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10:48 25.02.2021
Anja Mohr freut sich sehr über die gemeinschaftliche Arbeit mit Ihrem Chef Malte Lautenbach.

Seit 2003 ist der Bestatter ein offiziell anerkannter Ausbildungsberuf. In früheren Jahren waren es zumeist Tischler oder Schreiner, die über das Zimmern eines Holzsarges auch zu Bestattern wurden. Inzwischen steigt das Interesse an dem pietätvollen und überaus empathischen Beruf Jahr für Jahr. Immer mehr junge Frauen und Männer, aber auch Berufsquereinsteiger, lassen sich zu Bestattungsfachkräften ausbilden. Eine von ihnen war mit Abschluss im vergangenen Jahr Anja Mohr (38), Bestattungsfachkraft im Unternehmen Gebr. Lautenbach.

Mit ihr sprach Axel Emmert, Mitarbeiter des Stadt-Anzeigers, über den Weg der Umschulung, beziehungsweise Ausbildung, und das Schöne an dem Beruf des Bestatters.

Frau Mohr, welchen beruflichen Weg sind Sie gegangen, bevor Sie sich entschlossen haben, eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft zu beginnen?

Mein ursprünglicher Berufswunsch war Gerichtsmedizinerin, was ja de facto schon etwas mit Toten zu tun hat. Doch unter anderem durch Familiengründung habe ich zuerst als Informatikerin gearbeitet, später als Tagesmutter und in der Versicherungsbranche.

Und wann stand der Entschluss fest: „Ich werde Bestatterin?“

Das war 2017. Ich fand den Beruf schon immer faszinierend, weil er sehr viel mit Menschen in unterschiedlichen Bereichen zu tun hat – sowohl mit den lebenden, aber eben natürlich auch und in erster Linie mit den Toten. Also habe ich mich bei einem Bestatter in Alfeld beworben und mit der Ausbildung angefangen.

Wie hat Ihre Familie, wie haben Ihre Freunde reagiert, als sie gehört haben: „Die Anja wird Bestatterin“?

Meine Familie stand und steht vollkommen hinter mir. Bei einigen Freunden war das leider nicht immer so, teilweise hatte ich das Gefühl, dass ich „ansteckend“ bin. Das war schon verwirrend, aber letztlich haben diese Freundschaften dann auch nicht gehalten.

Wie ging es mit der Ausbildung weiter?

Die Ausbildung dauerte insgesamt drei Jahre und umfasste spezielle Ausbildungsmodule in der „Theo-Remmertz-Akademie“ im unterfränkischen Münnerstadt, dem Aus- und Weiterbildungszentrum des Bundesverband Deutscher Bestatter. Dazu der praktische Einsatz bei dem jeweiligen Bestatter vor Ort, bei dem man die Ausbildung absolviert, aber auch ganz „normale“ Berufsschultage, in denen Wissen zum Beispiel über Buchhaltung und andere klassische Büroarbeiten vermittelt werden. In Springe in der Berufsschule gibt es speziell einen Zweig für angehende Bestattungsfachkräfte.

Nach Ihrer Ausbildung haben Sie recht schnell bei einem der führenden Unternehmen der Branche in Hannover, bei Gebr. Lautenbach, angefangen. Wie kam es dazu?

Ich habe während einer überbetrieblichen Lehrgangseinheit in Münnerstadt Herrn Wilhelm Lautenbach kennengelernt. Er arbeitet dort als Referent. In einem netten Gespräch am Rande der Ausbildung hat er mir seinen Betrieb „schmackhaft“ gemacht und ich habe mich entschlossen hier anzufangen.

Und? Haben Sie es bereut?

Anja Mohr (lacht und schaut zu Ihrem Chef Malte Lautenbach): Nein, nein, ganz im Gegenteil. Es ist ein tolles Arbeitsklima, ich werde in allen Bereichen eingesetzt und arbeite so in vielen Facetten.

Zwar ist Herr Lautenbach Senior jetzt nicht mehr so aktiv im Unternehmen, aber mit seinem Sohn Malte Lautenbach habe ich einen jungen Chef, mit dem es gemeinsam mit meinen Kollegen großen Spaß macht, zusammenzuarbeiten.

Malte Lautenbach: Ich mische mich ungern ein, aber Frau Mohr hat sich hier bei uns sehr gut entwickelt, sie ist eine hervorragende Kraft und passt perfekt ins Unternehmen.

Frau Mohr, wie schwer fällt es Ihnen, trauernde Angehörige zu betreuen, zu trösten?

Jeder Trauerfall berührt mich, aber er berührt mich nur so, dass ich meine Arbeit dennoch mit viel Empathie, Zuneigung und Aufmerksamkeit erfüllen kann. Es mag im ersten Moment komisch klingen, aber ich möchte, dass die Angehörigen nach dem Trauergespräch glücklich nach Hause gehen.

In der Tat, das hört sich komisch an, wie meinen Sie das?

Nun, wenn das Trauergespräch zu Ende ist, dann sollen die Angehörigen das Gefühl haben, dass ich ihnen eine große Last abgenommen habe. Ich regele alles für sie, sie können sich voll und ganz auf ihre Trauer konzentrieren, und das macht die Menschen ein Stück weg glücklich und gelöst.

Gibt es Situationen, bei denen auch Sie der Trauer mehr Platz einräumen, als es Ihre professionell wichtige Einstellung normalerweise zulässt?

Ja, die gibt es: Immer dann, wenn die natürliche Reihenfolge des Lebens und des Todes nicht eingehalten wird. Wenn also zum Beispiel Kinder gestorben sind, die von ihren Eltern betrauert werden. Dann kann auch ich durchaus einmal an meine Grenzen stoßen.

Vielen Dank für das Gespräch.
   

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