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Home Sonderthemen Komplett Ausbildung in Corona-Zeiten
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18:57 16.09.2020
Noch viele freie Ausbildungsstellen: In der Logistikbranche wird motivierter Nachwuchs gesucht. iStockphoto.com/Geber86

Die Corona-Pandemie sorgt für Verunsicherung bei jungen Menschen, die eine Ausbildung beginnen möchten. Kurzarbeit oder drohende Insolvenzen von Ausbildungsbetrieben können Auswirkungen auf das Ausbildungsverhältnis haben. Aber: Es gibt noch sehr viele freie Ausbildungsplätze. Das bestätigt Holger Habenicht von der Agentur für Arbeit ebenso wie Prof. Dr. Günter Hirth von der Industrie- und Handelskammer Hannover. „Uns fehlen Bewerber, Ausbildungsplätze gibt es genug“, betont Habenicht. Die Berufsberater konnten wegen der Corona-Krise im März nicht in die Schulen gehen, um Schüler zu beraten. Mit Plakaten, Flyern, E-Mails, telefonischen Kontakten und Unterstützung der Schulen habe die Agentur für Arbeit versucht, die Schüler zu erreichen.

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Mit persönlichem Kontakt zum Erfolg

Auszubildende im Handwerk und in der Fertigung oder in der Produktion – besonders Bau- und Baunebenberufe – werden noch gesucht. Aber auch Bewerber für kaufmännische Berufe und Berufe in der Verwaltung sowie Berufe im Verkehr und in der Logistik sind gefragt. „Die wichtigste Botschaft an Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, ist: Bewerben lohnt sich auch in den nächsten Wochen und Monaten“, sagt Hirth. Niemand sollte resigniert auf das nächste Ausbildungsjahr warten. Sein Tipp: Gerade bei mittelständischen Unternehmen lohne es sich, initiativ anzurufen oder eine E-Mail zu schreiben. Der persönliche Kontakt führe oft zum Erfolg.

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Wegen rückläufiger Absolventenzahlen und coronabedingten Schließungen planen die Unternehmen gut ein Fünftel weniger Ausbildungsplätze ein als im Vorjahr. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen. „Es fehlen im Bewerbungsprozess aber einfach etliche Wochen. Wir hoffen, dass die Verzögerungen bis zum Herbst aufgeholt werden können“, sagt Volker Linde, Sprecher Berufliche Bildung der IHK Niedersachsen. Die Chancen dafür seien gut, es gebe nach wie vor viele freie Plätze.


"Uns fehlen Bewerber, Ausbildungsplätze gibt es genug."

Holger Habenicht,
Agentur für Arbeit


Unterstützung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie bietet das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“: Kleinere und mittlere Unternehmen profitieren von insgesamt 500 Millionen Euro bis 2021.

Gerechtigkeit Gemeinsam Gestalten
Mehr Stellen als Bewerber: Auch in der Corona-Zeit werden in vielen Betrieben noch Azubis gesucht. iStockphoto.com/Halfpoint
Mehr Stellen als Bewerber: Auch in der Corona-Zeit werden in vielen Betrieben noch Azubis gesucht. iStockphoto.com/Halfpoint

Besonders von der Pandemie betroffene Betriebe erhalten eine Prämie, wenn sie ihre Ausbildungsplätze halten. Für jeden jetzt abgeschlossenen Azubi-Vertrag werden 2000 Euro gezahlt. Unternehmen, die mehr Ausbildungsplätze als zuvor anbieten, erhalten sogar eine Prämie von 3000 Euro für jeden über dem bisherigen Niveau zusätzlich abgeschlossenen Vertrag.

Auch Unternehmen, die Azubis aus anderen Betrieben übernehmen, die ihre Ausbildung dort aufgrund der Pandemie übergangsweise nicht fortsetzen können, werden gefördert. Von Martina Steffen


„Bewerben lohnt sich auch jetzt noch“

Prof. Dr. Günter Hirth im Interview über freie Lehrstellen, finanzielle Förderungen und die Planung mit Corona.

RECHNET MIT EINER ZWEITEN CORONAWELLE: Prof. Dr. Günter Hirth IHK Hannover
RECHNET MIT EINER ZWEITEN CORONAWELLE: Prof. Dr. Günter Hirth IHK Hannover

Wie ist die Situation aktuell, gibt es noch freie Lehrstellen?

Die Situation ist für Jugendliche ermutigend: Es gibt noch sehr viele offene Ausbildungsplätze, und das über eine große Bandbreite von Ausbildungsberufen. Bewerben lohnt sich auch jetzt und im Herbst noch!

Durch die Rücknahme des G 8 gibt es in diesem Jahr wenige Abiturienten. Was bedeutet das für den Ausbildungsmarkt? Und: Haben Realschüler dadurch bessere Chancen?

Wir merken das gerade bei den bei der IHK angesiedelten Berufen: Da haben wir bisher eine Abiturientenquote von 37 Prozent. Viele Ausbildungsbetriebe haben weniger Bewerbungen erhalten. Natürlich erhöht das auch die Chancen von Jugendlichen ohne Abitur. Die Persönlichkeit ist vielen Ausbildungsbetrieben wichtiger als der formale Schulabschluss.

Wie wirkt sich die Covid-19-bedingte Kurzarbeit in Betrieben auf die Auszubildenden aus?

Unsere aktuelle Ausbildungsumfrage hat gezeigt, dass die Unternehmen diese Phase weit überwiegend kreativ genutzt haben. Bei 77 Prozent der Betriebe konnte die Ausbildung normal weiterlaufen. Nur 3 Prozent der Betriebe mussten Azubis in Kurzarbeit schicken – als letztes Mittel. Ein Drittel der Betriebe hat seine Azubis gelegentlich mobil oder im Homeoffice arbeiten lassen.

