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13:57 03.01.2022

Tibi – nicht an den Karton mit der Weihnachtsdekoration gehen“, ruft Mama. Heute ist sie ganz besonders aufgeregt. Sie schleppt viele Kartons und in allen sind spannende Sachen drin. Und es ist wie immer – an das interessante Zeug darf ich nicht ran. „Morgen ist der erste Advent und hier ist überhaupt noch nichts geschmückt“, ruft sie jetzt wieder. Papa hat auch schon Ärger bekommen – irgendein Licht hat er draußen nicht angebracht. Und komische Wörter sind das, die Mama seit Neustem benutzt. Weihnachten, Advent – was soll das denn sein? Irgendwas habe ich wohl verpasst. Kein Wunder, wenn man 11 Monate alt ist und mit lauter anderen Sachen beschäftigt ist, wie beispielsweise dem Laufen lernen. Am Karton hochziehen und eine Puppe mit Vogelflügeln rausholen, klappt schon mal. Mama merkt es leider viel zu schnell, bevor ich Karton und Menschlein genauer untersuchen kann. „Lass die Finger vom Weihnachtsengel“, sagt sie.
   

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Weil ich ihrer Meinung nach so viel Quatsch mache, muss ich erstmal in den Laufstall. Von dort kann ich wenigstens zuschauen und in Ruhe überlegen, was das Ganze überhaupt soll. Ich befrage Teddy, ob er was von „Weihnachten“ weiß. Da komme ich aber leider nicht weiter, er schüttelt auch nur den Kopf. Dann kommt Papa und bringt ein neues Buch mit. Er zeigt mir die Bilder und spricht auch wieder nur über dieses Weihnachten. Was ich verstanden habe: Es gibt einen Baum, da hängen Sachen dran. Es gibt was Kleines zu essen und irgendwie hängt da noch ein Mann mit weißem Rauschebart und roten Anziehsachen mit drin – der sogenannte „Weihnachtsmann“. Also viel schlauer bin ich jetzt auch nicht, ich lache Papa aber trotzdem an, dann freut er sich immer so schön. Morgen treffen wir andere Babies, da werde ich mal nachfragen, überlege ich mir.
   

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Am nächsten Tag im Babykurs befrage ich als erstes Leon, meinen besten Freund: „Leon, weißt du was das mit diesem „Weihnachten“ soll? Bei uns steht seit gestern ein Haufen neues Zeug herum, das glitzert und funkelt und ich darf nirgendwo dran.“ Leon nickt: „Davon erzählen sie bei mir zuhause auch. Meine Eltern haben auch alles umgeräumt. Und bald kommt das Christkind, haben sie gesagt und dass man sich dann freuen soll.“ Die Nummer mit dem Baum kennt er also auch.


Offensichtlich hat man bei Leon das Ganze aber falsch verstanden, von einem Christkind hat mir schließlich niemand was gesagt. Meine Freundin Nilay hat gar keine Ahnung, worüber wir reden und wirft mir stattdessen einen Ball an den Kopf. Dann frage ich eben mal Ricarda, die ist ziemlich schlau, denn sie kann sogar schon drei Wörter sagen: Mama, Dada (Papa) und Baba, was „Ball“ bedeutet. Das wir Babies uns untereinander auf höchstem Niveau unterhalten können, kriegen die Erwachsenen gar nicht mit. Meine Mutter ruft immer nur: „Guck mal wie niedlich sie glucksen! Als ob sie miteinander reden würden“, wenn wir voreinander sitzen. Typisch, da führt man eine ernsthafte Konversation und keiner der Mütter bekommt es mit. Ricarda erklärt mir das mit dem Weihnachtsmann erstmal. Man muss artig sein, irgendwann kommt dieser alte Mann und dann kriegt man was Schönes. Soweit so klar. Bloß das mit dem Artigsein macht mir Sorgen. Ich höre nämlich ständig ein lautes „Nein“ von meinen Eltern. Meistens, wenn ich mir dieses Ding an der Wand mit den beiden kleinen Löchern mal genauer angucken will. Weil alle gerade mit dem Spielzeug in der Mitte beschäftigt sind, versuche ich jetzt probehalber mal einen Schritt nach vorne, aber es wird wieder nichts. Ich lande auf dem Po, Ricarda lacht, ich schreie. Mama tröstet mich, ich bin trotzdem sauer. Das muss doch klappen! „Nicht weinen!“, sagt Mama und dann fahren wir wieder nachhause.

