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Home Sonderthemen Komplett Von Risiken und Nebenwirkungen
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11:53 25.04.2019
Nachhaltigkeit: Eines der großen Themen unserer Zeit. Foto: iStockphoto.com/ipopba

Vor zehn Jahren war Green IT das Leitthema der Cebit. Es ging um Umweltschutz, energiesparende Technologien, um langlebige Geräte. Doch für Tilman Santarius, Professor für Sozial-ökologische Transformation und Nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin, ist das nur ein Aspekt. Er fragt: „Was machen digitale Tools und Anwendungen mit unserer Gesellschaft? Wie verändern sie das Miteinander, die Produktionsweise?“

Autoren zeichnen kritisches Szenario

Santarius und sein Mitautor Steffen Lange vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung zeichnen in ihrem Buch „Smarte Grüne Welt?“ ein kritisches Szenario. Für diese Publikation* haben sie viele Zahlen zusammengetragen, auch sehr griffige. Beispielsweise ab wann – unter Nachhaltigkeitsaspekten – die Nutzung eines E-Book-Readers besser ist als konventionell die Lektüre gedruckter Bücher.

Gundlach

Die Expertenantwort lautet: Bis sich die hohen Umweltkosten des Readers amortisieren, muss der Nutzer 30 bis 60 Bücher darauf lesen. Streaming verschlingt erst recht viele Ressourcen. Auf das Streamen von Videos und Filmen entfielen 2016 weltweit bereits 73 Prozent der Datenflüsse im Internet, 2021 wird der Anteil auf voraussichtlich 82 Prozent steigen, so die Cisco-Studie „The Zettabyte Era“.

Auch Santarius und sein Co-Autor liefern eindrucksvoll große, globale Zahlen: Ihnen zufolge beläuft sich der Stromverbrauch aller Informations- und Kommunikationstechnologien auf zwischen 7 und 10 Prozent der weltweiten Stromnachfrage. Tendenz steigend. Den Wissenschaftlern zufolge könnten es 2030 vielleicht schon 30 oder 50 Prozent sein. Vor diesem Hintergrund seien selbstfahrende Autos ein Schreckensszenario. Allein die Tatsache, dass solche Fahrzeuge permanent ihre Umgebung scannen, bedeute „ein geschätztes Datenvolumen zwischen 20 und 60 Megabyte je Auto – und zwar pro Sekunde.“ Dazu kämen Datenströme für GPS, Radar und Sensoren.

Apps können nachhaltige Mobilität unterstützen

Eine veränderte nachhaltige Mobilität sehe anders aus: Eine Kommune könnte Klimaschutzziele einlösen durch nutzungsgeteilten Verkehr wie Carsharing, eine verbesserte Auslastung des Personennahverkehrs, mehr Bequemlichkeit für dessen Nutzer durch clevere Apps wie Qixxit oder Moovel, die multimodal einen Weg von A nach B aufzeigen und dabei Verkehrsmittel kombinierten. Dadurch würde der motorisierte Individualverkehr zurückgedrängt. Tilman Santarius: „So könnte man die Potenziale der Digitalisierung heben.“ Augenwischerei sei es dagegen, wenn Pkw-Besitzer weiterhin einen eigenen Wagen besitzen und zusätzlich Freefloating-Carsharing-Modelle wie Car2go nutzten. Für dieses Prinzip würde zwar digitale Technik genutzt. „Aber zugleich kann es zu mehr statt zu weniger gefahrenen Kilometern in der Stadt führen.“

„Industrie 4.0 hinterfragen“

Skeptisch steht der Wissenschaftler auch den vermeintlichen Heilsversprechen von Industrie 4.0 gegenüber: „Da steckt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Millionen an Fördergeldern hinein. Die vernetzte Produktion ist aber leider nur industriepolitisch gedacht. Solange Wachstums- und Wettbewerbssteigerung im Vordergrund stehen, solange wird die Nachhaltigkeit stiefmütterlich behandelt oder gar mit Füßen getreten.“

Denn wenn zwar schneller und besser produziert wird, also auch ressourcenschonender – dann wird dieses Plus durch eine zwangsläufig daraus folgende erhöhte Produktion wieder aufgefressen. Über diesen sogenannten Rebound-Effekt hat Tilman Santarius schon 2015 ein ganzes Buch geschrieben. Und er verweist darauf, dass „gute Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegrationalisiert“ werden.

„Smarte grüne Welt?“ enthält eine Top-Ten-Liste von gefährdeten Berufen: Darin enthalten Büro- und Sekretariatskräfte, aber auch Bankkaufleute und Berufe in der Metallverarbeitung. Wer hier noch einen Job habe, könnte in Zukunft durch Maschinen und Algorithmen ersetzt werden. Panikmache? Keineswegs.

So wirken die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zunächst positiv. Ihnen zufolge könnte die Digitalisierung sogar Arbeitsplätze retten. Dazu muss man allerdings wissen, dass die Forscher beim Wandel zum Elektroauto bis zum Jahr 2030 von schlimmstenfalls 170 000 Jobs ausgehen, die wegfallen. Im besten Fall aber, so argumentieren sie, wären es nur ein Zehntel davon. Voraussetzung: Alle digitalen Fahrzeugkomponenten wie auch die Batterien für Elektro-autos würden in Deutschland produziert.

