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12:21 04.01.2021
Weihnachtspostamts-Chef Jürgen Schart zeigt Briefe von Kindern aus aller Welt. Fotos: Carola Faber  

Die Briefe kommen täglich, meist als großer Stapel. Häufig sind sie liebevoll dekoriert, bemalt und beklebt. Die Post ist an den Weihnachtsmann in Himmelreich, 31535 Neustadt, adressiert. Dass es in dem kleinen Neustädter Stadtteil kein Postamt gibt, ist den Postzustellern längst bekannt. Sie bringen die Briefe aus aller Welt in die Albert-Schweitzer-Straße zu Jürgen und Christel Schart. Schon Wochen vor Weihnachten herrscht bei dem engagierten Ehepaar im Silbernkamp Hochbetrieb. Zusammen mit 13 weiteren Ehrenamtlichen wird jeder Brief persönlich beantwortet. „Dadurch unterscheiden wir uns von den Postämtern anderer beliebter Adressen wie Himmelpforten, Himmelsthür oder Engelskirchen“, berichtet Jürgen Schart. „Denn dort wird alles maschinell und von den Mitarbeitern der Post beantwortet. Wir gehen immer persönlich auf den Absender ein. So kann auch eine kleine Beziehung entstehen.“

Eine Korrespondenz wird es beim Postamt von Himmelreich noch lange geben. Vor einiger Zeit bat eine junge Frau um Rat. Sie wollte so gern Lehrerin werden, traute sich aber nicht, ihren Eltern den Wunsch mitzuteilen. Das Himmelreicher Weihnachtsteam riet ihr, sich ihren Eltern anzuvertrauen. Ein Jahr später kam die glückliche Antwort mit einem Dankesschreiben. Die Eltern hätten Verständnis gezeigt und die junge Frau ist inzwischen Lehramtsstudentin. „Diese Augenblicke bestätigen uns in unserem Engagement“, freut sich Jürgen Schart, der täglich mehrere Stunden mit der Post beschäftigt ist.

Viele Briefe aus Asien

In diesem Jahr haben besonders viele Briefe das Weihnachtspostamt erreicht, insgesamt 1650. „Ein großer Teil kommt immer noch aus Asien, speziell aus Taiwan. Aber in diesem Winter sind es vermehrt Briefe aus Deutschland, besonders aus den neuen Bundesländern und aus Süddeutschland“, ergänzt der Freizeitweihnachtsmann. Darunter sind Mütter, die im Namen ihrer Kinder schreiben, aber auch Kindergartengruppen, Schulklassen, junge Erwachsene oder Senioren gehören zu den Absendern. „Sogar eine 90-Jährige hat uns geschrieben. Sie wollte einfach nur einmal Post erhalten“, erzählt Christel Schart schmunzelnd.


"Wir gehen immer persönlich auf den Absender ein. So kann auch eine kleine Beziehung entstehen."

Jürgen Schartvom Weihnachtspostamt Himmelreich


Immer wieder taucht das Thema Corona auf. „Corona nervt“, schreibt eine Achtjährige. In einem anderen Brief wird die Frage gestellt, ob der Weihnachtsmann eigentlich eine Maske trägt. Einige junge Menschen schreiben, dass sie auf ein baldiges Ende der Pandemie hoffen, damit sie ihr Auslandssemester beginnen können. Andere bitten um Hilfe für erkrankte Eltern. In manchen Briefen wird dem Weihnachtsmann ein schönes Fest gewünscht.

Grundschüler äußern auch konkrete Wünsche. So würde sich Xenia sehr über ein Puppenhaus freuen. Die Herzenswünsche der Jugendlichen bewegen sich eher im elektronischen Bereich. Das kann der Weihnachtsmann im Auftrag von Himmelreich natürlich nicht erfüllen.

Viele Absender hoffen auch einfach nur auf Post. Und die kommt garantiert. Denn jeder erhält eine individuelle Antwort. Diese wird in ein kleines Büchlein mit Kurzgeschichten von Neustädter Autoren geschrieben, ansprechend illustriert von Anna und Marek Konarski. In diesem Jahr erfreut darin unter anderem die Geschichte „Muss der Weihnachtsmann eine Maske tragen?“ von Ingeborg Hinrichs und „Die Nacht vor Weihnachten“ von der 13- jährigen Sophie Haase. Sie schreibt von ihrer Trauer, dass sie in diesem Jahr nicht mit ihrer Oma Weihnachten feiern kann und schließlich eine freudige Überraschung erlebt.

„Eine sehr schöne Aufgabe“

Für die Briefe aus dem Ausland gibt es von dem Büchlein sogar eine englische Version. Einen besonderen Schmuck stellen immer die Umschläge mit einem farbigen Motiv sowie dem Nikolaus- und Himmelreichstempel dar. „Die Post an den Weihnachtsmann zu beantworten ist eine sehr schöne Aufgabe, die wir aber nur dank der Sachspenden ausführen können, denn die Druck- und Portokosten betragen pro Saison zwischen 2000 und 2500 Euro“, bestätigt der saisonale Weihnachtspostamtsleiter Jürgen Schart und ergänzt: „An den vielen Zuschriften wird deutlich, wie sehr die Kinder unter der augenblicklichen Situation leiden. Ich wünsche mir, dass sie es schaffen, diese Erfahrung in ihrem Leben unbeschadet zu verarbeiten.“
     

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