In den nächsten Tagen ist es immer noch stressig bei uns: Mama aufgeregt, Papa auch. Ich immer noch wütend, weil es mit dem Laufen nicht klappt. Schrei ich eben rum, damit sie mich tragen. Mama deswegen noch gestresster. Dann kommt Oma und erzählt irgendwas von „Früher war es Weihnachten auch mal besinnlicher“. Die kennt auch immer komische neue Wörter. Besinnlichkeit? Was soll das denn nun wieder sein? Abends im Bett frage ich wieder Teddy.

 Aber der schüttelt leider nur wieder den Kopf. Dann kommt irgendwann der Tag, den sie „Heiligabend“ nennen. In meinem Buch gibt es da auch ein Bild zu. Mit einem kleinen Haus, einem Esel, der macht I-A, und einer Kuh, die macht MUH. Und da stehen auch noch ein Haufen Leute rum. Mama hat es mir erklärt, aber ich habe es nicht verstanden. Irgendwann ist auch Schluss – ich bin ja gerade mal froh, dass ich mit meinen 11 Monaten das mit dem Weihnachtsmann kapiert habe. Zuhause ist es heute noch viel hektischer als all die Tage zuvor. Mama rennt nur hin und her. Papa sucht irgendein Papier und guckt ganz erleichtert, als er es findet. Es glitzert schön, aber ich darf da nicht ran. Mein Teddy ist auf einmal spurlos verschwunden und ich finde ihn nicht, obwohl ich in jeden (!) Raum gekrabbelt bin, alle Schubladen aufgemacht habe und die Hälfte meines Kleiderschranks ausgeräumt habe. Naja, eigentlich nicht in jeden – ins Wohnzimmer durfte ich komischerweise nicht, da ist die Tür schon den ganzen Tag zu. Da wird mir alles zu viel und ich weine erstmal. Das hebt die Stimmung allerdings nicht so besonders. Mama ist ohnehin noch nölig wegen der Ausräumaktion. Schließlich kommt Opa und holt mich zum Spazieren gehen ab. Das ist immer toll, da kann ich gut schlafen.

Als ich wieder aufwache, ist es schon fast dunkel und in unserer Straße gehen die Lichter an. Das funkelt vielleicht auf den Dächern und in den Gärten! Das mag ich ganz besonders. Als wir nachhause kommen, ist alles irgendwie verändert. Meine Eltern haben sich ganz schick gemacht. Auch mich ziehen sie mal wieder um. Tatsächlich aber etwas, was ich bisher noch nie anhatte. Mama nennt es „Anzug“. Und so wie sie betont, dass ich „süß“ sei, muss ich wirklich gut aussehen. Na, dann kriegt sich Oma nachher bestimmt auch nicht wieder ein. „Jetzt, muss du aber nochmal warten bis zur Bescherung“, sagt Mama und setzt mich in den Laufstall. Das finde ich blöd, aber schreien bringt nix. Sie bleibt hart. Auch wenn ich nicht weiß, was eine „Bescherung“ sein soll – wenn es etwas mit dem Laufstall zu tun hat, kann es nichts Gutes sein. Dann kommen Oma und Opa, aber die haben Teddy auch nicht dabei. Wie erwartet, ist Oma aber ganz bezuckert wegen meines Aussehens. Und endlich ist es soweit: Es ertönt ein Glöckchen und die ominöse Bescherung beginnt. Die Tür zum Wohnzimmer geht auf und ich darf endlich hinein. Dort steht ein riesiger grüner Baum, den ich vorher noch nie gesehen habe, und er funkelt und glitzert. Da sind kleine Lichter drauf und daran hängen viele glänzende Bälle. Darunter liegen ganz viele bunte Kisten mit Schleifen drauf.