Was passiert mit den Auszubildenden, wenn das Ausbildungsunternehmen insolvent ist?

Insolvenz heißt nicht automatisch, dass der Betrieb geschlossen wird. Bei weiterlaufendem Betrieb können Azubis weiter ausgebildet werden. Bei Liquidation helfen wir, einen Ausbildungsbetrieb zu finden, bei dem die Ausbildung weitergeführt werden kann. Für Ausbildungsbetriebe, die sich hierzu bereit erklären, gibt es auch eine finanzielle Förderung durch das Land.

Gibt es bereits viele Insolvenzen aufgrund der Corona-Krise, bei denen Auszubildende betroffen sind?

Im Augenblick sehen wir wegen der finanziellen Förderung durch die Soforthilfe bzw. Überbrückung noch sehr wenige Insolvenzen.

Bereiten Sie sich auf eine zweite Corona-Welle vor? Und wenn ja, was konkret planen Sie?

Wir planen für das nächste Jahr „mit Corona“. Das betrifft vor allem die Abschlussprüfungen, die unter den geltenden Hygienebedingungen ablaufen. Wir möchten ja, dass die Azubis planmäßig ihre Ausbildung beenden können. Das haben wir in diesem Sommer mit allen Beteiligten unter verschärften Bedingungen eingeübt.


Vorstellungsgespräch per Video

Bewerben von zuhause aus: Tipps und Tricks für das erfolgreiche Treffen vor der Kamera

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance – das gilt auch für ein Bewerbungsgespräch. Aufgrund der Corona-Pandemie fällt aber oft das Treffen weg, stattdessen gibt es ein Videogespräch. Wie gelingt es, vor der Kamera ein gutes Bild zu machen?

1. Inhaltliche und technische Vorbereitung

Haltung zeigen: Wer sitzt, sollte sich auf den vorderen Teil des Stuhls setzen und die Füße auf den Boden stellen. iStockphoto.com/FreshSplash (2)
Haltung zeigen: Wer sitzt, sollte sich auf den vorderen Teil des Stuhls setzen und die Füße auf den Boden stellen. iStockphoto.com/FreshSplash (2)

Ganz gleich, ob persönliches Treffen oder Videogespräch: Die inhaltliche Vorbereitung für das Bewerbungsgespräch bleibt identisch, sagt Karriere- und Business-Coach Bernd Slaghuis. Es ist wichtig, einen Überblick über das Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen sowie Standorte, Umsatz und Anzahl der Mitarbeiter zu haben. Der Vorteil beim Videogespräch: Spickzettel sind erlaubt. Solange man nicht alles mit gesenktem Kopf abliest, stört es die Personaler nicht, was auf dem Tisch liegt. Vorab sollte ein Technik-Check erfolgen.

2. Licht und Ton wie ein Profi

Der wohl größte Unterschied zum analogen Bewerbungsgespräch entsteht durch weniger Kommunikationskanäle, erklärt Nicole Krieger, Leiterin der Moderatorenschule Baden-Württemberg. Man sieht nur den Oberkörper und das ganze Bild ist zweidimensional. „Deswegen muss man noch überzeugender sein mit dem, was man sieht und hört.“ Dafür sind Licht und Ton entscheidend. Am besten sei natürliches Tageslicht von vorne, das Gesicht schaut also zum Fenster. Den Ton testet man bestenfalls im Vorfeld des Gesprächs. Klingt die Stimme blechern, empfiehlt Krieger, ein externes Mikrofon auszuprobieren.


3. Ein Gespräch auf Kamerahöhe

Blickkontakt per Video ist gar nicht so einfach: Denn schaut man sein Gegenüber auf dem Bildschirm an, geht der Blick nicht mehr in die Kamera und damit zum Gesprächspartner, erklärt Andrea Ballschuh. Gerade wenn man selbst spricht, sollte man sich daher zwingen, den Blick direkt in die Kamera zu richten. Damit man es nicht vergesse, könne man sich einen Aufkleber neben die Linse oder ein Foto dahinter kleben. Auch die eigene Position ist relevant: Das Videogespräch sollten Bewerber nicht mit Tablet oder Smartphone in der Hand oder auf dem Tisch führen. Stattdessen rät Ballschuh die Computerkamera auf Augenhöhe auszurichten oder das Smartphone in einem Stativ aufzustellen. Der Bildausschnitt sollte dabei wie bei Nachrichtensprechern von den Ellenbogen bis knapp über den Kopf reichen, sagt Nicole Krieger.

4. Haltung zeigen und Fragen stellen

Eine aufrechte Haltung kommt gut an. Wer sitzt, sollte sich laut Krieger auf den vorderen Teil des Stuhls setzen, die Füße auf den Boden stellen und sich leicht zur Kamera beugen. Ballschuh dreht ihre Videos zu Hause am liebsten im Stehen und barfuß. Das gibt ihr einen festen Stand. Wichtiger als die Körperhaltung bewertet Bernd Slaghuis die innere Haltung. „Das Fachwissen wurde schon im Lebenslauf überprüft. Im Bewerbungsgespräch will man den Menschen als potenziellen Mitarbeiter und Kollegen kennenlernen.“ Dazu gehört auch, Klarheit zu schaffen: Wer nervös ist, weil es das erste Videobewerbungsgespräch ist, könne das ruhig zu Beginn ansprechen. dpa/tmn
  

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