Sind Internetkonzerne zu groß geworden?

Die Frage ist, ob so etwas eintreten wird in einer globalisierten Welt? Man muss nicht Donald Trump beipflichten, wenn er einen Internetgiganten wie Amazon attackiert, weil dieser der amerikanischen Post und Einzelhändlern schade. Der polternde US-Präsident stört sich an der Marktmacht von Amazon.

Differenzierter hat sich Frankreichs Präsident Emanuel Macron kürzlich über Tech-Konzerne wie Amazon, Google und Facebook geäußert. Sie hätten eine monopolartige Position, selbst die US-Regierung könnte an den Punkt kommen und sagen: „Wacht auf. Sie sind zu groß.“ „Smarte grüne Welt?“ kam auf den Markt, als publik wurde, dass Analysten Abermillionen Facebook-Nutzer ausgespäht hatten. Der Datenskandal entspricht den Bedenken von Tilman Santarius. Er moniert, wie offensichtlich naiv Internetnutzer marktbeherrschenden Firmen wie Google, Apple, Amazon und Facebook private Informationen überlassen.

Datenschutz ist wichtig

Was also tun? Der Digitalexperte nennt Lösungen, die nachhaltiger sind und mehr Datenschutz gewähren: Statt Whatsapp lieber Dienste wie Signal oder Threema nutzen. Statt mit Google mit Startpage das Netz durchsuchen. „Man bekommt dieselben guten Ergebnisse, weil derselbe Algorithmus verwandt wird.“ Startpage trägt das europäische Datenschutz-Gütesiegel. Eine andere Alternative ist MetaGer, die Suchmaschine wurde an der Leibniz-Universität Hannover entwickelt: Sie trackt und speichert nichts, Links lassen sich anonym öffnen. Die Optionen sind vielfältig – Avodadostore statt Amazon, Dawanda statt eBay, lokale Wohnungsvermittlungsanbieter statt AirBnB. Er sieht den Einzelnen genauso wie die Politik gefordert: „Wir müssen uns die Frage stellen: Welche Art der Digitalisierung wollen wir?“

„Smarte Grüne Welt?“ von Steffen Lange und Tilman Santarius, oekom Verlag, 265 Seiten, 15 Euro


Die ersten Eigentumswohnungen im Projekt Herzkamp in Hannover-Bothfeld sind bereits im Verkauf.
Die ersten Eigentumswohnungen im Projekt Herzkamp in Hannover-Bothfeld sind bereits im Verkauf.

Bei der Reduktion von Treibhausgasen und beim nachhaltigen Wirtschaften hat Gundlach zahlreiche Erfolge zu verbuchen und arbeitet als Unternehmen vollständig CO2-neutral. Da jedoch der Klimawandel bereits spürbar an Fahrt gewinnt, entwickelt Gundlach in Hannover-Bothfeld jetzt ein Leuchtturmprojekt, das für mögliche Klimafolgen gewappnet ist.

Ressourcen schonen, CO2 minimieren

9,2 Hektar Bauland, 25 000 Quadratmeter Wohnfläche in Reihenhäusern und Wohnungen zum Kauf und zur Miete sind die Eckdaten des Projekts. Das Angebot richtet sich an unterschiedliche Einkommen und Altersstufen. 20 Prozent sind geförderter Sozialwohnungsbau, es gibt barrierefreie seniorengerechte Mietwohnungen und eine Kita mit vier Gruppen. Von 17 000 Kubikmeter bewegtem Oberboden wurden 4000 vor Ort als Waldschutzwall gelagert, die restlichen 13 000 ortsnah für Grünflächen eingesetzt. Das entspricht einer Einsparung von 5500 Kilometern Transportstrecke und 500 Lkw-Ladungen und damit: 7600 Kilogramm CO2.

Als Klima-Komfort-Inseln dienen in heißen Sommermonaten der schattige Quartiersplatz sowie Haus- und Mietergärten. Das Regenwassermanagement sorgt für Versickerung im Quartier. Ausgedehnte Retentionsflächen und Notüberlaufreserven für Extremniederschläge werden angelegt. Die sorgfältig ausgerichteten Gebäude bilden Schneisen, die kühle Luft vom Waldrand durch das Quartier und weiter in den umgebenden Stadtteil strömen lassen. Alle Häuser werden in energieeffizienter Bauweise errichtet, die möglichst weitgehende Nutzung erneuerbarer Energien und ein Blockheizkraftwerk sind vorgesehen. Ein Teil wird im besonders anspruchsvollen KfW-40-Standard gebaut.

Für eine zukunftsfähige Mobilität ist die vollständige Abdeckung mit Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge vorgesehen. Carsharing, Fahrradverleih und öffentliche Verkehrsmittel direkt am Quartier machen ein Leben auch ohne eigenes Auto attraktiv.

Firmengruppe Gundlach
Am Holzgraben 1
30161 Hannover
http://www.gundlach-bau.de
auf-gute-nachbarschaft.info
Tel.: (05 11) 3 10 90
Gegründet 1890
228 Mitarbeiter
GF: Lorenz Hansen (Vorsitzender), Dr. Frank Eretge

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