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15:26 13.04.2021
Erika Fisch (Jahrgang 1934)

Die 96-Leichtathleten sind ein Erfolgsgarant. Schon 1904, acht Jahre nach der Vereinsgründung, gewann Friedrich Hoffmann den deutschen Meistertitel im Diskuswurf mit genau 30 Metern. 116 Jahre später holten Malik Diakité (Erwachsene) und Marcel Meyer (A-Jugend) die Zehnkampf-Titel in ihren Altersklassen. In diesem Jahr könnten die Schlagzeilen Imke Onnen gehören. Die 26 Jahre alte Hochspringerin, 2019 Dritte bei den Studenten-Weltspielen, hat die Norm für die Olympischen Spiele in Tokio erfüllt.

Die größten Erfolge feierten die Leichtathleten des Klubs in den 50erund 60er-Jahren – dank Rudi Franz, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Er übernahm 1952 als 20-Jähriger die Abteilungsleitung und führte den Klub auf Champions-League-Niveau. Davon zeugen rund 50 deutsche Meistertitel, neun EM-Medaillen und ein Olympiasieg. Franz gelang es auch zu Meetings in Hannover die Stars aus Europa und den USA zu locken – mit Aktentaschen und Schweizer Uhren als Siegprämien. „Die Leichtathleten waren Amateure, da durfte kein Geld fließen“, sagte er. Und sie brauchten viel Eigeninitiative. So ist überliefert, dass die 96er im Training über selbst gezimmerte Hürden aus Apfelsinenkisten liefen. Liesel Westermann, die spätere Diskuswurf-Weltrekordlerin, spielte in jenen Jahren eine ganz besondere Rolle – wie auch Erika Fisch, Walter Mahlendorf und Jutta Heine. Wir erinnern an diese 96-Größen. Carsten Schmidt

Weitere 96-Meister

■ Hermann Blazejezak Europameister 1938 über 4x400 Meter
■ Hermann Lingnau deutscher Meister 1957 und 1958 im Kugelstoßen, EM-Vierter 1958
■ Helga Henning deutsche Meisterin 1962 und 1963 über 400 Meter, EM-Vierte 1962
■ Hinrich John deutscher Meister 1964 bis 1968 über 110 Meter Hürden, EM-Zweiter 1966
■ Renate Meyer-Rose deutsche Meisterin 1964 über 100 Meter, EM-Zweite 1966 über 4x100 Meter
■ Christa Elsler Meisterin 1963, 1964 über 4x100 Meter und im Fünfkampf-Team
■ Hannes Koch deutscher Meister 1964, 1965 im 20 Kilometer Gehen
■ Wolfgang Schillkowski deutscher Meister 1967 im Hochsprung
■ Hildegard Janze deutsche Meisterin und Europacup-Siegerin 1970 über 800 Meter
■ Stefan Steding deutscher Meister 2007 im Speerwurf, Olympiateilnehmer 2008
■ Eike Onnen deutscher Meister 2016 im Hochsprung, EM-Dritter und Olympiateilnehmer 2016
■ Malik Diakité deutscher Meister im Zehnkampf 2020

Erika Fisch (Jahrgang 1934)

Die wohl kleinste 96-Leichtathletin (1,57 Meter) darf auf eine große Karriere zurückblicken. Fisch holte rund 20 nationale Titel im Sprint, Hürdensprint, Weitsprung sowie diversen 96-Teams. Auf der internationalen Bühne gewann sie Silber (4x100 m) und Bronze (80 m Hürden) bei der EM 1962, sie wurde Vierte im olympischen Weitsprung-Finale 1956. Ihre Spuren sind in Hannover auch im Sportpark sichtbar: Die Mehrkampfanlage trägt seit 2009 ihren Namen. Fisch stammt aus Hannover, ihre Familie wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebombt und zog an den Harzrand. So startete die Sportlerin bis 1956 für den MTV Osterode und wechselte im Zuge ihrer Lehrerinnen-Ausbildung zu 96 – als besondere Weltrekordlerin. 1956 lief sie in der 4x100-Meter-Staffel mit Christa Stubnick, Gisela Köhler und Bärbel Meyer (alle DDR) 45,1 Sekunden. Heute lebt Fisch zurückgezogen in Garbsen.


Walter Mahlendorf (Jahrgang 1935)

Wo stärkt sich ein Sprinter nach dem Training? Walter Mahlendorf (auf dem Foto links) kehrte auf dem Nachhauseweg in der Kneipe D-Zug nahe dem Hauptbahnhof ein. „Dort gönnte ich mir ein Bier und eine Bratwurst“, erzählt der Sportler, der es als einziger 96-Leichtathlet zum Olympiasieg brachte. 1960 in Rom stand er mit Bernd Cullmann, Armin Hary und Martin Lauer auf dem höchsten Siegertreppchen, bei der EM zwei Jahre zuvor gab es ebenfalls Staffel-Gold für Mahlendorf. Der gebürtige Sarstedter hatte als Dreispringer (zweimal deutscher Juniorenmeister) begonnen, wechselte bei 96 zum Sprint. Mahlendorf beherrschte vortrefflich das Laufen in der Kurve, hatte so einen Stammplatz in den deutschen Quartetten. Nach seiner Sportkarriere schulte der Großhandelskaufmann zum Diplom-Sportlehrer um, 1971 bis 1996 leitete er die Sportverwaltung in Bochum.


Jutta Heine (Jahrgang 1940)

Die Sprinterin trug nur kurze Zeit das 96-Trikot. Heine brachte aber 1962 gleich drei EM-Medaillen nach Hannover: Gold über 200 Meter sowie Silber über 100 und 4x100 Meter gemeinsam mit Klubkollegin Erika Fisch. Ihre publikumswirksamen Auftritte hatte die große, langbeinige Sportlerin (damals noch beim DHC Hannover) zwei Jahre zuvor in Rom bei den Olympischen Spielen. Ihre zwei Silbermedaillen (200 und 4x100 m) und die Duelle mit Wilma Rudolph (USA, Foto), der Weltbesten, rückten Heine ins Licht der Öffentlichkeit. Ihr selbst war der Rummel stets suspekt. „Ich bin ein Landkind und liebe die Natur“, sagt Heine, die auf Gut Binder bei Hildesheim ihre Kindheit verbrachte und nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften einen Reiterhof und ein Hotel im Westerwald aufbaute. Dort lebt sie heute und freut sich vor allem an der alten Linde im Hof des Anwesens.


Liesel Westermann (Jahrgang 1944)

Die gebürtige Sulingerin hatte den Dreh raus – davon zeugen nicht nur ihre Diskuswurf-Weltrekorde zwischen 1967 und 1969. Die erste Bestmarke setzte Westermann zum Abschied von 96. Im November 1967 übertraf sie in São Paulo als erste Frau die 60-Meter-Marke (61,26). Ihren Einstand in Hannover gab sie drei Jahre zuvor mit zwei außergewöhnlichen Meistertiteln im Mannschafts-Fünfkampf und in der Sprintstaffel. Die Schnellkraft – Westermann lief als 18-Jährige 12,4 Sekunden über 100 Meter – legte auch die Grundlage für ihre Erfolge im Wurfring. In der 96-Zeit gewann die Werferin mit EM-Silber 1966 ihre erste internationale Medaille, es folgten ein Jahr später Universiade-Siege mit dem Diskus und der Kugel. Heute arbeitet die frühere Lehrerin und Referentin im niedersächsischen Kultusministerium in Hannover und pflegt ein Hobby mit Dreh. „Ich spiele leidenschaftlich Golf.“
  

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