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Home Sonderthemen Hannover Region Süd „Die Praxis muss zeigen, wie erfolgreich die Reform ist“
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09:49 31.01.2020
Pflegedienstleiterin Monika Jansen.  Foto: Privat

Seit Januar ist die neue generalistische Pflegeausbildung am Start. Das bedeutet auch eine Umstellung für alle Verantwortlichen in der Pflege. Monika Jansen leitet den gleichnamigen ambulanten Pflegedienst in Wennigsen-Bredenbeck. Mit der Fachfrau sprach diese Zeitung über das neue Gesetz sowie deren Auswirkungen auf die Branche.

Frau Jansen, mit dem Start in dieses Jahr tritt auch das Pflegeberufereformgesetz in Kraft. Ist die Reform vermeintlich so kompliziert wie sich das Wort ausspricht?

Monika Jansen: Jein! Die Reform ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Die sogenannten generalistische Pflegeausbildung muss sich allerdings erst noch beweisen. Was die Reform bringt, das können wir ohne Erfahrung in der praktischen Handhabung nicht sagen. Die Auszubildenden profitieren davon, doch schon jetzt ist auch klar, dass sie eine zusätzliche Belastung für die Unternehmen mit sich bringt, da die Bürokratie anfangs erneut zunimmt.

Erklären Sie kurz, worum es sich bei der Reform handelt und wie sie angewandt wird.

Monika Jansen: Seit dem 1.1.2020 wird die bisherige Pflegeausbildung Kranken-Kinderkranken und Altenpflege zusammengefasst. Die generalistische Pflegeausbildung soll die Ausbildung in allen Pflegeberufen gleichstellen und aufwerten. Ein Auszubildender muss sich nicht mehr am Anfang seiner Ausbildung entscheiden, ob er in die Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege geht. Dank der Reform werden die Auszubildenden zur Pflege von Menschen in allen Ver- sorgungsbereichen befähigt. Die Auszubildenden sind zwar nach wie vor bei einem Unternehmen angestellt, durchlaufen aber komplett auch alle anderen Berufszweige der Pflege. So bekommen die Auszubildenden einen sehr guten Rund-um-Einblick in alle Bereiche der Pflege und verfügen nach ihrer Ausbildung über ein solides Grundwissen, auf dem sie den weiteren Weg ihres Berufes aufbauen können.

Erst am Ende des 2. Ausbildungsjahres entscheiden sich die Auszubildenden, welche Fachrichtung sie einschlagen möchten. Entsprechend fachbezogen verläuft dann der Rest der Ausbildung.

Wie funktioniert das in der Praxis – wer zahlt was?

Monika Jansen: Unternehmen, die ausbilden wollen, treten einem Ausbildungsverbund ein. Der Verbund ist ein freiwilliger Zusammenschluss und wird von einer Praxisstelle, in unserem Fall von der Berufsbildenden Schule in Springe, betreut und gesteuert. Unter dem Dach der Schule sind alle Auszubildenden gelistet.

Die Kosten der Ausbildung werden von allen Einrichtungen getragen. Alle Pflegeeinrichtungen zahlen in einen sogenannten Ausbildungstopf ein, das heißt, die Ausbildungsbetriebe erhalten durch ein Umlageverfahren die Kosten für die Ausbildung des Azubis refinanziert. So wird der Anreiz auszubilden zusätzlich gestärkt. Es ist also quasi eine Win-Win-Situation. Und dadurch, dass dann auch Auszubildende aus anderen Unternehmen, zum Beispiel aus dem Krankenhaus, bei mir einen Teil ihrer Ausbildung absolvieren, bekommen die Azubis einen Einblick in andere Einrichtungen und haben es dann leichter, den richtigen Platz in der Pflege für sich zu finden.

Das bedeutet doch aber auch, dass Sie möglicherweise Auszubildende beschäftigen, die danach in ein anderes Unternehmen wechseln?

Monika Jansen: Ja, das war bislang aber auch so. Wenn ein Mitarbeiter festgestellt hat, dass die ambulante Altenpflege bei mir nichts für ihn ist, dann hat er nach der Ausbildung gewechselt, hatte dann aber keinen Einblick in seinen neuen Arbeitsbereich. Jetzt ist es so, dass er nach wie vor bei mir angestellt ist, seine Ausbildung ihm aber alle Möglichkeiten zeigt, die der schöne Beruf mit sich bringt, und er muss sich erst sehr später entscheiden, welche spezielle Berufssparte er wählt. So ist sichergestellt, dass der Betreffende ein Spezialist wird. Zudem wird der Abschluss europaweit anerkannt.

Nimmt der Konkurrenzkampf unter den Pflegediensten dadurch zu?

Monika Jansen: Das glaube ich nicht. Ganz im Gegenteil. Durch den Ausbildungsverbund rücken die Unternehmen enger zusammen und kommunizieren mehr und besser miteinander.

Eingangs unseres Gespräches kritisierten Sie die zunehmende Bürokratie, wie ist das zu verstehen?

Monika Jansen: Die Praxiszeiten in den Ausbildungsbetrieben werden sich drastisch reduzieren, die Zusammenarbeit mit den theoretischen und praktischen Ausbildungsstätten wird deutlich zeitaufwendiger. Die Ausbildung muss wie bisher durch Nachweise und schriftliche Aufzeichnungen dokumentiert werden. Praxisanleiter begleiten die Schüler und werden selbst regelmäßig einmal jährlich geschult. Diese Aufgaben sind durch die neue Reform ausgeweitet worden und binden so wichtige Arbeitszeit, die uns Unternehmern später bei der praktischen Arbeit fehlen. Da hätte ich mir etwas mehr praxisnahe Reformen gewünscht.

An wen können sich Interessenten wenden, wenn sie in einem Pflegeberuf arbeiten wollen?

Monika Jansen: Grundsätzlich natürlich an alle Pflegeeinrichtungen, egal ob ambulante oder stationäre Einrichtungen. Aber auch an die Krankenhäuser. Ich habe mich mit meinem Betrieb für den Ausbildungsverbund des BBS Springe entschieden. Im Internet sind des Weiteren auf der Seite www.pflegeausbildung.net viele Informationen zu finden.

Zudem gibt es ein offizielles Servicetelefon mit der Rufnummer: 0221-26730, beziehungsweise die E-Mail-Adresse: referat306@bafza.bund.de

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Journalist Axel Emmert

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