Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover

Home Sonderthemen Hannover Stadt Nord Mit einer Rettungskarte geht die Bergung schneller
Anzeige
20:41 21.03.2019
Bei einem Unfall kommt es darauf an, dass die Rettungskräfte die Anlage des Autos kennen. Foto: ADAC/ dpp-Autoreporter

Mit der Vorsorge ist das so eine Sache. Man sollte in allen Lebensbereichen auf Eventualitäten vorbereitet sein, aber wer ist das schon? Zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt geht längst nicht jeder, obwohl sie schnell erledigt sind. Oft ist es lediglich die Bequemlichkeit oder die Vergesslichkeit, die daran Schuld sind. Was für den eigenen Körper gilt, ist beim Auto nicht anders. Jederzeit kann im Straßenverkehr ein Unfall passieren. Aber wer denkt schon an solche eine Situation? Auch hier, wie bei der Gesundheit, sollte man allerdings vorbereitet sein, denn bei im Fall eines Unfalls kann jede Sekunde, die Rettungsdienste brauchen, ein Opfer aus einem Fahrzeug zu befreien, über Leben und Tod entscheiden. Oder es können lebensverändernde Verletzungen auftreten, die durch schnelleres Eingreifen hätten verhindert werden können. Mit der so genannten Rettungskarte kann die Bergung Verletzter in Unfallsituationen um einiges beschleunigt werden. 


Das Problem, vor dem die Rettungskräfte in zunehmendem Maße stehen, sind die unterschiedlichen Voraussetzungen je nach Fahrzeugtyp, die sie bei der Bergung zu beachten haben. Moderne Fahrzeuge werden immer komplexer im Aufbau. Die Technik ändert sich, neue Technologien werden eingeführt oder neue Werkstoffe eingeführt. Autos unterscheiden sich in der Anordnung von wichtigen Bestandteilen wie Batterie oder Kraftstofftank. Es muss zum Beispiel auch verhindert werden, dass Airbags nicht nachträglich auslösen und so die Rettung gefährden. Es ist wichtig für die Feuerwehr zu wissen, wo der Spreizer gefahrlos für Retter und Opfer angesetzt werden kann. Die zunehmend komplizierte Fahrzeugtechnik hat nach einer Studie des ADAC beispielsweise dazu geführt, dass bei neueren Fahrzeugen die Bergungszeit nur zu 20 Prozent unter 50 Minuten liegt. Bei älteren Fahrzeugen ist die Prozentzahl doppelt so hoch.


Die Rettungsorganisationen haben sich deswegen mit den Automobilherstellern zusammengesetzt und für jedes Fahrzeug so genannte Rettungsblätter zusammengestellt. Darin wird detailliert aufgelistet, wie das Fahrzeug aufgebaut ist und welche Besonderheiten zu beachten sind. In der Regel können die Rettungskräfte anhand des Kennzeichens auf diese Rettungsblätter zugreifen. Die Regelung gilt international.

Was hat das alles mit Vorsorge zu tun, wenn die Feuerwehr selbständig auf die Daten zugreifen kann? Leider sind noch nicht alle Feuerwehrleitstellen mit der entsprechenden Technik ausgestattet. Hier ist also der Fahrzeughalter gefragt, denn es gibt sozusagen eine analoge Version der Rettungskarte.

Die meisten Hersteller halten inzwischen entsprechende PDF-Dokumente im Internet bereit, die man sich herunterladen und ausdrucken kann. Dasselbe gilt für Automobilclubs. Diese Dateien sollten für das eigene Fahrzeugmodell heruntergeladen und farbig ausgedruckt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Informationen auch genau für das eigene Fahrzeug zutreffen.

Nach dem Ausdruck werden die Blätter der Rettungskarte zusammengefaltet auf der hinteren Seite der Sonnenblende auf der Fahrerseite angebracht. Dieser Ort ist bei Rettungskräften international bekannt. Zusätzlich ist es ratsam, an der Windschutzscheibe einen Aufkleber anzubringen, der auf die Rettungskarte hinweist. Auch sie sind unter anderem bei den Automobilclubs oder Überwachungsvereinen erhältlich.

Ganz besonders wichtig ist die Rettungskarte auch aus einem anderen Grund geworden. In zunehmendem Maße sind Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zum Verbrennungsmotor unterwegs. Vor allem Elektro- oder Gasantriebe haben zugenommen. Viele Helfer sind mit den technischen Gegebenheiten dieser Fahrzeuge trotz Schulungen noch nicht ausreichend vertraut. Wenn die Rettungskräfte mit einem Spreizer beispielsweise eine Stromleitung treffen, kann es zu schweren Verletzungen kommen. Die Daten auf der Rettungskarte weisen genau darauf hin, wo die Kräfte gefahrlos ansetzen können.

Datenschutz