Diese Eindrücke muss ich erstmal verarbeiten. Inmitten der ganzen Szene sitzt Teddy auf einem kleinen Gefährt und lächelt mich an. „Teddy, endlich ich habe dich so vermisst“, rufe ich laut. Die Erwachsenen hören allerdings nur „Da, dadadada!“. Ich krabble auf meinen bärigen Freund zu und ziehe mich an dem Ding – Mama sagt dazu ein „Lauflernwagen“ hoch. Langsam stehe ich auf und mache meinen allerersten Schritt und warte – ich falle nicht um! Dann setze ich noch mal einen Fuß vor den anderen und tatsächlich: Ich Konrad Tiberius, 11 Monate alt, fange am Heiligabend an zu laufen. Alle jubeln und freuen sich mit mir. Mama und Papa strahlt und ich strahle mit Ihnen, unter dem Weihnachtsbaum zwinkert mir Teddy zu. „Wir haben dich so lieb“, sagen meine Eltern mir immer wieder. Es ist der schönste und gemütlichste Abend den ich bisher erlebt habe und langsam beginne ich zu ahnen, was das ist, das Weihnachtsgeheimnis: Man nennt es wohl Besinnlichkeit.

Autorin: Sandra Windolph, 33 Jahre alt, Garbsen

SANDRA WINDOLPH AUS GARBSEN

hat die Geschichte „ Das Geheimnis von Weihnachten“ geschrieben. Inspiriert wurde sie durch ihren elf Monate alten Sohn Konrad Tiberius, der nun zum ersten Mal die Advents- und Weihnachtszeit erleben darf und alles mit großen Augen bestaunt. So stellt die Geschichte seine Sicht dar, wie er möglicherweise über das Weihnachtsfest, die damit verbundene Vorfreude und dem Trubel denkt.

Ein Bild von Angelika Lahmann
Ein Bild von Angelika Lahmann

ANGELIKA LAHMANN AUS GARBSEN verbindet ihre Zeichnung mit gepressten Pflanzenteilen. Die 76-Jährige erklärt dazu: „Dies ist meine diesjährige Weihnachtskarte, in die ich dann jeweils nur noch den betreffenden Wohnort der Adressatin/Freundin eintragen muss, zum Beispiel: ‘Neeiiin, nicht nach Köln ... nach Hannover!’“


BIANCA HOHEISEL AUS GARBSEN hat besondere Weihnachts-Kekse für ihre zweijährige Labrador-Pointer-Mischlingshündin Hetty gebacken. „So gibt es dieses Jahr nicht nur hundgerechte Zuckerstangen mit gekochtem Hühnchen und roter Beete, sondern auch Rentiernasen (die roten runden, auch mit roter Beete). Und ich habe dieses Jahr ganz tolle Backformen gefunden. So gab es auch Leberwurst-Männchen und Spinat-Tannenbäume. Selbstverständlich ist unsere Hetty ein lieber Hund und hat ihre Kekse mit ihren Hundeschul-Mitschülerinnen geteilt – dafür hat Frauchen die Kekse in hübsche Beutel verpackt und beim Hundeschulausflug an alle verteilt. Wie man auf den Bildern sieht, kann Hetty es kaum erwarten, endlich naschen zu dürfen“, schreibt die 37-Jährige.


Ein Basteltipp von Klemens Sprung
Ein Basteltipp von Klemens Sprung

KLEMENS SPRUNG AUS GARBSEN, der sein Alter mit „Ähm, schon mal über 50 Jahre“ angibt, schickte diese kleine Idee zum festlichen Essen: ein Tannenzapfen als Serviettenhalter.


Ein Basteltipp von Yvonne Müller
Ein Basteltipp von Yvonne Müller

Mit diesen individuell bemalten und gebastelten Engeln, Wichteln und vielen anderen verschönern YVONNE MÜLLER AUS GARBSEN und ihre Schwester Nicole Heins aus Hannovers Südstadt die Adventszeit. Sie tun damit Gutes: Seit über 20 Jahren unterstützen sie mit dem Erlös die Lebenshilfe in Seelze, seit zwei Jahren nun mit „Basteln to go“, da keine Basare möglich waren.

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