menschen denken, ich will ihnen etwas verkaufen oder andrehen“, bedauert der Junge und ergänzt mit einem Lächeln: „Es ist witzig. Manchmal laufen die Erwachsenen vor mir weg, sind erst muffelig und dann richtig gut gelaunt.“

In der Stadt hat sich das Erscheinen der Weihnachtshelfer herumgesprochen. „Ich finde es ganz toll, dass es hier Menschen gibt, die uneigennützig anderen eine Freude bereiten“, sagt Jana Schadwinkel vom Stadtmarketing über das Engagement der beiden Neustädter. Ist der Sack der Weihnachtshelfer gegen 14.30 Uhr geleert, kehren sie zurück, streifen ihre Kostüme ab und verbringen den Rest des Tages bei der Familie. „Bei meiner Familie ziehen wir uns um und feiern ganz traditionell. Wir schenken uns Zeit miteinander, das ist für uns das Wichtigste“, sagt die Neustädterin. Sie und ihr Sohn fiebern nun Heiligabend entgegen. Carola Faber

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