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06:35 03.01.2019
Herzliche Grüße aus St. Stephen, Camie

Mein Zuhause habe ich auf Zeit getauscht. Nun wohne ich für einige Monate in St. Stephen in der Provinz New Brunswick in Kanada. Erst im Juni 2019 werde ich wieder in Hannover sein. Das ist eine recht lange Zeit, wenn man erst 16 Jahre alt ist. Freunde, Mutter und Familie zu Hause zurückzulassen war gar nicht so einfach. Der Abschied fiel uns allen am Flughafen in Hannover schwer.

Auf der anderen Seite habe ich mich auf meinen Austauschaufenthalt gut vorbereitet und mich sehr auf mein Abenteuer gefreut. Meine Gasteltern und deren niedlicher Hund Bess waren mir sofort sympathisch. In der Schule habe ich schnell Freunde gefunden, was mir als Mitspielerin im Softballteam der Schule leicht fiel. Viele, mit denen ich vor der Abreise sprach, sagten mir, dass die Weihnachtszeit in der Ferne vor allem eine Zeit des Heimwehs sei. Davor habe ich Respekt.


Ich habe meine Gastmutter, Carol gebeten, mir genau zu erzählen, wie hier Weihnachten gefeiert wird: Die erste Einstimmung auf Weihnachten beginnt bereits mit Thanksgiving. Bis zu den Weihnachtstagen fällt auch schon der erste Schnee. Wir hatten wegen des Schneefalls schon einige schulfreie Tage. Weiße Weihnachten gibt es hier nahezu jedes Jahr. So nach und nach wurde hier alles mit vielen Lichterketten und weihnachtlichen Dekorationen geschmückt. An vielen Türen hängen dekorierte Kränze, aber einen Adventskranz mit vier Kerzen kennt man hier nicht. Meine Mutter hat mir einen solchen per Post aus Deutschland zugeschickt, den ich meiner Gastfamilie zum Nikolaus geschenkt habe.

Weihnachten ist auch hier ein Fest der Familie. Bei uns wird es einen Truthahn am festlich gedeckten Tisch geben. Der bereits ausgezogene Sohn meiner Gastfamilie wird war schon an Thanksgiving bei uns. Der Besuch einer Kirche hat hier weniger Wichtigkeit als bei uns. Meine Gastmutter schätzt, dass nur etwa jeder Vierte den Heiligen Abend mit einem Gottesdienst beginnt. Nach dem Essen an Heiligenabend erhält jeder ein kleines Geschenk. Das soll neugierig auf die Geschenke machen, die Santa Claus am Weihnachtsmorgen bringen wird.

Mir persönlich war ein Adventskalender wichtig. Das hatte ich jedem gegenüber erwähnt. So erreichten mich per Post ein Geschichtenkalender in Form einer CD und ein Türchen-Schokoladenkalender. Mein Vater besorgte mir den immerwährenden Adventskalender mit ermutigenden Gedanken und Zitaten von Dietrich Bonhoeffer. Nun erhalte ich jeden Tag per Whatsapp das entsprechende Kalenderblatt als Foto.

Meiner Gastfamilie habe ich von den Weihnachtsmärkten in Deutschland berichtet. Da musste ich an Kartoffelpuffer mit Apfelmus denken. Meine Gasteltern waren sehr befremdet, Apfelmus zu Kartoffeln zu essen. Wir haben dann gemeinsam Apfelmus besorgt und Kartoffelpuffer nach einem Rezept aus dem Internet gemacht. Mein Gastvater hat zur Sicherheit eine Flasche Ketchup auf den Tisch gestellt, falls ihm das Apfelmus zu den Puffern gar nicht schmecken würde. Am Ende war er so begeistert von dem Essen, dass er Bilder auf seiner Facebookseite postete, die ihn beim Genießen zeigen.

Mir fehlt hier vor allem deutsches Brot. Diesen Wunsch hat mir meine Mutter erfüllt, so fand ich in meinem Weihnachtspaket aus der Heimat neben kleinen persönlichen Geschenken und Lebkuchen vor allem dunkles Vollkornbrot, Nussbrot, Sylter Brot, Fränkisches Vollkornbrot und anderes mehr. Ich habe mir sogleich ein Brot gestrichen. Das war ein Hochgenuss für mich. Ich glaube ich werde künftig Weihnachten mit dunklen Brotsorten verbinden.

Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass in der Heimat alle so liebevoll an mich denken. Hier ist für mich alles so aufregend und neu, dass ich bisher vom Heimweh verschont geblieben bin. Ob das nun an Weihnachten auch noch so sein wird? Wir werden uns auf jeden Fall gegenseitig per Videotelefonie ein gesegnetes und frohes Fest wünschen. Ich wünsche meiner Mutter und Jürgen, Karsten und Ulrike, Karin und Klaus, meinen Freunden, den Teamern, Ulrike und Peter S., Pastor Grimm und Pastor Hartlieb der Jakobigemeinde, meinen lieben Nachbarn in Kirchrode und allen, die mich kennen, ein besinnliches Weihnachtfest und ein glückliches neues Jahr. Camie Petermann


Torte statt Gänsebraten zum Fest

Fröhliche Weihnachten, Martin
Fröhliche Weihnachten, Martin

Ursprünglich komme ich aus dem Heideviertel in Hannover, doch seit Anfang September absolviere ich einen elfmonatigen Freiwilligendienst im Westen Kenias. Dort arbeite ich in einem Umweltprojekt, das sich mit Heilpflanzen und Umweltschutz beschäftigt. In Weihnachtsstimmung bin ich noch nicht, da die Adventszeit hier weder in der Kirche, noch in der allgemeinen Gesellschaft bekannt ist. Die 30 Grad Celsius, die hier täglich herrschen, helfen da auch nicht so recht weiter.

Mit meiner Familie habe ich regelmäßig über Whatsapp Kontakt, worüber ich zurzeit Fotos von tollen Weihnachtsplätzchen geschickt bekomme. Zugegebenermaßen macht mich das echt neidisch. Hier wird es an Heiligabend Hähnchen mit Kohl und Maisbrei geben – ein Festessen für die Kenianer. Ich tendiere dann aber doch eher zu einer großen Torte, die ich mir zu Heiligabend mit einer weiteren Freiwilligen in meinem Projekt teilen werde. Wenn die Bäcker hier etwas backen können, dann sind es Torten. Unser Projektleiter, Aggrey, wird natürlich auch dabei sein.

Nach Weihnachten treffe ich dann alle weiteren Freiwilligen meiner Organisation an Kenias traumhaften Stränden, wo wir gemeinsam in das neue Jahr reinfeiern werden.

Ich wünsche meinen Eltern, meinem kleinen Bruder und meiner gesamten Familie ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Martin Schmauch

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