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19:44 26.09.2021
Breiter aufgestellt: Die neue Pflegeausbildung unterscheidet nicht mehr strikt nach Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege. iStockphoto.com/Sanja Radin

Krankheiten behandeln, Schmerzen lindern, Menschen helfen: Wer sich für eine Ausbildung in der Pflege entscheidet, lernt seit Januar 2020 schon als Azubi alle Pflegeberufe kennen. Denn in der neuen generalistischen Ausbildung wird nicht mehr zwischen Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege unterschieden.

LBV.SH Schleswig-Holstein

„Während ihrer dreijährigen Ausbildung erhalten die Azubis einen tiefen Einblick in alle Pflegebereiche“, sagt Altenpfleger Jens Berelsmann, der als Ausbildungsbeauftragter bei der Stadt Hannover arbeitet. Dabei stünden auch Themen wie die ambulante, palliative und psychiatrische Pflege sowie Beratung in der Pflege auf dem Lehrplan. Dadurch können Absolventen jederzeit zwischen den verschiedenen Pflegeberufen wechseln. „Vor der Generalisierung der Ausbildung war es für Altenpfleger nur schwer möglich, in einem Krankenhaus zu arbeiten“, sagt Berelsmann. „Das ist nun anders.“

Gute Aufstiegsmöglichkeiten machen die Ausbildung attraktiv

Heute können Absolventen frei wählen, in welchem Bereich sie nach ihrer Ausbildung arbeiten wollen. Berelsmann: „Sie können sich überall in der Pflege bewerben.“

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Ein weiterer Aspekt, der die neue Ausbildung zur Pflegefachkraft für viele junge Menschen attraktiv macht, sind neben den vielfältigen Einsatzgebieten auch die guten Aufstiegsmöglichkeiten. So können Auszubildende bereits im dritten Lehrjahr ein berufsbegleitendes Bachelorstudium der Pflegewissenschaften beginnen. Und nach Abschluss der Ausbildung ist ebenfalls noch ein Einstieg möglich.

„Ein Studium ist für alle sinnvoll, die Leitungs- oder Forschungsaufgaben übernehmen wollen, und wird auch von vielen Unternehmen immer häufiger gefordert“, sagt Berelsmann. Für Pflegekräfte, die Berufsschullehrer werden wollen, ist das Studium hingegen Pflicht.



Vor der Generalisierung der Ausbildung war es für Altenpfleger nur schwer möglich, in einem Krankenhaus zu arbeiten.

Jens Berelsmann, Altenpfleger


Seit Einführung der generalistischen Ausbildung sind laut Berelsmann die Bewerberzahlen deutlich gestiegen. Bei der Landeshauptstadt habe sich die Zahl der Auszubildenden im Vergleich zu 2018 verdoppelt. „Vielen ist klar, dass sie dadurch ein gutes Fundament bekommen und sich in viele Richtungen weiterentwickeln können.“

Qualifiziert ins Arbeitsleben: In drei Jahren zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann: Die schulische und praktische Ausbildung ist generalistisch angelegt. iStockphoto.com/shapecharge
Qualifiziert ins Arbeitsleben: In drei Jahren zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann: Die schulische und praktische Ausbildung ist generalistisch angelegt. iStockphoto.com/shapecharge

Da der Abschluss als Pflegefachkraft in ganz Europa anerkannt wird, gingen mittlerweile auch viele Bewerbungen aus dem Ausland ein. Auch hier bietet der Gesetzgeber seit 2020 viele Erleichterungen. So absolvieren Azubis mit Migrationshintergrund bereits während ihrer Ausbildung den für den Abschluss erforderlichen B2-Sprachkurs. Die Kosten von 600 bis 1000 Euro tragen oft die Unternehmen.

Wer sich für eine Ausbildung als Pflegefachkraft bewerben will, sollte die mittlere Reife haben oder einen Hauptschulab­schluss und eine mindestens zweijährige Ausbildung. „Außerdem sollten Bewerber Interesse am pflegerisch-medizinischen Bereich haben, kommunikativ und teamfähig sein, sich Wissen selbstständig aneignen können und gerne mit Menschen arbeiten“, sagt Berelsmann.

Kein klassischer Termin: „Bewerbungen sind das ganze Jahr über möglich“

Einen klassischen Bewerbungstermin gibt es laut dem Ausbildungsbeauftragten der Stadt nicht. „Bewerbungen sind das gesamte Jahr über möglich.“ Dabei bevorzugen es die meisten Unternehmen, wenn sie die Unterlagen per E-Mail erhalten. Wer seine Zeit bis zum Ausbildungsbeginn überbrücken will, der sollte als Pflegehelfer arbeiten. „Dann kann man in den Beruf hineinschnuppern und weiß bei Ausbildungsbeginn, was einen erwartet.“ Von Stephanie Zerm

Nach der Ausbildung gibt es gute Verdienstmöglichkeiten

Schlechte Bezahlung in den Pflegeberufen gehört künftig der Vergangenheit an. Nach der im Juni beschlossenen Pflegereform bekommen Pflegeanbieter ab September 2022 nur noch dann eine Zulassung, wenn sie Tariflöhne zahlen. Und diese können sich durchaus sehen lassen. Laut aktuellem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bekommen Azubis im ersten Jahr 1140 Euro, im zweiten 1202 Euro und im dritten 1303 Euro. Nach ihrer Ausbildung erhalten Pflegefachkräfte ein Einstiegsgehalt von 2880 Euro brutto. Hinzu kommen Zuschläge und Weihnachtsgeld. Wohnbereichs- oder Pflegedienstleitungen verdienen als Einstiegsgehalt in tarifgebundenen Betrieben sogar 3898 beziehungsweise 4212 Euro.

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